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Technische Universität BerlinGeschichte

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Die Historie der Universität

Schinkel und Beuth stehen am Anfang

Schinkels Bauakademie, Stahlstich von E. Mandel aus dem Jahr 1853
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Die Wurzeln der Technischen Universität Berlin und ihrer Vorgängereinrichtungen reichen bis in die Zeit König Friedrichs II. zurück. Dazu gehören so bedeutende Ausbildungsstätten des preußischen Staates wie die 1770 gegründete Königliche Bergakademie zu Berlin, die 1799 ins Leben gerufene Königliche Bauakademie zu Berlin und die 1821 eröffnete Königliche Gewerbeakademie zu Berlin. Die Königlich Technische Hochschule zu Berlin entstand durch den Zusammenschluss von Bau- und Gewerbeakademie im Jahr 1879. Die Eingliederung der Bergakademie in die KTH erfolgte im Jahr 1916. Der an der Bauakademie ausgebildete Architekt Karl Friedrich Schinkel, dessen Bauwerke noch heute das Stadtbild Berlins prägen, und Christian W. Beuth, der „Vater der Ingenieure“ und einer der  Gründer der Gewerbeakademie, gehören mit zu den bekanntesten Vertretern der Vorgängerinstitutionen.

Verleihung der Doktorwürde im Lichthof

Mit zunehmender Industrialisierung im 19. Jahrhundert wuchs auch die Bedeutung der Technik- und Naturwissenschaften. Der Bedarf an ausgebildeten Ingenieuren nahm stark zu, ebenso die Forderung nach ihrer gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Anerkennung. Die Gründung der Königlich Technischen Hochschule zu Berlin war daher ein wichtiger und folgerichtiger Schritt. 1899 sprach Kaiser Wilhelm II. den technischen Hochschulen in Preußen als ersten technischen Hochschulen im Deutschen Reich das Recht zu, den Doktortitel zu verleihen. Die feierliche Zeremonie fand im Lichthof der Königlich Technischen Hochschule zu Berlin statt. Damit wurden die Ingenieure den humanistisch gebildeten Akademikern erstmals formal gleichgestellt.

Wirkungsstätte für spätere Nobelpreisträger

Die alte Nordfront des TU-Hauptgebäudes, die im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und in den 1960er Jahren durch eine moderne Fassade ersetzt wurde
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Die Hochschule hatte einen entscheidenden Anteil am Aufstieg Berlins zu einer der größten Industriestädte Europas. Die TH zu Berlin entwickelte sich zu einem „geistigen Mittelpunkt, einem viel beneideten Vorbild und einem Brennpunkt des technischen Fortschritts“, wie der Verein Deutscher Ingenieure 1906 schrieb. Bis in die 1930er-Jahre studierten und lehrten mehrere Wissenschaftler an der Hochschule, die mit einem Nobelpreis gewürdigt wurden. Zu ihnen gehören die Chemiker Carl Bosch und Fritz Haber sowie die Physiker Gustav Hertz, Eugene Paul Wigner, Wolfgang Paul, George de Hevesy, Dennis Gabor und Ernst Ruska.

Das dunkelste Kapitel

Ab 1933 hielt der nationalsozialistische Gedanke auch in der TH Berlin Einzug. Die Diskriminierung und Vertreibung jüdischer oder kritischer Wissenschaftler – zu ihnen zählten auch Gustav Hertz und Georg Schlesinger, der Wegbereiter der modernen Produktionswissenschaften und zusammen mit Albert Einstein der Mitbegründer des Technion Haifa – bildet das dunkelste Kapitel in der Geschichte der Hochschule. Zu Kriegsende lagen auch ihre Gebäude in Schutt und Asche. Um sich diesem schweren Erbe zu nähern und es aufzuarbeiten, gab es bereits mehrere Initiativen. Die jüngste umfasst ein Forschungsprojekt am renommierten Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin. Es ging den Spuren nach, welche jüdischen und politisch missliebigen Wissenschaftler und Studierenden diskriminiert, aus dem Hochschulbetrieb ausgeschlossen und vertrieben wurden. Auch die aktive Verhinderung von Promotionen und die Aberkennung von akademischen Graden erforschte man. Bei der Vorstellung der Ergebnisse im Jahr 2013 entschuldigte sich der TU-Präsident im Namen der Universität öffentlich für die Vertreibung und Diskriminierung von Hochschulmitgliedern in der NS-Zeit. Weitere Projekte zur Universitätsgeschichte wurden zum 70-jährigen Universitätsjubiläum im Jahr 2016 realisiert.

Die erste „Technische Universität“

Grundsteinlegung für das Nordgelände der TU Berlin am 21. Juli 1958
Grundsteinlegung für das Nordgelände der TU Berlin am 21. Juli 1958
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Die Neueröffnung im Jahr 1946 beging man bewusst nicht als Wiedereröffnung, um den deutlichen Bruch mit der NS-Vergangenheit zu demonstrieren. Dies zeigte auch die Namensgebung: Als erste technische Hochschule Deutschlands nannte man sie „Technische Universität“. Zugleich wurde der Bildungsauftrag neu bestimmt: Im Mittelpunkt stand nun eine universale Bildung. Die Geisteswissenschaften galten fortan als integraler Bestandteil der technik- und forschungsorientierten Hochschule. So entstand die erste technische Universität in Deutschland mit einem humanistischen Element in ihrem Profil. Diesem Brückenschlag zwischen technologischer Forschung und gesellschaftlicher Verantwortung sieht sich die TU Berlin bis heute verpflichtet.

Ein Zentrum der Studentenbewegung

Von Beginn an zeigte sich die TU Berlin für Reformen und Neuerungen aufgeschlossen. Grundlegende Veränderungen für das deutsche Hochschulsystem brachte die Studentenbewegung Ende der 60er-Jahre. Durch ihre zentrale Lage mitten in Berlin (West) war die TU Berlin oftmals Ausgangspunkt für Aktivitäten der Berliner Studierenden in dieser Zeit. Die 60er- und 70er-Jahre waren geprägt vom deutlichen Ausbau der deutschen Universitäten. So stieg auch die Zahl der Studierenden an der TU Berlin.

Neue Horizonte ab 1989

Der Fall der Mauer vergrößerte schlagartig den Wissenschaftsstandort Berlin und in der Folge auch seine Kosten. Mit Beginn des 21. Jahrhunderts kamen weitere strukturentscheidende Einschnitte auf die Universität zu. Darunter die komplette Umstellung des Studienangebots auf Bachelor- und Masterabschlüsse, eine deutliche Absenkung des Budgets durch das Land Berlin und ein umfassender Generationswechsel: 90 Prozent der Professuren wurden im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts neu besetzt. Auch ein zunehmender Konkurrenzkampf um Drittmittel und „kluge Köpfe“ prägt die deutsche Hochschullandschaft und damit ihre Universitäten immer mehr. Die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern und ein internationales Personalmarketing stehen dafür exemplarisch.

Profil- und Wettbewerbsschärfung

Die TU Berlin hat diese Einschnitte und Veränderungen zu einer konsequenten Profilschärfung genutzt: Entscheidungsstrukturen wurden umfassend modernisiert und verschlankt. Die sieben Fakultäten setzen klare wissenschaftliche Schwerpunkte. Quer zu den Fakultäten wurden Forschungsschwerpunkte definiert. Neue Instrumente zur Nachwuchsförderung, zur Chancengleichheit und Familienfreundlichkeit, der Ausbau der forschungsorientierten Lehre, die Weiterentwicklung der Internationalisierungsstrategie sowie eine zukunftsfähige Campus- und IT-Entwicklung kennzeichnen heute die TU Berlin.

Wegbereiter der Wissenschaft

  • Franz Reuleaux (1829–1905) wurde 1890/91 Rektor der TH Berlin. Sein Name ist eng mit der Entwicklung der Maschinenkinematik verbunden.
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  • Adolf Slaby (1849–1913) wurde 1882 Professor für Theoretische Maschinenlehre und Elektrotechnik an der TH Berlin und war 1894/95 ihr Rektor. Er forschte auf dem Gebiet der drahtlosen Telegrafie. Auf ihn geht der Beginn der industriellen Verwertung der „Funken-
    telegrafie“ zurück.
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  • Alois Riedler (1850–1936) ist der Begründer des modernen technischen Zeichnens. 1888 wurde er Professor für Maschinenbau an der TH Berlin und 1899 ihr Rektor. Er war einer der Vorreiter einer praxisnahen wissenschaftlichen Ingenieurausbildung und machte sich einen Namen mit Entwicklungen im Kraftfahrzeugbau.
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  • Georg Schlesinger (1874–1949) studierte an der TH Berlin und übernahm 1904 den an der TH Berlin neu gegründeten Lehrstuhl für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetriebe. Schlesinger gilt als der Begründer der modernen Fabrikorganisation.
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  • Herrmann Föttinger (1877–1945) wurde 1924 an die TH Berlin berufen. Er hatte den ersten Lehrstuhl für Strömungslehre in Deutschland inne und entwickelte das vollautomatische Getriebe.
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  • Hans Geiger (1882–1945) war Direktor des physikalischen Instituts der TH Berlin. Zusammen mit seinem Mitarbeiter Walter Müller erfand er das Geiger-Müller-Zählrohr, mit dem man nicht nur radioaktive Teilchen messen, sondern auch deren Energie bestimmen kann.
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  • Hans Scharoun (1893–1972) studierte an der TH Berlin Architektur und lehrte an der TU Berlin Städtebau. Mit der Berliner Philharmonie schuf er ein internationales Meisterwerk der Architektur.
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  • Walter Höllerer (1922–2003) wurde als Professor für Literaturwissenschaft an die TU Berlin berufen. Zugleich war er Dichter, Herausgeber literarischer Zeitschriften und Gründer des Literarischen Colloquiums Berlin. Er schlug zwischen den Geistes-, Technik- und Naturwissenschaften der TU Berlin eine Brücke.
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  • Ernst Ruska (1906–1988) erhielt für die Entwicklung des ersten Elektronenmikroskops 1988 den Nobelpreis für Physik. Er hatte an der TH Berlin studiert und seit 1949 an der TU Berlin gelehrt.
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  • Konrad Zuse (1910–1995) studierte an der TH Berlin und entwickelte die erste prozessgesteuerte Rechenmaschine der Welt. Damit wurde das Zeitalter des Computers eingeleitet.
     
  • Gustav Hertz (1887–1975) kam 1927, ein Jahr nach der Verleihung des Nobelpreises für Physik an ihn, an die TH Berlin und baute hier das neue Institut für Physik auf.
     
  • Eugene Paul Wigner (1902–1995) studierte und lehrte an der TH Berlin. Er formulierte den Erhaltungssatz für die Parität und arbeitete auf dem Gebiet der Kernphysik. 1963 wurde ihm für seine Forschungen über die Symmetrieprinzipien der Kern- und Elementarteilchenphysik der Nobelpreis für Physik verliehen.
     
  • Carl Dahlhaus (1928–1989) lehrte seit 1967 bis zu seinem Tode als Professor für Musikwissen-schaft an der TU Berlin. Alle Rufe an andere Universitäten hatte er immer abgelehnt. Unter seiner Ägide führte er das Fach zu herausragender Geltung. Er bereicherte die Musikwissenschaft durch Geschichtstheorie, Musikästhetik, Musiktheorie und Musikanalyse.

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