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TU Berlin

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Innenansichten

Leserbriefe

Montag, 18. Juni 2012

Hypertrophe Wohnmaschinen

Zum Artikel „Ungeliebte Hightech-Architektur“ (TU intern 5/12) schrieb Dr.-Ing. Hans Stimmann, ehemaliger Senatsbaudirektor Berlins:

(…) über die Tendenz des Textes von Kerstin Wittmann-Englert muss ich mich schon sehr wundern. (…) Aus der Distanz von 40 Jahren genügt aber nicht nur die Feststellung der Zeugniseigenschaft, sondern notwendig ist auch eine Bewertung der Qualität, um ein Gebäude zum Objekt staatlichen Denkmalschutzes werden zu lassen. Zu den Bewertungskriterien gehören der gesellschaftliche Kontext, die ökonomischen und politischen Bedingungen, die architektonische Qualität, die städtebauliche Verträglichkeit und die Brauchbarkeit für heutige Nutzungen.

Ich habe meine Dissertation an der TU [Berlin] über internationale, nationale und Berliner Projekte von Überbauungen von Verkehrsflächen, (…), darunter auch die Autobahnüberbauung Schlangenbader Straße, verfasst und möchte darauf hinweisen, dass dieses Projekt einer brutalen und überflüssigen Stadtautobahn in Verbindung mit einem privaten Bauspekulanten in der Tat ein Denkmal ist, aber nicht eines der Architektur, sondern das einer autofixierten Verkehrsplanung (der SPD) in Verbindung mit der Realisierungsidee einer hypertrophen Wohnmaschine ohne Rücksicht auf den Kontext, die Bürgerproteste etc.

Natürlich soll man dieses Monstrum nicht abreißen, könnte ihm aber durch die Stilllegung der Autobahn und den Abriss der Brücke über den Breitenbachplatz den Anschein von Fortschrittlichkeit nehmen. Ähnliches ließe sich übrigens auch über den Bierpinsel und den Steglitzer Kreisel sagen. Beide Bauten sind ohne die brutalen Stadtautobahnüberbauungen nicht denkbar. (…)

Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 6/2012

Utopische Megastrukturen der ersten Generation

Zum interessanten Artikel von Frau Prof. Dr. K. Wittmann-Englert "Ungeliebte Hightech-Architektur" ("TU intern" 05/2012) möchte ich eine inhaltliche Ergänzung machen.

Als "Hightech-Architektur" wurden hier die Bauten der 70er-Jahre bezeichnet, deren Fassaden eine technizistische Gestaltung aufweisen. Es ging aber nicht nur um Fassaden. Diese Bauten hatten historische Vorläufer, die bis auf die futuristischen Projekte von  Sant´Elia zurückgehen, wie zum Beispiel die "Città Nuova" von 1914. Andere "technizistische Stadtbaukonzeptionen" der 60- und 70er-Jahre, wie zum Beispiel die Entwürfe von ARCHIGRAM, von Jona Friedman, Hans Hollein und anderen gehören, wie die Wettbewerbsprojekte für den Gebäudekomplex der Vereinten Nationen in Wien um 1970 oder der Stadtteil Barbican in London, zu den realisierten utopischen Megastrukturen der ersten Generation (1963-1973). Damals um 1968-73 wollte man den freien Raum über Brücken und Verkehrsgleisen der Bahn mit multifunktionellen Baukomplexen überbauen. Die Idee beruhte auf mehreren Funktionen, zum Beispiel den Verkehr mit Wohnen, Arbeiten, Verkaufen und Freizeit miteinander zu verbinden. Die Wohnbebauung "Schlangenbader Straße" gehört zu den brückenartigen Überbauungen von Teilabschnitten der Autobahn. Andere Gesichtspunkte stellen die Stadtbaukonzeptionen der multifunktionellen Strukturen das (Einkaufszentrum über der U-Bahn wie der Steglitzer Kreisel). Die multifunktionellen Zentren des letzten Jahrzehnts verlagerten sich in neue Bahnhöfe und Flughäfen. Es wäre schade, wenn man sich bei der Beurteilung von Großbauten auch im Hinblick auf die Aufgaben der Denkmalpflege nur auf die äußere Erscheinung der Fassaden verlässt.

Prof. Dr.-Ing. habil. Miron Mislin

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