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Qualität in der Lehre ist kein Zufall
Mittwoch, 12. November 2008

[1]- © TU Berlin/Pressestelle
Die Technische
Universität Berlin (TUB) strebt die Systemakkreditierung an -
Interview mit den beiden Internen Systemauditoren
Der
Akkreditierungsrat hat die Systemakkreditierung eingeführt, also eine
Akkreditierung ganzer Hochschulen unter bestimmten Voraussetzungen.
Bisher gab es nur die sogenannte Programmakkreditierung, die einzelne
Studiengänge akkreditiert, ihnen also eine ausreichende Qualität
bescheinigt. Was bedeutet das für die Technische Universität Berlin
(TUB)?
Von mehreren Seiten, nicht zuletzt von der
Hochschulrektorenkonferenz und der Kultusministerkonferenz, wurde der
Akkreditierungsrat aufgefordert, die Studiengang- oder
Programmakkreditierung durch eine Systemakkreditierung zu ergänzen.
Anderthalb Jahre lang hat der Akkreditierungsrat sehr intensiv
beraten, wie dieser Wunsch am besten umgesetzt werden kann und
schlussendlich Empfehlungen erarbeitet. Schließlich hat die
Kultusministerkonferenz entschieden, die vom Akkreditierungsrat
erarbeitete Systemakkreditierung einzuführen. Es geht also nicht mehr
um das Für und Wider des am 13.03.2008 auf der Tagung des
Akkreditierungsrates vorgestellten Verfahrens, sondern ausschließlich
um das Wie. Unsere Universität hat sich für die Anwendung dieses
neuen Zugangs zur Qualitätssicherung in Lehre und Studium
entschieden. Konsequenterweise widmen wir uns nun dem
Akkreditierungsgegenstand und erfüllen damit gleichzeitig die letzte
Zulassungsvoraussetzung, damit sich die TUB in absehbarer Zeit dem
Verfahren der Systemakkreditierung stellen kann.
Was ist der Gegenstand der Systemakkreditierung, wo liegt
der bedeutendste Unterschied zur Programmakkreditierung, und welche
Vorteile ergeben sich aus diesem neuen
Qualitätssicherungszugang?
Gegenstand der
Systemakkreditierung ist das Qualitätsmanagementsystem (QMS) einer
Hochschule im Bereich von Studium und Lehre. Und hier ist es uns
wichtig, des Verständnisses wegen gleich Begrifflichkeiten zu
klären: wir verwenden den Begriff
„Qualitätsmanagementsystem", da es in der
Qualitätswissenschaft der synonyme Begriff für den im
Hochschulbereich gebräuchlicheren Begriff
„Qualitätssicherungssystem" ist. In der Wahl des
Qualitätsmanagementsystems gewährt der Akkreditierungsrat den
Hochschulen Entscheidungsfreiheit. Unsere Universitätsleitung
entschied pragmatisch und einigte sich auf die Einführung des QMS
nach DIN EN ISO 9001:2000. Es ist das in der Wirtschaft weltweit
gebräuchlichste Qualitätsmanagementsystem mit inzwischen
vorliegenden empirischen Nachweisen für seine Wirksamkeit. Dem
Argument, dieses System sei nicht uneingeschränkt auf Hochschulen
übertragbar, stimmen wir zu und reagierten mit einer Anpassung der
durch die Norm vorgegebenen Begrifflichkeiten und Prozesslandschaft an
die Gegebenheiten unserer Universität. Außerdem, und dass als
letzten Punkt zur Begriffseinordnung, ist nach der Definition durch
die DIN EN ISO 90001:2000 die Qualitätssicherung e i n
Bestandteil eines Qualitätsmanagementsystems. Für uns als einstige
Studierende am Lehrstuhl Qualitätswissenschaft ist aus dieser
Qualifikation heraus der Begriff „Qualitätsmanagementsystem"
also zwingend.
Wir sprachen bereits über
Anpassungsbedarf, kommen wir nun zu den Benefits: Die
Prozessorientierung des QMS nach DIN EN ISO 90001:2000 ist für unsere
Organisation uneingeschränkt von Vorteil und deckt sich mit den
Erfordernissen der externen Begutachter. Denn die für Lehre und
Studium relevanten P r o z e s s e werden dahingehend
geprüft, ob sie das Erreichen der Qualifikationsziele und die
Qualität der Studiengänge gewährleisten, wobei die European
Standards and Guidelines for Quality Assurance in Higher Education,
die Vorgaben der Kultusministerkonferenz und die Kriterien des
Akkreditierungsrates Anwendung finden. Eine positive
Systemakkreditierung bescheinigt der Hochschule, dass ihr QMS im
Bereich Studium und Lehre geeignet ist, das Erreichen der
Qualifikationsziele und die Qualifikationsstandards ihrer
Studiengänge zu gewährleisten. Studiengänge, die nach der
Systemakkreditierung eingerichtet werden oder bereits Gegenstand des
Qualitätsmanagements nach den Vorgaben des akkreditierten Systems
waren, sind somit akkreditiert. Daran wird deutlich, das die
Systemakkreditierung keinen völlig neuen Akkreditierungsansatz
darstellt, sie ist vielmehr eine Weiterentwicklung des bestehenden
Verfahrens der Programmakkreditierung. Erfolgreiche
Programmakkreditierungen in einem bestimmten Umfang stellen daher eine
weitere Zulassungsvoraussetzung für die Systemakkreditierung dar.
Programm- und Systemakkreditierung verfolgen weiterhin ein gemeinsames
Ziel: Die Bestätigung der Qualität der Studiengänge als Ergebnis
einer externen Überprüfung anhand eines Kriterienkatalogs. Der
bedeutende Unterschied liegt darin, dass die Hochschule nicht nur alle
fünf Jahre nachweist, dass sie die Kriterien erfüllt, sondern dass
sie ihre Fähigkeit nachweist, dies (Nachweis der
Kriterienerfüllung) j e d e r z e i t zu tun. Dieses
Leistungsvermögen setzt einen Regelkreis voraus, der das Erreichen
festgelegter Kriterien bzw. Ziele sichert. Regelkreise zur
Zielerreichung initiieren und erhalten bedeutet managen,
produktbezogene (hier setze ich unser gemeinsames Verständnis
darüber voraus, das Studiengänge das Produkt einer Hochschule sind)
Ziele mittels eines Regelkreises erreichen bedeutet, Qualität zu
managen.
Die Investition in die Systemakkreditierung
lohnt sich in doppelter Hinsicht:
Zum einen bedeutet
Systemakkreditierung für die Hochschulen mittel- bis langfristig mehr
Autonomie und weniger Kosten. Bitte bedenken Sie, dass nicht mehr
jeder Studiengang akkreditiert werden muss, sondern „nur" noch
das System des Qualitätsmanagements. Zum anderen bedeutet die
Einführung eines Qualitätsmanagementsystems
Organisationsentwicklung. Es bietet sich also durch den Anstoß von
außen (Erfüllung einer politischen Forderung) eine einmalige,
wertvolle Gelegenheit, Verbesserungspotential innerhalb der
Organisation zu identifizieren und in der Folge ihre
Leistungsfähigkeit durch verschiedene Maßnahmen zu steigern.
Transparente bereichsübergreifende Prozesse mit klaren
Verantwortlichkeiten schaffen Freiraum und fördern Freiheit von Lehre
und, bei einer Ausdehnung des QMS auf diesen Bereich, Forschung. Das
Qualitätsmanagementhandbuch unterstützt als Nachschlagewerk für den
(universitären) Arbeitsalltag die Aufrechterhaltung des reibungslosen
Ablaufs. Und da Organisationsentwicklung nie ohne Personalentwicklung
funktioniert, können wir wie jedes moderne Unternehmen unseren
Mitarbeitern neue Möglichkeiten zur Fort- und Weiterbildung anbieten.
So entsteht eine Attraktivitätssteigerung für beide Gruppen:
Studierende sowie Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.
Wie will die Technische Universität Berlin (TUB) ihr Ziel,
sich systemakkreditieren zu lassen, erreichen?
Wir sehen uns nun wie alle Universitäten, die eine
Systemakkreditierung anstreben, mit der Herausforderung konfrontiert,
ein Qualitätsmanagementsystem einzuführen.
Zu diesem
Zweck hat der Erste Vizepräsident der TUB, Prof. Dr.-Ing. Jörg
Steinbach, in dessen Zuständigkeit die Angelegenheiten der Lehre
fallen, ein entsprechendes Projekt initiiert. Es liegt in seiner
Verantwortung und wird aus OWL-Mittel finanziert.
Der
offizielle Projektstartschuss fiel mittels Bewilligung durch unseren
Präsidenten Prof. Dr. Kurt Kutzler am 01.02.2008. Die Laufzeit endet
am 31.12.2009 mit dem Ziel, ein Qualitätsmanagementhandbuch, das alle
40 identifizierten qualitätsrelevanten Prozesse für den Bereich
Studium und Lehre in Form von Prozessbeschreibungen enthält,
vorliegen zu haben. Dieses Handbuch stellt die Dokumentation
des Qualitätsmanagementsystems der TUB dar. Es ist der erste Schritt
auf dem Weg zur Systemakkreditierung. Der Betrieb des dokumentierten
QMS als Zulassungsvoraussetzung und Akkreditierungsgegenstand stellt
nach Projektende eine dauerhafte Aufgabe dar. Diese wird in der
Dauerorganisation zu verankern sein.
Wie
wird im Projekt sichergestellt, dass alle Ebenen erfasst
sind?
Die Projektorganisation beruht auf
Partizipation, welche die Einbeziehung aller an der TUB herrschenden
Fachkulturen und Statusgruppen sichert. Nur durch diesen Ansatz tragen
wir der heterogenen Organisationskultur unserer Universität
Rechnung.
Wir arbeiten auf drei Ebenen:
Auf
der Arbeitsebene agieren die Prozessteams, deren
Aufgabe im ersten Schritt die Prozessaufnahme und im darauf folgenden
Schritt die Etablierung von Sollanteilen innerhalb der Ist-Prozesse
ist. Damit integrieren wir bereits auf der dieser Ebene die
Prozessentwicklung, die nach der Theorie zur Einführung eines QMS in
eine Organisation zu einem späteren Zeitpunkt vorgesehen ist.
Die Prozessteams setzen sich aus Teamleiter/-in sowie
Experten/-innen, die den verschiedenen Statusgruppen angehören, aus
allen Fakultäten zusammen.
Zeitlich versetzt wird für
jeden Prozess ein Prozessteam benannt. Im Moment betreuen wir 12
Teams. Diese Anzahl ermöglicht uns eine umfassende methodische
Beratung nach unseren Qualitätskriterien.
Auf der
mittleren Ebene arbeitet das Projektteam, deren
Aufgaben aus z. B. dem Benennen der Prozessteams und der Abstimmung
von aufgenommenen, sprich dokumentierten, Prozessen bestehen. Das
Projektteam setzt sich aus den Studiendekanen und Vorsitzenden der
Gemeinsamen Kommissionen, dem Leiter der tubIT, der Leiterin der
Abteilung I, der stellv. ZFA und VP 1 zusammen.
Auf der
obersten Ebene entscheidet der Lenkungsausschuss
über die Freigabe von Prozessbeschreibungen - und setzt sie somit
verbindlich für die TUB in Kraft. Mitglieder dieses Gremiums sind VP
1, die Kanzlerin, zwei Studiendekane als Vertreter der
Professoren/-innenschaft, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter, ein
Studierender, eine Vertreterin der LSK, eine Vertreterin des
Personalrats, ein Vertreter des studentischen Personalrats sowie die
ZFA.
Vielen Dank!
Das Gespräch führte
Patricia Pätzold / Quelle: "TU intern", 11/2008
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