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Geschlechterforschung an der TUB
Die Geschlechterforschung an der TUB steht in einem regen überregionalen und internationalen Austausch, allerdings sind diese Aktivitäten nicht vereinheitlicht sondern individualisiert und vorzugsweise auf die jeweiligen Fachwissenschaften und ihre Kooperationsnetze gerichtet.
Im Hinblick auf die systematische Vernetzung über Berlin hinaus und in Bezug auf die Sichtbarkeit der bereits vorhandenen Forschungsansätze unterliegt die Geschlechterforschung an der TUB aufgrund der unbesetzten Professur am Zentrum für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung (ZIFG) einer wesentlichen Einschränkung. Die Geschlechterforschung hatte über die Aktivitäten des ZIFG hinaus ihre Basis bislang vor allem in den sozial- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen: In der Sozialpädagogik, Erziehungswissenschaft und Psychologie, in der Soziologie und Politikwissenschaft, in der Geschichtswissenschaft und in der Germanistik sowie am Frankreich-Zentrum. Darüber hinaus erlangte sie in den Umweltwissenschaften und im Fachgebiet „Public Health“ eine gewisse Sichtbarkeit. Zudem existierte in der Fakultät VII bis 2005 ein Schwerpunkt „Gender Planning“ in den Planungswissenschaften.
Laut Strukturplan 2004 gehört die Verankerung der Geschlechterforschung zum geschärften Profil der TUB. Allerdings wird mit der neuen Ausrichtung (eine Antwort auf die aktuellen Sparzwänge) auf das seit 1946 in der Gründungsurkunde auferlegte und inzwischen durchaus entwickelte, auch humanistische Profil. Das heißt, dass die Geistes- und Sozialwissenschaften, an deren Theorien- und Methodenrepertoire die Geschlechterforschung weitgehend gebunden ist, an Bedeutung verlieren. Mehrere Bereiche, in denen derzeit noch zur Geschlechterforschung gearbeitet wird, sind in der zukünftigen Strukturplanung der TUB nicht mehr vorgesehen. Andererseits werden mit dem im Juni 2004 vorgelegten Strukturplan auch neue Möglichkeiten und Ansatzpunkte für die Frauen- und Geschlechterforschung eröffnet und zwar durch die Festlegung von sieben interdisziplinären Zukunftsfeldern. Diese sind: Energie, Gestaltung von Lebensräumen, Gesundheit und Ernährung, Information und Kommunikation, Mobilität und Verkehr, Wasser, Wissensmanagement. Die aus meiner Sicht notwendige Aufgabe besteht darin, das in den Geistes- und Sozialwissenschaften erprobte kritische und innovative Potenzial der Geschlechterforschung in die Forschungsfelder der Ingenieur- und Naturwissen-schaften zu übersetzen. Indem sie die geschlechtsspezifischen Aspekte in den Zukunftsfeldern zum Gegenstand wählt, wird die Frauen- und Geschlechterforschung ihre disziplinübergreifende Ausrichtung als Brückenfach zwischen höchst unterschiedlichen Fachkulturen und Fachgegenständen entscheidend konsolidieren können. Ein prominentes und erfolgreiches Beispiel für eine solche Programmatik liegt vor: die Internationale Frauenuniversität (ifu) „Technik und Kultur“ im Sommer 2000. Das ZIFG an der Fakultät I hat sich bisher auf die Schwerpunkte “Kulturgeschichte der Geschlechterverhältnisse” und “Wissenschaftsforschung als Geschlechter-forschung” konzentriert.
Inzwischen ist auch und gerade das ZIFG, weil in den Geisteswissenschaften verankert, vom momentan an der TU stattfindenden Ab- und Umbau heftig betroffen. Wichtig war deshalb vor allem die Einrichtung einer Stelle für eine Wissenschaftssoziologin über das C1/C2-Programm und die Schaffung einer medien- und techniksoziologisch ausgerichteten Brückenprofessur zwischen dem ZIFG und dem Institut für Soziologie (Fakultät VI: Planen Bauen Umwelt) aus Mitteln des Berliner Programms zur Förderung der Chancengleichheit für Frauen in Forschung und Lehre. Entsprechend wurde auch die angestrebte Neubesetzung der einzigen am ZIFG angesiedelten Professur im Hinblick auf die “Pflege und den Ausbau der Kooperationsbeziehungen zu den Ingenieur- und Naturwissenschaften” ausgeschrieben. Die Stelle ist seit April 2003 vakant und wurde bisher von verschiedenen Wissenschaftlerinnen vertreten. Eine Neuordnung der personellen Konstellation konnte im Jahr 2004 auf der Ebene des Mittelbaus vorgenommen werden. Die zur Ausstattung der C4-Professur gehörige C1-Stelle wurde im August des Jahres mit einer Wissenschaftlichen Assistentin besetzt. Eine weitere C1-Stelle, die über das C1/C2-Programm finanziert wird, wurde im Dezember 2004 dem ZIFG zugewiesen. Getragen wird das ZIFG momentan von diesen beiden Wissenschaftlichen Assistentinnen. Damit wurde die Grundlage für die Bildung eines neuen Teams am ZIFG gelegt, das sich fachlich durch einen Arbeitsschwerpunkt in der sozial- und kulturwissenschaftlich fundierten Wissenschafts- und Technikforschung profiliert. Beide Wissenschaftlichen Assistentinnen verfügen über einschlägige Doppelqualifikationen und bringen Erfahrungen aus inter- beziehungsweise transdisziplinären Forschungsprojekten, aus der Praxis und aus internationalen Forschungskontexten mit.
(Aus dem Bericht der Zentralen Frauenbeauftragten 2005/06)

