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TU Berlin

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Antisemitische Hassbilder

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Uffa Jensen wird neuer Heisenberg-Professor am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin

Lupe

Der moderne Antisemitismus ist eine emotionale Abwehrhaltung gegen Juden; schon Jean-Paul Sartre nannte ihn eine „Leidenschaft“. Gegen Juden werden verschiedene Verneinungsgefühle wie Hass, Ekel, Zorn oder Angst gerichtet.

Visuelle Artefakte (Poster, Postkarten, Karikaturen etc.) unterstützten die Entstehung, Verfestigung und Verbreitung dieser Gefühle. Gelegentlich bildeten sie solche Gefühle direkt ab, gelegentlich versuchten sie solche beim Betrachter zu produzieren. So zielten zum Beispiel Darstellungen verzerrter jüdischer Köpfe mit übergroßen Nasen, Ohren und Mündern – Körperöffnungen für ekelhafte Ausscheidungen – auch darauf, Ekelgefühle entstehen zu lassen.

In der klassischen Antisemitismus- und Vorurteilsforschung wurden Gefühle kaum systematisch untersucht. Obwohl es zu antisemitischen Bildern bereits einige Forschungsarbeiten gibt, so konzentriert sich die Antisemitismusforschung doch überwiegend auf Texte. Auch die emotionale Relevanz von Bildern ist bisher nicht analysiert worden. Die neue Heisenberg-Professur von Uffa Jensen an der TU Berlin widmet sich diesem Bereich in historischer Perspektive und begründet eine visuelle Emotionsgeschichte.

Uffa Jensen wird sich vor allem mit der umfangreichen Sammlung antisemitischer Bilder beschäftigen, die Arthur Langerman in Brüssel zusammengetragen hat. Die Sammlung mit Tausenden von Bildern bietet dabei vielfältige Möglichkeiten, antisemitische Gefühle zu untersuchen. Neben publizierten Karikaturen enthält sie eine große Sammlung von beschrifteten und verschickten Postkarten, so dass die (emotionale) Rezeption von antisemitischen Bildern erfasst werden kann. Anhand einzelner Nachlässe von Karikaturisten, die sich ebenfalls in der Sammlung Langermans befinden, lassen sich auch Einblicke in den Produktionsprozess antisemitischer Bilder gewinnen. Internationale Vergleiche können ebenfalls vorgenommen werden, weil sie Materialien aus verschiedenen europäischen und islamischen Ländern seit Mitte des 19. Jahrhunderts enthält. Ausgehend von dieser Sammlung lässt sich schließlich nach der Bedeutung von antisemitischen und rassistischen Bildern in unserer Gegenwart, etwa im Internet und den sozialen Medien fragen.

Mit der Einrichtung der Heisenberg-Professur fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Forschung von Uffa Jensen und des Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA) in Berlin. Das ZfA erhält dadurch die Möglichkeit, die Forschung mit visuellen Quellen neu auszurichten und eine systematische Untersuchung von antisemitischen Gefühlen zu ermöglichen. So lassen sich die bisherigen innovativen Leistungen des Zentrums auf dem Gebiet der Antisemitismusforschung sinnvoll ergänzen, erweitern und vertiefen.

Lebenslauf:
Prof. Dr. Uffa Jensen, geb. 1969 in Husby (Schleswig-Holstein), studierte Geschichte, Politikwissenschaft und Philosophie in Kiel, Jerusalem, Berlin und New York. Er wurde 2003 an der TU Berlin mit einer Dissertation promoviert, die das Verhältnis von bürgerlichen Juden und Protestanten im 19. Jahrhundert untersuchte. Dort spielte die Entstehung des modernen Antisemitismus bereits eine wichtige Rolle. 2016 wurde er an der FU Berlin mit einer Arbeit zur Globalgeschichte der Psychoanalyse habilitiert.

Als Historiker lehrte und forschte er unter anderem mehrere Jahre an der Universität Göttingen sowie an der University of Sussex in Großbritannien. Von 2010 bis 2017 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsbereich Geschichte der Gefühle des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung (MPIB) tätig. Ein dortiger Forschungsschwerpunkt bildete die Emotionsgeschichte des modernen Antisemitismus, zu dem er 2012 eine internationale Konferenz am MPIB organisierte.

Seine Forschungen beschäftigen sich mit der Geschichte des modernen Antisemitismus, der modernen deutsch-jüdischen Geschichte, der Emotionsgeschichte, der Geschichte der Psychoanalyse sowie mit der deutschen und europäischen Geschichte der Neuzeit.

Wichtige Publikationen:
•    Zornpolitik, Berlin (Suhrkamp) 2017
•    Recht und Politik, Perspektiven deutsch-jüdischer Geschichte, Paderborn (Schöningh) 2014
•    Gefühle gegen Juden, Geschichte und Gesellschaft, Jg. 39/4 (2013) (Themenheft hrsgg. mit Stefanie Schüler-Springorum)
•    Gebildete Doppelgänger. Bürgerliche Juden und Protestanten im 19. Jahrhundert, Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 2005

sn

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:

Prof. Dr. Uffa Jensen
TU Berlin
Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA)

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