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TU Berlin

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Wie beeinflussen Songtitel die Wahrnehmung von Musik?

Medieninformation Nr. 58 /2018

In einer gemeinsamen Studie des Fachgebiets Audiokommunikation der TU Berlin und der Goldsmiths University of London haben die Wissenschaftler Manuel Anglada-Tort, Dr. Jochen Steffens und Dr. Daniel Müllensiefen die Auswirkungen von Songtiteln auf die Bewertung von Musik untersucht.

Dass Titel die Wahrnehmung und Wertschätzung von Gemälden oder Kunstobjekten stark beeinflussen, ist inzwischen allgemein bekannt und gut erforscht: Das identische Bild mit zwei verschiedenen Überschriften kann ganz unterschiedlich wahrgenommen werden. Die Frage, ob Songtitel die Wahrnehmung und Bewertung von Musik beeinflussen, wurde jedoch bislang noch nicht untersucht. „Aufgrund der bisherigen Studiensituation lag der Verdacht nahe“, so Manuel Anglada-Tort, Doktorand am Fachgebiet Audiokommunikation der TU Berlin und Erstautor der jetzt in der Fachzeitschrift Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts erschienenen Studie. „Titel sind ein grundlegendes Element jeder Musik. Wenn wir in Playlists nach Musik suchen, tun wir das in der Regel anhand der Titel, die uns an unsere Lieblingsmusik erinnern.“

Grundsätzlich können Songtitel einen negativen oder positiven emotionalen Inhalt haben (z.B. „Tragedy“ von Norah Jones oder „Kiss“ von Prince). Andere können eine starke Aussage transportieren wie „My guitar wants to kill your mama“ (Meine Gitarre will deine Mama töten) von Frank Zappa oder „Ha ha you’re dead“ (Haha, du bist tot) von Green Day. In jedem Fall verbinden Menschen mit einem Titel Emotionen. In der aktuellen Studie haben Wissenschaftler die Auswirkungen von Songtiteln anhand von zwei verschiedenen Experimenten untersucht, in denen Versuchspersonen Musik vorgespielt wurde, die sie anschließend bewerten mussten.

Im ersten Experiment unterschieden sich die Titel anhand ihrer flüssigen Aussprache. Identische Musikstücke wurden einer Gruppe entweder mit fließenden, leicht auszusprechenden Titeln präsentiert oder mit komplizierten, schwer auszusprechenden Titeln. Die Ergebnisse zeigten, dass Teilnehmenden die Musik, die ihnen mit einem leicht auszusprechenden Titel vorgestellt wurde, nicht nur besser bewerteten, sondern dass sie das Lied auch eher Freunden empfehlen oder ein Konzert dieser Künstlerin oder dieses Künstlers besuchen würden.

Die Emotionalität des Titels zählt



TU-Wissenschaftler konnten nachweisen: Musiktitel beeinflussen stark die Wahrnehmung der Musik.
Dieses Musikstück wurde Versuchspersonen jeweils mit drei emotional unterschiedlich belegten Titeln präsentiert. „Windows“ ist emotional eher neutral, „Passion“ positiv und „Tragedy“ negativ assoziiert. Von den Probanden wurde das identische Stück ästhetisch höherwertig eingestuft, wenn es einen positiv klingenden Titel trägt.

In einem zweiten Experiment wurden die emotionalen Assoziationen der Songtitel manipuliert. Dieselben Musikstücke wurden mit positiven („Passion“), negativen („Tragedy“) oder neutralen („Window“) Titeln präsentiert. Wurde das identische Musikstück mit negativen Titeln belegt, maßen die Versuchspersonen diesen Musikstücken auch einen geringen ästhetischen Wert bei. Bei den Erinnerungswerten war der Zusammenhang exakt umgekehrt: neutrale und negative Titel hatten die höchsten Erinnerungsquoten. „Insgesamt ergab eine abschließende Gesamtanalyse, dass die gleiche Musik besser bewertet wurde, wenn sie mit Titeln präsentiert wurde als ohne. In dem Fall spielte die Emotionalität des Titels keine Rolle“, so Manuel Anglada-Tort.

Die Studie zeigt, dass – vergleichbar mit dem Einfluss von Titeln auf Kunstwerke – die Manipulation der linguistischen Eigenschaften eines Titels auch Auswirkungen auf die Wahrnehmung und Bewertung des dazugehörigen Stückes hat. Die Autoren resümieren daher, „dass Songtitel mehr sind als Worte; sie sind Signale, die Menschen beeinflussen.“

Publikation

Names and titles matter: The impact of linguistic fluency and the affect heuristic on aesthetic and value judgements of music. Manuel Anglada-Tort and Jochen Steffens, Technische Universität Berlin; Daniel Müllensiefen, Goldsmiths, University of London. Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts, Apr 05, 2018.
DOI: http://dx.doi.org/10.1037/aca0000172

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:

Manuel Anglada-Tort
TU Berlin
Fachgebiet Audiokommunikation
Einsteinufer 17C
10587 Berlin
Tel.: 030 314-24430

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