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TU Berlin

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Leitlinien für die Weiterentwicklung von Studiengängen an der TU Berlin

Mittwoch, 16. Februar 2000

Der Akademische Senat der TU Berlin hat am 16. Februar 2000 mehrheitlich die folgenden Leitlinien für die Weiterentwicklung von Studiengängen an der TU Berlin verabschiedet.
-Beschluss AS 27/559-16.2.2000-

Der Akademische Senat betrachtet die folgenden thesenartig formulierten Leitlinien als Grundlage für die Abfassung von Zielvereinbarungen in der Lehre sowie für die künftigen Evaluationen der Studiengänge. Im Rahmen der Zielvereinbarungen zwischen der Hochschulleitung und den Fakultäten werden Art und Umfang von Maßnahmen zur Erfüllung dieser Leitlinien verbindlich vereinbart. Grad und Erfolg der Umsetzung werden über die Lehrleistungskriterien budgetwirksam bewertet.

Für die Studiengänge an der TU Berlin gilt:

  • Sie basieren auf der Einheit von Forschung und Lehre
  • Sie zielen auf hohe fachliche und soziale Kompetenz
  • Sie verfolgen TU-spezifische Studienziele
  • Sie bieten Chancengleichheit
  • Sie sind gut studierbar
  • Sie zeichnen sich durch Internationalität aus
  • Sie enthalten überfachliche Studienanteile
  • Sie sind praxisorientiert
  • Sie sind modular aufgebaut und integrieren moderne Lehr- und Lernformen
  • Sie werden durch qualitätssichernde Maßnahmen begleitet

Die Fakultäten sind aufgefordert, die bestehenden Studiengänge anhand der Leitlinien zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Neue Studiengänge sollen unter Berücksichtigung dieser Leitlinien konzipiert werden

Nachfolgend werden diese Leitlinien im Einzelnen erläutert.

Einheit von Lehre und Forschung

Universitäre Studiengänge zeichnen sich durch eine forschungsgekoppelte Konzept- und Theorieorientierung aus. Die Reflexion der neuesten Forschungsstände sichert Qualität und Aktualität der Lehre und fördert zugleich die Qualität der Darstellung von Forschungsergebnissen. Deshalb müssen die Lehrenden sowohl in der Lehre als auch in der Forschung ausgewiesen sein.

Die Studierenden sollen zum frühestmöglichen Zeitpunkt an Fragestellungen und Methoden der Forschung herangeführt werden, z.B. in forschungsorientierten Veranstaltungen wie Projekten, Kolloquien etc. Das stärkt die Studienmotivation und erleichtert die Entscheidung für Studienschwerpunkte. Außerdem erhöht die Beteiligung von Studierenden am Forschungsprozess das Innovationspotenzial. Deshalb sollen die Studierenden mindestens einmal im Studium in ein Forschungs- bzw. künstlerisches Entwicklungsprojekt eingebunden werden.

Hohe fachliche und soziale Kompetenz

Die Lösung der aktuellen und zukünftigen Aufgaben in der beruflichen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Praxis erfordert sowohl fachliche als auch soziale Kompetenz sowie die Fähigkeit, diese durch selbstständige Weiterbildung immer wieder zu aktualisieren.

Ein universitäres Studium dient daher gleichermaßen der Bildung und der Ausbildung der Studierenden und muss daher auch die Fähigkeit zur Reflexion über das Fach und seiner Bezüge sowie zum selbstbestimmten lebenslangen Lernen entwickeln. Dementsprechend ist es auch im fachlichen Bereich vorwiegend auf die Vermittlung von methodischen und konzeptuellen Fähigkeiten ausgerichtet.

Die Ausbildungsinhalte müssen regelmäßig - entsprechend dem Forschungsstand des Faches sowie dem beruflichen Anforderungsprofil - aktualisiert werden. In Lehrveranstaltungen sowie in Forschungsvorhaben sollen dabei auch die Bezüge zu relevanten anderen Disziplinen herausgearbeitet werden, um exemplarisch mehrere Sichtweisen auf ein Problem sowie die notwendigerweise interdisziplinären Lösungsansätze zu verdeutlichen.

Erfolgreiches Arbeiten in einer durch Arbeitsteiligkeit, Kooperation und Wettbewerb bestimmten Berufswelt setzt neben fachlichen Fähigkeiten in wachsendem Maße soziale Kompetenzen wie Kommunikations- und Teamfähigkeit, kritisches Denken, Leistungs- und Verantwortungsbereitschaft, Führungseigenschaften u. ä. voraus. Den Erwerb dieser Kompetenzen müssen die Fakultäten durch das Angebot entsprechender Lehrveranstaltungsformen fördern (arbeitsteilige Projekte, Praxisprojekte, selbstständige Arbeit in Kleingruppen, Präsentationen, Seminare o. ä.).

Bei der Akkreditierung von Studiengängen ist stets die höchste mögliche Stufe anzustreben.

TU-spezifische Studienziele

Die Studiengänge sollen soweit wie möglich die Forschungsschwerpunkte der TU Berlin berücksichtigen. Geistes- und sozialwissenschaftliche Studiengänge sollen in der Regel eine Technikorientierung aufweisen, soweit dies dem jeweiligen Fach angemessen ist. Natur- und ingenieurwissenschaftliche Studiengänge sollen auch die geistes-, sozial- und planungswissenschaftlichen Grundlagen eines verantwortlichen Umgangs mit der Technik vermitteln. Die Fakultäten formulieren darauf bezogene Studienziele, die die Lehrenden und Studierenden bei der Wahl und Ausgestaltung von Studienprofilen unterstützen.

Chancengleichheit

In vielen TU-Studiengängen, insbesondere in den Natur- und Ingenieurwissenschaften, ist der Anteil an Frauen sehr gering; Ergebnisse der Frauen- und Geschlechterforschung werden gerade in der Lehre noch wenig berücksichtigt. Deshalb müssen mögliche Benachteiligungen vermieden und alle sinnvollen Fördermöglichkeiten ausgeschöpft werden. Die bevorzugte Einstellung von Frauen als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Professorinnen bereichert das wissenschaftliche Potenzial der Universität ebenso wie das soziale Umfeld. Als sichtbare Vorbilder können Wissenschaftlerinnen außerdem Frauen zur Studienentscheidung für das entsprechende Fach motivieren.

Chancengleichheit kann durch eine Reihe von Maßnahmen gefördert werden, z.B. durch spezielle Lehrangebote und ein entsprechendes Beratungsangebot.

Gute Studierbarkeit

Es ist das Ziel der TU Berlin, die Studiendauer zu senken, um die Studienabschlüsse für Studierende und potenzielle Arbeitgeber attraktiver zu machen.

Die Studienanforderungen müssen deshalb mit zumutbarem Arbeitsaufwand in der vorgegebenen Zeit erfüllbar sein. Dazu müssen insbesondere folgende Kriterien erfüllt sein: überschneidungsfreier Studienablauf ohne Zeitkonflikte; angemessene Berücksichtigung von Zeiten zum Selbststudium; Einbeziehung der vorlesungsfreien Zeiten für Vor- und Nachbereitung von Lehrveranstaltungen, Berufspraktika, Prüfungsvorbereitung etc.; Anreize für frühzeitige Prüfungen; flexible Prüfungsorganisation ohne unnötige Verzögerungen. Abschlussarbeiten müssen in der vorgesehenen Zeit erfolgreich bearbeitbar sein.

Prüfungen sollen für die Studierenden insbesondere im Grundstudium eine Selbstkontrolle bieten, so dass eine rechtzeitige Korrektur von falschen Studienentscheidungen möglich ist.

Den Studierenden muss in möglichst hohem Umfang die Möglichkeit zur selbstständigen Gestaltung ihres Studienprofils gegeben werden. Dazu müssen sowohl im fachspezifischen als auch im überfachlichen Teil angemessene Wahlmöglichkeiten gewährt werden. Dabei ist sicherzustellen, dass die jeweils zusammengestellten Studienprofile inhaltlich sinnvoll und qualitativ angemessen sind.

Auch die Einführung von Modularisierung (s. Leitlinie Modularisierung) und Bewertungen über Leistungspunkte (s. Leitlinie Internationalität ) tragen zur Verbesserung der Studierbarkeit bei.

Zur Studierbarkeit gehört auch eine effektive Beratung. Deshalb müssen die Fakultäten eine qualifizierte Studienfachberatung in allen Phasen des Studiums und in ausreichendem Umfang sicherstellen. Das betrifft die direkte Beratung durch das Lehrpersonal (insbesondere die Professorinnen und Professoren) aber auch allgemeine Maßnahmen wie z.B. Einführungsveranstaltungen, Mentorenprogramme, Prüfungsberatung, Praktikantenberatung, studentische Studienfachberatung, Studiendekanate, Studienbüros etc. Die fundierte Beratung schließt auch den überfachlichen Studienanteil (s. Leitlinie Überfachliche Studienanteile) mit ein.

Sobald die gesetzlichen Voraussetzungen dafür geschaffen sind, soll die Möglichkeit eines Teilzeitstudiums eingerichtet werden.

Internationalität

Durch stärkere Einbeziehung internationaler Elemente in das Studium sollen drei Ziele erreicht werden: 1. TU-Studierende sollen leichter an ausländische Universitäten wechseln können und TU-Absolventen sollen einen besseren Zugang zum internationalen Arbeitsmarkt erhalten. 2. Die Attraktivität der TU Berlin für ausländische Studierende soll gesteigert werden. 3. Die Studierenden an der TU Berlin sollen während ihres Studiums stärker an international geprägte Sichtweisen gewöhnt werden.

Dazu sollen die Studiengänge in Module (s. Leitlinie Modularisierung) gegliedert sein, die durch Studien- bzw. Leistungspunkte - z. B. ECTS - bewertet werden. Studienabschlüsse sollen in einer Form ausgewiesen werden, die die internationale Vergleichbarkeit und Anerkennung sicherstellt. Es können auch gestufte Abschlüsse wie Bachelor und Master versuchsweise eingeführt werden. International orientierte Studiengänge müssen akkreditiert sein.

Aufenthalte von TU-Studierenden und -Lehrenden an ausländischen Universitäten sind zu fördern, z. B. durch bilaterale Abstimmung über Studienmodule. Es muss vereinfachte und transparente Anerkennungsregelungen für im Ausland erbrachte Studien- und Prüfungsleistungen geben.

In die Lehre sollen verstärkt internationale Projekte einbezogen werden wie z.B. distance teaching and learning oder gemeinsame Studien- und Diplomarbeiten. Fremdsprachige Arbeiten und Lehrveranstaltungen müssen zugelassen werden, so dass auch verstärkt Lehrpersonal aus dem Ausland eingesetzt werden kann.

Der Beratung und Betreuung ausländischer Studierender soll besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Überfachliche Studienanteile

Für den Erwerb der Handlungskompetenz in einer immer komplexeren vernetzten Welt müssen sich die Studierenden neben dem vertieften Studium ihres Faches auch mit anderen Disziplinen beschäftigen. Sie sollen dabei zumindest eine Orientierungskompetenz erwerben, die sie in die Lage versetzt, sich später in einer solchen Disziplin weiterzubilden.

Die Studien- und Prüfungsordnungen müssen vorsehen, dass sich die Studierenden im Rahmen ihres Fachstudiums mindestens mit einer anderen Wissenschaftskultur befassen (Ingenieur- und Naturwissenschaften versus Geistes -, Sozial- und Planungswissenschaften). Der zeitliche Umfang hierfür beträgt mindestens 15 % des gesamten Studienumfangs .

Die Fakultäten tragen dafür Sorge, dass die Studierenden der verschiedenen Fachrichtungen für die Wahl ihres jeweiligen überfachlichen Studiums wohldefinierte und sinnvoll zusammengestellte Angebote vorfinden. Die Angebote werden von den anbietenden und abnehmenden Fakultäten inhaltlich und organisatorisch (Umfang, Leistungsnachweise etc.) gemeinsam gestaltet.

Praxisorientierung

Ein universitäres Studium dient neben der Bildung auch der Ausbildung. Deswegen soll, auch im Grundstudium, der Anwendungsbezug verstärkt und der Blick der Absolventen auf mögliche spätere Tätigkeitsfelder in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft gerichtet werden. Ziel dabei ist neben einem frühzeitigen Kontakt mit möglichen beruflichen Praxisfeldern eine betreute theoriegeleitete Auseinandersetzung mit konkreten fachlichen Problemen.

Praxisorientierung soll in jedem Fall integraler Bestandteil von Lehrveranstaltungen sein, z.B. praxisorientierte Projekte, Einbeziehung externer Lernorte wie Betriebserkundungen oder Exkursionen, Einbeziehung von Lehrenden aus der Praxis, Beteiligung an Forschungsprojekten etc.

Die Studien- und Prüfungsordnungen sollen in der Regel ein betreutes Praxisprojekt vorsehen, das mit einem Bericht abgeschlossen wird. Bei entsprechendem Umfang kann dieses Projekt eine Studienarbeit ersetzen.

Modularisierung und moderne Lehr- und Lernformen

Ein zukunftsorientiertes Lehrangebot muss flexibel sein und sich an modernen Arbeitsmedien orientieren. Zur Flexibilisierung sollte das Studienangebot eines Studiengangs in Module gegliedert sein, so dass Wahlfreiheit, Teilzeitstudium, Weiterbildung und internationaler Austausch erleichtert werden.

In einem Modul sind nach Inhalt, Qualifizierungsziel und Studienphase zusammengehörige Lehrveranstaltungen zusammengefasst . Module müssen so gestaltet sein, dass sie in der Regel von einem Prüfer bzw. einer Prüferin geprüft werden können. Sie sollten nicht zu umfangreich (Kombinationsmöglichkeiten), aber auch nicht zu kleinteilig ausfallen (Zusammenfassungen von Kompetenzzielen). Es wird ein Umfang von 8 bis 12 SWS empfohlen. Module werden in der Regel studienbegleitend abgeprüft.

Modulen sind Studien- bzw. Leistungspunkte zugeordnet.

Die Lehrveranstaltungen sollen die durch den Computereinsatz möglichen Lehr- und Lernformen geeignet nutzen. Neben die Veranstaltungen zur reinen Wissensvermittlung tritt in verstärktem Umfang das Durcharbeiten des multimedial angebotenen Stoffes, ggf. in betreuten Kleingruppen. Die Fakultäten ermöglichen den Studierenden durch geeignete multimediale Ausstattung die verstärkte Nutzung von Computern, und sie unterstützen Lehrende wie Studierende im Umgang mit dieser Ausstattung.

Das didaktische Konzept für den Computereinsatz muss sicherstellen, dass die Möglichkeiten zur persönlichen Auseinandersetzung mit Lehrinhalten und zur Kommunikation zwischen den Beteiligten nicht eingeschränkt, sondern verbessert werden; denn Ziel des Computereinsatzes soll nicht das Einsparen, sondern der sinnvolle Einsatz von Personal sein.

Qualitätssicherung und Qualitätsverbesserung

Die Qualitätssicherung der Studiengänge soll die beruflichen Startchancen der Absolventen auf Dauer auf hohem Niveau halten und zur Qualitätsverbesserung des Studienangebots beitragen.

Ein geeignetes Mittel zur Qualitätssicherung und -verbesserung sind regelmäßige interne und externe Evaluationen. Diese sollen sowohl die Stärken eines Studienganges ausweisen und die guten Leistungen dokumentieren als auch die Schwachstellen aufzeigen, damit geeignete Maßnahmen zur Behebung eingeleitet werden können. Die Einbeziehung von Alumni in die Bewertung ist wünschenswert.

Zur Verbesserung der Qualität des Lehrangebots können beitragen: regelmäßige Prüfung des Curriculums am fachlichen Stand und an den Anforderungen der angestrebten Berufsfelder; die regelmäßige Abstimmung der Lehrenden über das Lehrangebot; Angebote zur Weiterqualifizierung der Lehrenden, insbesondere auch auf den Gebieten der Entwicklung, Erprobung und Einführung neuer Lehrformen und Medien; besondere Angebote zur Qualifizierung von Tutorinnen und Tutoren.

Die regelmäßigen Berichte der Fakultäten über die durchgeführten Maßnahmen und deren Umsetzungserfolg sind Gegenstand der Bewertung durch das Controlling und gehen in die Zielvereinbarungen mit den Fakultäten ein.

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