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TU Berlin

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Geschichte und Organisation

Aufgaben und Forschungsschwerpunkte

Wir über uns

Das 1982 gegründete Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin zählt zu den weltweit  bedeutendsten Einrichtungen seiner Art. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die interdisziplinäre Grundlagenforschung zum Antisemitismus in seinen vielfältigen Ursachen, Erscheinungsformen und Auswirkungen in Vergangenheit und Gegenwart, doch wird diese seit jeher um benachbarte Themenfelder erweitert. Umfangreiche Forschungen beispielsweise zur Geschichte des Holocaust, zur deutsch-jüdischen Geschichte, zu anderen Ausprägungen von Rassismus und Gewalt oder zu Minderheiten in Deutschland belegen diese konzeptionelle und thematische Breite. Institutionell spiegelt sich diese Erweiterung u.a. in der 1999 am ZfA eingerichteten Arbeitsstelle für  Jugendgewalt und Rechtsextremismus. Auch räumlich hat das ZfA seine Forschungen zunehmend ausgeweitet: Ursprünglich weitgehend auf Deutschland beschränkt, steht die gegenwärtige Arbeit des ZfA stärker in europäischen und außereuropäischen Bezügen, wie das Beispiel des in der zweiten Generation geförderten Forschungskollegs zum Antisemitismus in Europa zeigt. Auch ist das ZfA seit 2012 in das internationale Forschungsnetzwerk International Consortium for Research on Antisemitisms and Racism (ICRAR) eingebettet, das gemeinsame Forschungsinitiativen der beteiligten Institute koordiniert. Ebenfalls seit 2012 vertritt die Leitung des ZfA die TU im Direktorium des neugegründeten Zentrums jüdische Studien Berlin-Brandenburg. Die Forschungsaktivitäten am ZfA umfassen schließlich auch eine Vielzahl von wissenschaftlichen Veranstaltungen, wie Konferenzen, Einzelvorträgen oder dem regelmäßig am ZfA durchgeführten Forschungskolloquium.

Neben der Forschung stehen drei weitere Tätigkeitsbereiche des ZfA: Seine Mitarbeiter bieten regelmäßig Lehrveranstaltungen an der TU Berlin und Weiterbildungen an. Für 2014 ist die Aufnahme eines eigenen M.A.-Studiengangs „Interdisziplinäre Antisemitismusforschung“ geplant. Außerdem ist das ZfA in wissenschaftlichen, pädagogischen sowie politischen Gremien beratend tätig, beteiligt sich an Ausstellungen, Lesungen und Buchvorstellungen und unterstützt somit generell die politische Bildungsarbeit.

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Konferenzen

Das ZfA hat seine öffentliche Tätigkeit im November 1983 mit einem, zusammen mit der New Yorker Research Foundation for Jewish Immigration veranstalteten Lerntag zum Thema „Der Antisemitismus und seine Abwehr“ begonnen, an dem in- und ausländische Wissenschaftler teilnahmen und dem bis 1989 sechs weitere Lerntage folgten, die sich dem Holocaust, dem Aslyrecht, der Vorurteilsforschung, antijüdischer Gewalt und der aktuellen Ausländerpolitik widmeten. Parallel dazu trat das ZfA mit einer Reihe von Ringvorlesungen an die Öffentlichkeit, in denen bekannte Wissenschaftler aus dem In- und Ausland sich mit dem Antisemitismus (1983), mit dem Bild von „Juden und Judentum in der Literatur“ (1984), mit dem „Holocaust im Lichte der Wissenschaften“ (1985), mit „Deutsch-jüdische Biographien (1987), mit dem „Antisemitismus der Gegenwart“ (1988) und 1989 mit der Emigration von Wissenschaftlern (Verfolgung, Vertreibung, Aufbau: Wissenschaft in der Emigration nach 1933) beschäftig haben. Acht Jahre später wurden die Ringvorlesungen mit Vorträgen zur „Verfolgung und Diskriminierung von Minderheiten. Der deutsche Anteil im 20. Jahrhundert“ wieder aufgenommen.
Der Reigen wissenschaftlicher Konferenzen wurde 1983 mit einer gemeinsam mit dem Aspen-Institut Berlin ausgerichteten Tagung zum „Antisemitismus heute“ eröffnet, der 1988 eine Tagung zum Antisemitismus in der politischen Kultur nach 1945 folgte. 1990 widmete sich eine Tagung der „Geschichte der Blutbeschuldigungen gegen Juden“.
Nach dem Ende der europäischen Teilung hat das ZfA den Blick zunächst nach Ost-Mitteleuropa gerichtet, wo alte Vorurteilsstrukturen in aktuellen Krisensituationen neuen Nährboden fanden und finden. Probleme der Juden und Judenfeindschaft wurden auf Konferenzen des Zentrums thematisiert, die jeweils einem Land gewidmet waren: Lettland (1994), Litauen (1996), Slowakei (1997), Polen (1998), Rumänien (1999), Ungarn (2003, 2012). Bereits 1992 nahm das ZfA jedoch auch ganz Europa in den Blick und hat zusammen mit dem Vidal Sassoon International Center for the Study of Antisemitism und dem Institute of Jewish Affairs London eine große internationale Tagung zum „Antisemitismus in Europa“ federführend ausgerichtet. Dieser folgte eine zusammen mit dem Institut für Geschichte der Universität Salzburg veranstaltete Konferenz zu den Differenzen in der Verarbeitung des Nationalsozialismus, des Antisemitismus und des Holocaust in Österreich, der Bundesrepublik und der DDR im Vergleich. Dem vergleichenden Ansatz folgte 2009 ein Symposium über die Abwehr des sich formierenden modernen Antisemitismus seitens der europäischen Juden, ein Jahr später eine Konferenz zur Entstehung und Entwicklung des Antisemitismus als politische  Bewegung im europäischen Vergleich 1879-1914.
Der deutsch-jüdischen Geschichte widmeten sich in den 1990er Jahren mehrere Konferenzen. 1993 veranstaltet das ZfA in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Exilforschung eine Tagung zum Thema „Deutch-jüdisches Exil – Ende der Assimilation?“ Im Jahre 1995 fand eine Tagung zum Thema „Nach Auschwitz: Jüdische Existenz und Identität in Deutschland“ statt, der gegen Ende des Jahres eine Konferenz zum „Antizionismus in der DDR“ folgte. Ein Jahr später veranstaltete das ZfA zusammen mit dem Leo Baeck Institute London in Oxford eine Konferenz zu „Juden in der Weimarer Republik“. 1998 und 2001wurden im Zusammenhang mit dem großen Dokumentationsprojekt zwei Konferenzen zu Rettung und Überleben von Juden im nationalsozialistischen Deutschland 1933-1945 durchgeführt. 1998 erinnerten zwei wissenschaftliche Konferenzen an die Vertreibung von Juden aus Polen im Zuge der Antizionismus-Kampagne des Jahres 1968 sowie an die Novemberpogrome von 1938. Die Beobachtung aktueller Trends im Bewusstsein und im politischen Verhalten der Deutschen – Antisemitismus, Fremdenfeindschaft, Extremismus – mit empirischen Methoden der Sozialwissenschaft ist ein wichtiger Arbeitsbereich des Zentrums. Bereits seit den frühen 1990er Jahren hat es sich auf Tagungen mit den Themenkomplexen Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Rechtsextremismus und Gewalt befasst, so Ende 1993 in dem Workshop: Gewalt, Rechtsextremismus und Antisemitismus. Dieser Schwerpunkt hat sich durch die seit 1999 existierende „Arbeitsstelle Jugendgewalt und Rechtsextremismus“ am ZfA fest etabliert, die  wissenschaftliche Ergebnisse stärker als bisher für Strategien gegen fremdenfeindliche Jugendgewalt nutzbar machen soll. Eine Konferenz über Rechtsextremismus und Jugendgewalt in Berlin und Brandenburg fand im November 1999 statt, gefolgt von einer weiteren Konferenz im Jahre 2003 („Stolz ein Deutscher zu sein“). Im April 2005 war in Reaktion auf ihre Wahlerfolge der Antisemitismus in der NPD das Thema einer Tagung.
Eine Reihe weiterer Konferenzen widmete sich  den feindseligen Haltungen gegenüber anderen Minderheiten in Deutschland und Europa. Der seit 2001 in den Blick der Wissenschaft und der Öffentlichkeit geratenen Judenfeindschaft unter Muslimen widmete sich im Jahre 2000 eine internationale Konferenz über die Entwicklung der Feindbilder im Nahost-Konflikt, gefolgt von einer Tagung über  islamistische Judenfeindschaft im Dezember 2005. Drei Jahre später löste eine Konferenz „Feindbild Muslim-Feindbild Jude“  öffentliche Debatten über die Frage der Vergleichbarkeit von Antisemitismus und Islamfeindschaft aus. Die ebenfalls in den letzten Jahren in Europa wieder erstarkte Feindseligkeit gegen Sinti und Roma wurde 2007 Thema der, zusammen mit UNICEF und dem Deutschen Bundestag veranstalteten Konferenz „Roma-Kinder in Europa – zwischen Isolation und Integration“ ; 2010 widmete sich eine weitere Konferenz dem „Antiziganismus“.  Inwieweit tradierte Bilder und Stereotype von „Fremden“ auch Eingang in die Kinder- und Jugendliteratur gefunden haben, wurde auf einer Tagung 2009 diskutiert.
Auch die konzeptionelle Weiterentwicklung der Antisemitismusforschung ist Gegenstand nationaler und internationaler Konferenzen gewesen, die das ZfA allein oder in Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen durchführt hat. Zu seinem zwanzigjährigen Jubiläum im Jahre 2002 veranstaltete das ZfA eine Tagung, in der führende Fachvertreter eine Bilanz der Antisemitismusforschung in ihren Wissenschaften der letzten Jahrzehnte zogen. 2009 beschäftige sich eine Tagung mit der Bedeutung von Geschichtsbildern im modernen Antisemitismus. In Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und dem Leo Baeck Institute London organisierte das ZfA 2012 eine internationale Konferenz, die sich mit dem Zusammenhang von Emotion und modernem Antisemitismus befasste.
Die Geschichte der nationalsozialistischen Judenverfolgung war nicht nur Thema der Konferenzen über die ostmitteleuropäischen Länder in den 1990er Jahren sowie über die Region Transnistrien 2008, in denen jeweils der Holocaust eine zentrale Position einnahm, sondern auch Gegenstand mehrerer Tagungen, in denen es um die Probleme der Auswanderung von Juden und ihr Exil ging. In dichter Folge waren 2001 die Zuflucht in Australien, 2002 die Kindertransporte aus dem „Dritten Reich“ nach Großbritannien in den Jahren 1938/9 und im Juli 2008 die Konferenz von Evian und das verweigerte Asyl- bzw. die Abwehr von Flüchtlingen Konferenzthemen. Das mehrjährige Forschungs- und Publikationsprojekt „Der Ort des Terrors“ fand im September 2010 seinen Abschluss mit einer Konferenz zur Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager.
Das ZfA hat es seit jeher als seine Aufgabe angesehen, als Wissensvermittler zwischen Theorie und Praxis zu fungieren. Einen wesentlichen Beitrag dazu haben die fünf Sommeruniversitäten „Gegen Antisemitismus“ geleistet: 2006 fand die Auftaktveranstaltung statt, es folgten 2007 „Antizionismus, Israelfeindschaft; islamistischer Judenhass“, 2008 „Vorurteile gegenüber Minderheiten im Alltag“; 2009 „Extremismus oder gesellschaftliche Mitte? Dimensionen und Erscheinungsformen des aktuellen Antisemitismus“; 2010 „Vom religiösen Vorurteil zum säkularen Ressentiment“. Sensibilisieren für verschiedene Formen des Antisemitismus wollte auch die Ausstellung „Antisemitismus? Antizionismus? Israelkritik?“, die von 2007 bis an zahlreichen Orten in Deutschland gezeigt wurde, begleitet von diversen Vorträgen und Fortbildungsveranstaltungen. 2011 schließlich fragte die Sommeruniversität nach Möglichkeiten, Aktivitäten und Desideraten bei der Prävention und Abwehr von Antisemitismus.

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Projekte

Als das ZfA in den frühen 1980er Jahren seine Arbeit aufnahm, konnte es in rascher Folge mehrere  umfangreiche Forschungsprojekte anstoßen: Von der DFG und der VW-Stiftung wurde ab 1984 das Projekt zum „Bild von Juden und Judentum in der deutschen Volkskultur“ in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts gefördert. Ein Jahr später begann dann das von der VW-Stiftung finanzierte Projekt zur „Wirkungsgeschichte der Emigration deutschsprachiger Wissenschaftler nach 1933“, in dem die Fachrichtungen Medizin, Physik und Politische Wissenschaft untersucht wurden, von 1987-88 noch um das von der DFG geförderte Teilprojekt zur Emigration der Judaistik ergänzt. Im Jahre 2000 wurde das Thema der Wissenschaftsemigration bzw. des Exils durch weitere Projekte fortgeführt. Mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft lief ab 2000 in Zusammenarbeit mit dem Institut für Musikwissenschaft der TU Berlin und dem Förderverein „musica reanimata“ ein Projekt zum Thema „Deutschsprachiges Musiker-Exil in Australien“. Gegenstand der Untersuchung waren alle deutschsprachigen Komponisten, Musiker und Musikwissenschaftler, die zwischen 1933 und 1945 als Flüchtlinge oder Deportierte in Australien eintrafen. Mit dem Exil in Schweden beschäftigt sich  ein von der DFG seit 2010 gefördertes, derzeit noch laufendes Projekt. 1987 führte das ZfA gemeinsam mit dem Institut für Demoskopie Allensbach eine von der Antidefamation League, New York, finanzierte repräsentative Umfrage zu „Ausmaß und Formen des heutigen Antisemitismus in der Bundesrepublik“ durch. Im Februar 2013 startet ein von der Berliner Landeskommission gegen Gewalt gefördertes Projekt zu „Antisemitismus in Berlin 2010-2013“.  
Die Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust hatten und werden weiterhin einen wichtigen Platz in der Forschung des Zentrums für Antisemitismusforschung haben. So wurden die Ergebnisse des Forschungsvorhabens „Solidarität und Hilfe für Juden 1933-1945“, in denen es um die Rettungsversuche der nicht-jüdischen Bevölkerung im nationalsozialistisch beherrschten Europa ging, in den Jahren 1998 bis 2004 in sieben Sammelbänden publiziert. Zwei weiteren Reihen, die die Ergebnisse eines großangelegten Projekts zur KZ-Historiografie bündelten, waren die „Geschichte der Konzentrationslager“, deren erstem Band zu den frühen Konzentrationslagern im Dezember 2001 bis 2011weitere dreizehn Bände folgten, sowie in Zusammenarbeit mit dem C. H. Beck Verlag die Reihe "Der Ort des Terrors", die in neun Bänden die Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager darstellt. Im Zusammenhang mit diesen Vorhaben wurde von der Fritz-Thyssen-Stiftung von 2005 bis 2007 in dem Projekt Judenverfolgung in Weißrussland, die bisher noch wenig bekannte Geschichte des Ghettos Minsk und des Vernichtungslagers von Maly Trostinez erforscht. Der Frage, was die deutsche Bevölkerung über die Verbrechen an den Juden wusste und welche Haltung sie dazu einnahm, war Gegenstand des bis 2004 von der Fritz-Thyssen-Stiftung getragenen und danach durch Zuwendungen mehrerer Förderer (u.a. der Stiftung Erinnerung-Verantwortung - Zukunft und der Hans-Böckler-Stiftung) weiter finanzierten Projekts „Der Mord an den europäischen Juden und die deutsche Gesellschaft: Wissen und Haltung der Bevölkerung 1941-1945“. Seit 2009 beschäftigt sich ein von der TU Berlin finanziertes, noch laufendes Projekt mit der Ausgrenzung und Vertreibung von Wissenschaftlern und Studierenden bzw. der Aberkennung ihrer akademischen Grade an der Technischen Hochschule Berlin in den Jahren 1933-1945. Die Geschichte der jüdischen Aktionäre des Berliner Zoos während der NS-Zeit wird ab 2013 in einem vom Zoologischen Garten Berlin geförderten Projekt untersucht. Mit der „Rettung von Juden im nationalsozialistischen Deutschland“ befasste sich seit 1997 ein Forschungsprojekt, das auf eine Initiative des Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ zurückgeht und durch die Robert Bosch-Stiftung und die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung sowie den Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft gefördert wurde. Im Rahmen des Projekts wurde eine differenzierte Datenbank angelegt, in der Fälle von Hilfe und Rettung von Jüdinnen und Juden durch nichtjüdische Deutsche vor allem in Berlin und Umgebung analysiert und dokumentiert werden. Ein wichtiges Ziel des Projekts war es, die Grundlage für die Einbeziehung der Rettungsaktionen von Deutschen in die breite Debatte über den Widerstand im „Dritten Reich“ zu schaffen (Das Projekt wird an der Gedenkstätte Deutscher Widerstand weitergeführt.). Im Jahre 2008 wurde ein thematisch angrenzendes Projekt über den Berliner Maler Franz Heckendorf und seine Fluchthilfe für Juden realisiert. Ein laufendes, von der DFG gefördertes Projekt befasst sich mit einer anderen Form der Opposition gegen Hitler, nämlich mit den Staatsstreichplanungen und Neugestaltungskonzepte der NS-Gegner im Amt „Ausland/Abwehr“ in den Jahren 1938/39.
Schändungen jüdischer Friedhöfe gehören zu den traditionellen antisemitischen Gewaltaktionen des 19. und 20. Jahrhunderts. Basierend auf einer quantitativen datenbankgestützten Dokumentation der einzelnen Friedhofsschändungen untersuchte ein von der Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördertes Projekt die Motive der Täter, ihre Verbindung zu rechtsextremen Bewegungen und den gesellschaftlichen, politischen und juristischen Umgang mit ihnen in beiden deutschen Nachkriegsstaaten und im wiedervereinigten Deutschland. Im Kontext eines größeren Forschungsverbundes zu Integrationspotenzialen moderner Gesellschaften, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, wurde von 2002 -2005 am ZfA das Projekt „Angstzonen“ in den neuen Bundesländern realisiert, in dem der Frage nachgegangen wurde, ob und wieweit es rechtsextremen Gruppen gelingt, öffentliche Räume zu dominieren. Zu Fragen von Rechtsextremismus und Gewalt hat die „Arbeitsstelle Jugendgewalt und Rechtsextremismus“ mehrere empirische Forschungsvorhaben durchgeführt: In Kooperation mit dem „Aktionsbündnis gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit Brandenburg“ wurde 2003/ 04 eine Fallstudie zu einem Tötungsdelikt mit rechtsextremen Bezügen im Land Brandenburg erarbeitet. Im Auftrag der „Landeskommission Berlin gegen Gewalt“ wurde 2007 der Forschungsbericht „Berliner Projekte gegen Rechtsextremismus“ vorgelegt. 2009 folgte der Bericht „Was tun gegen Rechte Gewalt?“, der die Arbeitsansätze im Land Berlin zur Reduzierung Rechter Gewalt darstellt. Zuletzt hat die Arbeitsstelle 2012 ein Projekt zur Praxis von Vorurteils- und Gewaltprävention in zwei Berliner Quartieren bearbeitet.“
 Mit dem Schicksal anderer Minderheiten hat sich das ZfA ebenfalls in mehreren Projekten  beschäftigt. In zwei Projekten ging es Sinti und Roma. Gefördert von der  DFG wurden ab 1998 die Lebensumstände von nach Berlin geflüchteten Roma vor ihrer Flucht sowie die Perspektive ihrer Repatriierung untersucht. Ein weiteres DFG-Projekt erforschte ab 2000 die Geschichte von „Zigeuner“-Stereotypen. Ab 2013 führt das ZfA im Auftrag und finanziert von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes eine empirisch-repräsentative Studie zu „Bevölkerungseinstellungen gegenüber Sinti und Roma“ durch.
Ein außerhalb Europas angesiedeltes, von der VW-Stiftung gefördertes Projekt „Fremde im eigenen Land“ befasste sich mit der staatlichen Ausgrenzung der indianischen Bevölkerungsmehrheit in der Republik Bolivien in den Jahren 1928-1952/53. Gefördert von der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur beschäftigt sich seit Februar 2013  ein großangelegtes, qualitativ vergleichendes Projekt zu aktuellen Formen von Antisemitismus und Xenophobie in Deutschland.
Mit dem Forschungsprojekt „Antisemitismus in Deutschland und Italien im Vergleich (1880-1914)“, das durch die Gerda-Henkel-Stiftung von 2002-2004 gefördert wurde, konnte eine längerfristig angelegte Forschungsinitiative gestartet werden, in der es um eine vergleichende Betrachtung des modernen Antisemitismus in Europa geht. Diesem Projekt folgte das als internationales Doktorandenkolleg angelegte und von der VW-Stiftung sowie der DFG, der Fritz-Thyssen- und der Cusanus-Stiftung geförderte Projekt „Antisemitismus in Europa 1879-1914“, das sich von 2006-2011 mit der Entstehungs- und Verbreitungsphase des europäischen Antisemitismus in zehn europäischen Ländern beschäftigte. Dem schloss sich ab 2012 als Fortsetzung ein noch laufendes, von der Einstein Stiftung Berlin finanziertes Forschungskolleg an, in dem wiederum Doktoranden in acht Ländern der Radikalisierung des Antisemitismus in Europa in den Jahren des Ersten Weltkriegs und der frühen Nachkriegsjahre nachgehen.  Die Geschichte der Judenfeindschaft in ihrer ganzen historischen, geographischen und thematischen Breite zu dokumentieren, ist das Ziel des großen, auf sieben Bände angelegten Publikationsprojekts des „Handbuchs des Antisemitismus“, dessen erste fünf Bände inzwischen vorliegen.

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Projekte, Veranstaltungen und Materialien zur Politischen Bildung

Das ZfA hat sich an der Entwicklung einer ganzen Reihe von Unterrichtsmaterialien zum Thema Antisemitismus beteiligt.
Im Jahre 2001 haben Mitarbeiter des ZfA im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung ein Themenheft der Informationen zur politischen Bildung zum Thema „Vorurteile – Stereotype – Feindbilder“ erstellt.
In Kooperation mit dem Cornelsen Verlag wurde die Software (DVD Rom) „Gegen Antisemitismus“ für den Unterricht entwickelt, die Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit bietet, sich mit dem Thema Antisemitismus auseinanderzusetzen.
Das OSZE Büro für Demokratische Institutionen und Menschenrechte und das Anne Frank House in Amsterdam haben in Zusammenarbeit mit Experten aus sieben Ländern Unterrichtsmaterialien erarbeitet, die sich mit verschiedenen Aspekten des Antisemitismus beschäftigen. Die deutsche Ausgabe dieser Arbeitshefte wurde vom Zentrum für Antisemitismusforschung in Berlin und dem Fritz Bauer Institut in Frankfurt entwickelt.

Im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung für den Unterricht an Berufsschulen wurden Themenblätter für den Unterricht zum Stichwort Antisemitismus zusammengestellt, die auch in weiterführenden Schulen verwendbar sind.

Das Projekt des Zentrums für Antisemitismusforschung, des Berliner Landesinstituts für Schule und Medien (LISUM) und des Berliner Büros des American Jewish Committee
 „Fit machen für Demokratie und Toleranz – Jugendliche setzen sich mit dem Antisemitismus auseinander“ wurde bis 2006 gefördert von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft, und „entimon“, dem Programm des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie durch das Bündnis für Demokratie und Toleranz.

Die Tagungsreihe „Blickwinkel. Antisemitismus in der Migrationsgesellschaft“ beleuchtete in den Jahren 2012/13 aktuelle Analysen und diskutiert innovative Bildungsansätze.. Drei thematisch fokussierte Veranstaltungen in Berlin, Frankfurt/Main und Köln bieten ein Forum für Wissenschaft und pädagogische Praxis. Dabei handelt es sich um ein Kooperationsprojekt der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA e.V.) und des Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin mit Unterstützung durch das Fritz Bauer Institut Frankfurt/Main. Es wird gefördert im Rahmen des Bundesprogramms „TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

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