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Ein Qualitätsmanagementsystem (QMS) für Lehre und Studium an der TU Berlin

[1]- © TUB IWF
Prof. Dr.-Ing. Joachim Herrmann
studierte Maschinenbau mit Schwerpunkt Fertigungstechnik an der TU
Berlin. Nach der Promotion am dortigen Institut für Werkzeugmaschinen
und Fabrikbetrieb (IWF) übernahm er leitende Tätigkeiten in
Produktion und Qualitätswesen des Volkswagen-Konzerns, unter anderem
als Vorstand für Qualitätssicherung bei VW de Mexico und SEAT in
Spanien. Von 1998 bis März 2009 war er Leiter des Fachgebiets
Qualitätswissenschaft. Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit, der ihm
sehr am Herzen lag, war die Qualität in der Lehre.
Anfang
2009 schrieb er einem Beitrag zu diesem Thema für die TU
International, der Zeitschrift für die internationalen Alumni unserer
Universität. Wir finden diesen Beitrag so gelungen, dass wir ihn an
dieser Stelle Ihnen gern zur Verfügung stellen.
Inhaltsverzeichniss
- 1. Einleitung
- 2. Das Prozessmodell der ISO 9001:2008
- 3. Qualität und Anforderungen
- 4. Ein Prozessmodell für das Qualitätsmanagement der Lehre und des Studiums an Hochschulen
- 5. Vorgehen
- 6. Zusammenfassung
1. Einleitung
In Bologna, der Stadt mit der ältesten
Universität der Welt, unterzeichneten in 1999 die Bildungsminister
fast aller europäischen Staaten einen Beschluss zur Schaffung eines
einheitlichen europäischen Hochschulraums. Dieser so genannte
Bologna-Beschluss beinhaltet im Wesentlichen zwei Ziele. Zum einen
soll in Europa das angelsächsische Modell einer dreistufigen
Hochschulausbildung (Bachelor, Master, Doktorat) eingeführt werden.
Zum anderen ist auf einem hohen Qualitätsniveau die Vergleichbarkeit
der Studiengänge und damit die Mobilität der Studenten innerhalb
Europas sicher zu stellen.
In Zusammenhang mit dem
Bologna-Beschluss wurde in Deutschland der Akkreditierungsrat ins
Leben gerufen. Es handelt sich um eine Stiftung auf gesetzlicher
Grundlage, deren Aufgabe es ist, „zur Entwicklung der Qualität von
Studium und Lehre in Deutschland beizutragen und in diesem Sinne an
der Verwirklichung des europäischen Hochschulraums mitzuwirken".
Diese Aufgabe wird bisher wahrgenommen, indem einzelne Bachelor- und
Master-Studiengänge an Hochschulen von so genannten
Akkreditierungsagenturen nach Vorgaben des Akkreditierungsrats und der
Kultusministerkonferenz (KMK) beurteilt und bei positivem Ausgang des
Verfahrens akkreditiert werden. Die Akkreditierungsagenturen müssen
vorher vom Akkreditierungsrat akkreditiert worden sein. Diese
Vorgehensweise bezeichnet man als Programmakkreditierung.
Die Programmakkreditierung hat den Nachteil, dass die Agenturen sich
einer Vielzahl von neu geschaffenen Bachelor- und
Master-Studiengängen gegenüber sehen und das Volumen nur mit großem
Zeitverzug bewältigen. Die Hochschulen andererseits müssen für
jeden akkreditierten Studiengang einen erheblichen internen
Vorbereitungsaufwand treiben und darüber hinaus Gebühren an die
jeweilige Akkreditierungsagentur bezahlen.
Als Alternative
zur Programmakkreditierung hat der Akkreditierungsrat die so genannte
Systemakkreditierung zugelassen. Sie setzt voraus, dass eine
Hochschule ein internes „Qualitätssicherungssystem"
eingerichtet hat, das die Vorgaben des Akkreditierungsrats und der KMK
erfüllt. Dann kann dieses Qualitätssicherungssystem durch eine der
Akkreditierungsagenturen akkreditiert werden. Bei positivem Ausgang
gelten damit alle Studiengänge der Hochschule für einen Zeitraum von
sechs Jahren als akkreditiert.
Das Qualitätsmanagement,
der Oberbegriff zur Qualitätssicherung, ist seit mehreren Jahrzehnten
in der Industrie, aber auch in anderen Organisationen als ein
wesentlicher Teil des Gesamtmanagements bestens eingeführt. Die von
der ISO in 1987 zum ersten Mal veröffentlichte Normenfamilie ISO 9000
ff. legte die Grundlage für eine international akzeptierte
Begrifflichkeit der Qualität und für einen ebenso akzeptierten
Forderungskatalog an ein Qualitätsmanagement-System. Die Revision der
Normenfamilie im Jahr 2000 brachte insofern einen wichtigen
Fortschritt, als das gesamte Regelwerk auf die Grundlage eines
generischen Prozessmodells gestellt wurde. Damit wird deutlicher als
bei den früheren Revisionsständen, dass die Normenfamilie nicht nur
Produktionsbetriebe mit Lieferverträgen betrifft, sondern durchaus
von branchenübergreifender Relevanz ist. Dieser bewährte
Qualitätsmanagement-Ansatz sollte bei der Diskussion um ein
hochschulspezifisches Qualitätsmanagement nicht ignoriert werden.
Vor diesem Hintergrund rief der Vizepräsident für Studium
und Lehre der TU Berlin, Prof. Dr.-Ing. Jörg Steinbach, im Jahr 2008
ein Projekt ins Leben, das die Einführung eines
Qualitätsmanagementsystems für Lehre und Studium an der gesamten
Universität vorsieht. Dieses Qualitätsmanagementsystem (QMS)
orientiert sich am Prozessmodell der ISO 9001:2008.
2. Das Prozessmodell der ISO 9001:2008
An dieser Stelle sei der
Hinweis gegeben, dass die DIN EN ISO 9001:2008 für TUB-Angehörige
kostenlos in der Universitätsbibliothek in digitaler Form verfügbar
ist. Alternativ kann sie kostenpflichtig beim Beuth Verlag erworben
werden.
Das Prozessmodell der ISO 9001:2008 ist im Bild 1
dargestellt.

- Bild 1: Prozessmodell der ISO 9001:2008
[2]- © DIN ISO 9001:2008
Die Organisation, um deren
Qualitätsmanagement-System es geht, ist dabei sehr vereinfacht durch
vier große Hauptprozesse dargestellt, die von einem Oval
(Systemgrenze) eingefasst sind. Der Produktrealisierungsprozess
liefert als Ergebnis das Produkt, das an die Kunden ausgeliefert wird.
Die Kunden sind auch auf der linken Seite der Darstellung
positioniert, weil deren Anforderungen eine wichtige Eingabe für den
Produktrealisierungsprozess bedeuten. Die weiteren Hauptprozesse
heißen „Messung, Analyse und Verbesserung",
"Verantwortung der Leitung" und „Management von
Ressourcen".
Die Pfeile, mit denen die vier
Hauptprozesse in Beziehung zueinander gesetzt werden, deuten einen
Regelkreis an. Die Unternehmensleitung erhält Informationen, die
einerseits mit Hilfe von „Messung, Analyse und Verbesserung"
aus dem Produktrealisierungsprozess und der Kundenzufriedenheit
gewonnen werden (Istzustand), und andererseits die Kundenanforderungen
(Ziele, Sollzustand) betreffen. Wenn der Ist-Zustand vom Soll negativ
abweicht, können durch den Prozess „Management der Mittel"
Ressourcen eingesetzt werden, um die Zielerfüllung und gegebenenfalls
eine Dynamisierung der Ziele (ständige Verbesserung) zu
ermöglichen.
3. Qualität und Anforderungen
Die ISO
9000:2005 definiert die Qualität einer Einheit als
„Grad, in dem ein Satz inhärenter Merkmale die Anforderungen
erfüllt".
Inhärente Merkmale sind solche, die
der betrachteten Einheit innewohnen und damit ihre Beschaffenheit
ausmachen. Merkmale wie Kosten oder Preis gelten im Gegensatz dazu als
zugeordnete Merkmale. Der Begriff Anforderungen vereinfacht die
Fachsprache. Er steht als Sammelbegriff für die Bedürfnisse,
Wünsche und Erwartungen der Kunden, für die die Einheit hergestellt
wird. Anforderungen können bewusst oder unbewusst, vorausgesetzt oder
festgeschrieben sein.
Das moderne Qualitätsmanagement
betrachtet nicht nur Produkte. Die betrachtete Einheit, zu der die
inhärenten Merkmale gehören, kann ein Produkt, ein Prozess oder ein
System sein. Das Produkt ist dabei das Ergebnis des
Produktrealisierungs-, also wertschöpfenden Prozesses. Mit System
sind die weiteren, nicht wertschöpfenden Prozesse in der Organisation
gemeint, die jedoch die Produktqualität beeinflussen können (Bild
2).

- Bild 2: Produkt, Prozess und System
[3]- © Joachim Herrmann
Es gibt vier Produktkategorien:
- Hardware,
- verfahrenstechnische Produkte,
- Software und
- Dienstleistungen (Service).
Hardware ist materiell, wobei ihre Menge ein
zählbares Merkmal darstellt (z. B. mechanisches Motorteil).
Verfahrenstechnische Produkte sind ebenfalls materiell, wobei ihre
Menge ein kontinuierliches Merkmal darstellt (z. B. Schmiermittel).
Software besteht aus Informationen und ist somit immateriell,
kann aber materielle Bestandteile beinhalten (z. B. ein Programm, das
auf einer CD gespeichert ist).
Von besonderer Bedeutung in
Zusammenhang mit Studium und Lehre ist die Dienstleistung. Eine
Dienstleistung ist das Ergebnis mindestens einer Tätigkeit, die
notwendigerweise an der Schnittstelle zwischen dem Lieferanten und dem
Kunden ausgeführt wird und üblicherweise immateriell ist. Die
Vermittlung von Informationen in Zusammenhang mit Wissenstransfer ist
ein typischer Dienstleistungsprozess.
Die
wertschöpfenden Prozesse einer Hochschule sind Forschung und Lehre.
Das hier beschriebene Qualitätsmanagementsystem beschränkt sich
zunächst auf den Prozess „Lehre und Studium". Zunächst sind
die folgenden Fragen zu stellen:
- Was ist das Produkt des Prozesses „Lehre und Studium"?
- Wer sind die Kunden?
- Welche Anforderungen werden an das Produkt und darüber hinaus gestellt?
„Lehre und Studium" ist ein komplexer Prozess, der sich in mehrere Teilprozesse zerlegen (dekomponieren) lässt. Ein Beispiel dafür ist in Bild 3 dargestellt.

- Bild 3: Einige Teilprozesse des Prozesses „Lehre und Studium“
[4]- © Joachim Herrmann
Diese Unterteilung ist aber nicht vollständig,
und die Zerlegung ist noch zu grob. Später in diesem Beitrag wird
gezeigt, dass unser Projekt zunächst 42 Teilprozesse identifiziert
hat.
Ein wesentlicher Input in den Prozess „Lehre und
Studium" ist der neu immatrikulierte Student mit seinem
jeweiligen Wissensstand. Als Output ist derselbe Student mit seinem
Wissensstand nach Beendigung des Studiums anzusehen.
Das Produkt von Lehre und Studium ist demnach der Zuwachs an
fachlichem und überfachlichem Wissen, den der Student im Laufe des
Studiums erworben hat. Es handelt sich um ein immaterielles Produkt,
das nach der Normdefinition als typische Dienstleistung anzusehen
ist.
Die Frage nach den Kunden einer Hochschule kann
anhand der Tabelle 1 beantwortet werden. Der Kundenbegriff wandelt
sich dabei vom Leistungsempfänger zu einem Komplex „interessierter
Parteien" (Stakeholder), die jeweils eigene Anforderungen an das
Produkt des Prozesses „Lehre und Studium" stellen.
| Kunde
im allgemeinen | Kunden des Prozesses "Lehre und
Studium" | Mögliche
Anforderungen |
|---|---|---|
| Der das
Produkt empfängt | Studierende | Erwerb
von fachlichen und von Schlüsselqualifikationen Gute Vorbereitung auf Berufsleben Anforderungen an administrative Abläufe und Einrichtungen der Hochschule Angemessene Dauer des Studiums |
| Der für das
Produkt bezahlt | Eltern, Hochschulträger, Land | Wie Empfänger, außerdem: Effizienter Umgang mit den eingesetzten Mitteln |
| Mit dem ein Vertragsverhältnis besteht | Hochschulträger, Land, Studierende | Erfüllung der
Vertragsbedingungen |
| Der ein sonstiges Interesse
an dem Produkt hat | Spätere Arbeitgeber | Absolventen, die das jeweils benötigte
Qualifikationsprofil aufweisen |
Tabelle 1: Kunden und deren Anforderungen an den Prozess „Lehre
und Studium"
Unter den Stakeholdern nehmen die
Studierenden eine besondere Stellung ein. Sie sind nicht nur die
wichtigsten Kunden des Prozesses, sondern darüber hinaus:
- „Rohmaterial",
- „Endprodukt",
- Zeugen und Mitwirkende im Prozess und
- nehmen Teile des Systems (Infrastruktur) der Hochschule wahr.
Typisch für Dienstleistungsempfänger ist es daher,
dass sie nicht nur Anforderungen bezüglich des Produktes stellen,
sondern genauso Anforderungen an den Prozess und an das System. Die
Studierenden stellen durchaus Anforderungen an die Art und Weise, wie
der Prozess „Lehre und Studium" abläuft und an weitere
Prozesse und Einrichtungen der Hochschule, die man unter dem Begriff
System zusammenfassen kann.
Dagegen sind die Studierenden
größtenteils nicht in der Lage, Anforderungen an das eigentliche
Produkt der Lehre, an den Wissenszuwachs, zu stellen. Hier muss die
Hochschulleitung unter Berücksichtigung der Wünsche der übrigen
Stakeholder selbst diese Anforderungen festlegen. Dabei wird man nicht
den individuellen Wissenszuwachs, sondern einen Mindest-Wissensstand
festlegen, über den die Absolventen der Hochschule verfügen sollen.
Hier steht der Hochschulleitung ein Freiraum zur Verfügung, innerhalb
dessen sie ein Qualifikationsprofil für ihre Absolventen definieren
kann, in dem sie sich von anderen Hochschulen unterscheidet.
Die Festlegung einer Qualitätspolitik, die beispielsweise aus der
Mission, Vision und daraus abgeleiteter strategischer Ziele besteht,
ist für ein Qualitätsmanagement zwingend erforderlich, da Qualität
als Erfüllung von Anforderungen definiert ist. Wenn diese nicht
geklärt sind, kann auch durch aufwändige Evaluationen eines
Ist-Zustandes keine Qualitätsaussage zustande kommen.
4. Ein Prozessmodell für das Qualitätsmanagement der Lehre und des Studiums an Hochschulen
Bild 4 zeigt das an ISO 9001:2008 angepasste
Prozessmodell für ein Qualitätsmanagementsystem von Lehre und
Studium an Hochschulen.

- Bild 4: Prozessmodell für das Qualitätsmanagement der Lehre und des Studiums an Hochschulen
[5]- © Marcus Lindenau
Die Universitätsleitung muss eine Strategie für
Lehre und Studium entwickeln und daraus wesentliche Ziele ableiten.
Diese beschreiben einen Sollzustand.
Als „Sensoren"
für den Istzustand sind zunächst die folgenden Untersuchungen
vorgeschlagen:
- Monotoring als Analyse des Studierendenbestands (Bestandsanalyse), einschließlich Erfassung von Abbrechern und Studiengang-Wechslern,
- Beurteilung der Lehre (formative Evaluation) durch die Studierenden,
- Arbeitgeberbefragungen zur Überprüfung der Relevanz der Studieninhalte,
- Verbleibsanalyse der Absolventen
(summative Evaluation), in deren Rahmen eine „Outcome"-bezogene
Bewertung der Lehre zum Ausdruck kommt.
Dazu
gehören auch die internen Prüfungen, die den angestrebten
Wissensstand am Ende des Studiums sicherstellen sollen. Wie bereits
ausgeführt, ist ein bestimmter Wissenszuwachs das Produkt des
Lehrprozesses. Soll mit diesem Wissenszuwachs ein vereinbarter
Wissensstand erreicht werden, müssen die Studierenden zu Anfang des
Studiums über eine entsprechende Ausgangsqualifikation (Wissensstand
und angestrebtes Studierverhalten) verfügen. Diese kann durch
geeignete Auswahlverfahren der Studienbewerber sicher gestellt werden.
Die Daten, die anhand der „Sensoren" ermittelt
werden, müssen mit den vereinbarten Zielen verglichen werden. Treten
hierbei Diskrepanzen auf, sind Verbesserungsprogramme
(„Aktoren") angebracht. Dazu gehören Förderungsmaßnahmen
für Studierende und Lehrende, aber auch Änderungen an den
Lehrinhalten.
5. Vorgehen
Die Organisation des
Projekts leitet sich aus den Gegebenheiten an der TU Berlin ab,
insbesondere dem partizipativen Vorgehen im Allgemeinen und dem hohen
Abstimmungsaufwand im Besonderen, wenn es darum geht, bestimmte
Vorgehensweisen über alle Fakultäten hinweg zu vereinbaren. Tabelle
2 zeigt die Gremien, die das Projekt bearbeiten und lenken.
|
Gremium | Aufgaben
|
|---|---|
| Lenkungsausschuss Vizepräsident/-in für Studium und Lehre, Kanzler/-in, Projektmanager/-in, Personalrat, 2 Professoren/-innen, 1 Wissenschaftliche/-r Mitarbeiter/-in, 1 Studierende/-r, 1 Vertreter/-in LSK, ZFA, Berater | Festlegen der Ziele, Treffen übergeordneter Entscheidungen, Verabschieden der Projektergebnisse |
| Projektteam Projektmanager/-in, Vizepräsident/-in für Studium und Lehre, Vorsitzende der Gemeinsamen Kommissionen, Studiendekane/-innen, Leiter/-in tubIT, Leiter/-in Abteilung I, stellvertretende/-r ZFA, Berater/-in | Festlegen der Aufgabenpakete, Ermitteln von Potenzialen, Definieren der Teilprojekte, Benennen der Prozessteams |
| Prozessteam
(1...n) Prozessteamleiter/-in, Fak. I, Fak. II und Informatik, Fak. III bis V, Fak. VI bzw. VII, ZUV bzw. tubIT | Erfassen der Prozesse, Durchführen von Analysen, Einführen von Verbesserungsmassnahmen |
Tabelle
2: Projektorganisation
Einem Prozessteam fällt
beispielsweise die Aufgabe zu, einen bestimmten Teilprozess
aufzunehmen, zu analysieren und zu verbessern. Die Zusammensetzung der
Prozessteams aus Vertretern der Fakultäten ist deswegen erforderlich,
weil der untersuchte Prozess anschließend für die gesamte TU Berlin
verbindlich sein soll. Bisher wurden 41 Teilprozesse von „Studium
und Lehre“ identifiziert, und 18 Prozessteams haben die Arbeit
aufgenommen. Prozesse, an denen bereits gearbeitet wird, sind zum
Beispiel:
- Studieninteressierte beraten,
- Hörsaaltechnik managen,
- Lehrstuhl (wieder-) besetzen,
- Studiengang entwickeln,
- Management of Change
- Lehrevaluation durchführen,
- Prüfungsangelegenheit durchführen.
In
einer weiteren Ausbaustufe soll die Forschung als zweiter
wertschöpfender Prozess der TU Berlin in das
Qualitätsmanagementsystem einbezogen werden.
Die Einführung des
Qualitätsmanagementsystems bis zu einer geplanten Zertifizierung
erfolgt als Projekt. Danach wird das Aufrechterhalten, Ausweiten und
Verbessern des Systems in einer Dauerorganisation verankert
werden.
6. Zusammenfassung
Das in diesem Beitrag beschriebene Prozessmodell stellt eine Anpassung des generischen ISO 9001-Modells an das Qualitätsmanagement der Lehre an Hochschulen dar. Für ein wirkungsvolles Qualitätsmanagement, das immer auch eine Regelkreisfunktion beinhaltet, sind die folgenden Bestandteile von entscheidender Bedeutung:
- Aus
den Interessen verschiedener Kundengruppen, aber auch aus der
strategischen Ausrichtung der Hochschule muss ein Fächer von
Anforderungen festgelegt werden.
- Der Erfüllungsgrad dieser Anforderungen muss messbar oder zumindest fundiert beurteilbar sein, wofür ein geeignetes Instrumentarium zu entwickeln und einzusetzen ist.
- Für den Fall, dass Anforderungen nicht erfüllt werden, werden entsprechende Verbesserungsprogramme (Prozesse) benötigt.
Für den Studium- und Lehrbetrieb an einer Universität sind diese Schritte nicht trivial. Bei der Definition relevanter Ziele und bei der Erfassung der zugehörigen Kennzahlen besteht teilweise noch Forschungsbedarf.
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