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TU Berlin

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Die TU Berlin für die Stadt

Berlins vergessene Mitte

Dienstag, 16. November 2010

Eine Ausstellung im Stadtmuseum in Kooperation mit dem Center for Metropolitan Studies der TU Berlin zeigt auch frühes Bürgerengagement für die Berliner Altstadt

Panorama 1896, fotografiert vom Turm des Roten Rathauses. Links die Türme der Nikolaikirche, rechts die Marienkirche, in der Bildmitte ist das Berliner Schloss, rechts daneben die Baustelle des Berliner Doms zu sehen
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Die Wahrzeichen der Stadt haben für Berliner und Touristen einen hohen Identifikationswert. Umso erstaunlicher ist es, dass die eigentliche Altstadt zwischen S-Bahn-Bogen, Fernsehturm und den Spreearmen fast völlig vergessen ist. Heute ist die Berliner Altstadt sehr heterogen mit mittelalterlichen Stadtkirchen, einigen städtischen Monumentalbauten wie Rathaus und Stadthaus bebaut und weist große Verkehrsschneisen und Freiflächen auf. Weil hier in Zukunft umfassend neu gebaut werden soll, hat die Stiftung Stadtmuseum Berlin erstmals eine Fotoausstellung über die Umbaugeschichte der Altstadt in den vergangenen 170 Jahren konzipiert. Dafür hat sie das Center for Metropolitan Studies der TU Berlin eingeladen, die Geschichte einzelner Stadtquartiere aufzuarbeiten.

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16 Studierende des Masterstudiengangs Historische Urbanistik aus einem Projektseminar über die archivalische Überlieferung der Altstadt beteiligten sich und durften im Landesarchiv Berlin bislang kaum bearbeitete Schriftzeugnisse über das Alltagsleben der Berliner im 19. und 20. Jahrhundert einsehen. Unter Anleitung von Prof. Dr. Georg Wagner-Kyora vom Institut für Geschichte und Kunstgeschichte und Dr. Celina Kress erarbeiteten sie Schwerpunkte zum Thema "Altstadt Berlin: Verkehr, Innovationen, Neubauten und Konflikte – Quellen zur Stadt". Wie wurden Streitfälle im Stadtumbau behandelt? Welche Rolle spielten die Bürgerinnen und Bürger, wenn durch Abriss und Neubau, durch Verkehrsdurchbrüche und technische Innovationen die alltägliche Lebenswelt der inneren Stadt verändert wurde?

Schon bald förderten die Studierenden Erstaunliches über das Bürgerengagement in Berlin zutage.

Akten der Stadtverordnetenversammlungen, Eingaben und langjährige Schriftwechsel mit den städtischen Ämtern, aber auch Hausbücher und zeitgenössische Presseartikel zeugen von der kontinuierlichen Einmischung in die baulichen Angelegenheiten der Innenstadt. Die hohe Bürgerbeteiligung fußte auf der grundsätzlich demokratisch intendierten, öffentlichkeitsbasierten Stadtverfassung Preußens. Trotz des Dreiklassenwahlrechts entstand gerade bei den politisch privilegierten Privatbesitzern ein hohes Verantwortungsgefühl für den städtischen Raum. Einfluss nahmen sie durch Petitionen und Unterschriftenlisten. Eine davon zugunsten der Verbreiterung des Mühlendamms unterschrieben 1883 insgesamt 500 Bürger. Andere wehrten sich gegen den Bau der Kanalisation.

Dies sind erstaunliche Befunde, die unsere Einschätzung der Berliner Stadtgeschichte verändern.

Die Ausstellung zeigt, dass das Bürgerengagement, wie wir es beispielsweise auch gegenwärtig in Stuttgart beobachten, ein Phänomen ist, das bereits in den letzten Jahrhunderten die Auseinandersetzungen über die fortlaufende Modernisierung der Berliner Altstadt geprägt hat.

Sieben Ausstellungsvitrinen mit verschiebbaren Schubladen, die Quellenmaterial unter Glas präsentieren, ergänzen die Konzeption der Fotoausstellung für eine vertiefende Aufarbeitung der Themen.

Der Besucherandrang zeigt schon jetzt, dass das Stadtmuseum und der Ausstellungskurator Dr. Benedikt Goebel, der an der TU Berlin über den Altstadtumbau promovierte, eine erfolgreiche Kooperation initiiert haben, die auch das Center for Metropolitan Studies zukünftig gerne fortsetzen möchte. Gemeinsam veranstalten beide Institutionen zwei Podiumsgespräche "Urbanität und Alt-Berlin" in der Nikolaikirche: "Altstadtstreit Berlin" (16. November 2010) und "Die Zukunft der Berliner Altstadt" (22. Februar 2011), jeweils 19 Uhr.

Prof. Dr. Georg Wagner-Kyora, Dr. Celina Kress, Center for Metropolitan Studies / Quelle: "TU intern", 11/2010
Ausstellung im Stadtmuseum
Ausstellungszeitraum:
21. Oktober 2010 bis 27. März 2011
Ort:
Ephraim-Palais, Poststr. 16, 10178 Berlin
Öffnungszeiten:
Di–So 10–18 Uhr, Mi 12–20 Uhr
WWW:
www.stadtmuseum.de

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