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TU Berlin

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Forschung

Alternativen für edles Metall

Freitag, 16. Januar 2015

TU-Chemiker Shigeyoshi Inoue erhält ERC Grant mit 1,5 Millionen Euro

Der japanische Wissenschaftler Shigeyoshi Inoue lebt bereits seit sieben Jahren in Deutschland
Lupe

Die gute Nachricht kam kurz vor Weihnachten. Prof. Dr. Shigeyoshi Inoue, bereits mehrfach ausgezeichneter Chemiker der TU Berlin, erhält einen Starting Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC), der mit rund 1,5 Millionen Euro dotiert ist. 3279 Anträge waren in Brüssel eingegangen, 328 europäische Forscherinnen und Forscher sind nun erfolgreich, rund zehn Prozent.

Der japanische Chemiker Shigeyoshi Inoue, der bereits seit sieben Jahren in Deutschland lebt, befasst sich mit dem Design, der Synthese und der Charakterisierung von Silyliumyliden-Ionen sowie deren Anwendung in der Katalyse. „Diese Moleküle mit einem zweiwertigen Siliziumatom sind besonders vielversprechend als mögliche alternative Katalysatoren, denn sie weisen erstaunliche Aspekte auf“, erklärt Shigeyoshi Inoue. „Zum Beispiel sind sie extrem wirksam bei der katalytischen Aktivierung der Kohlenstoff-Wasserstoff-Bindung, für die sonst seltene Edelmetalle wie Platin oder Palladium verwendet werden müssen. Dagegen ist Silizium eines der häufigsten Elemente der Erdkruste. Es wäre also von Vorteil, wenn wir die teuren Metalle, die bislang beim Bau von Katalysatoren unverzichtbar sind, durch Silizium ersetzen könnten, zum Beispiel in der Pharmazie oder bei der Umwandlung von Rohöl.“

Schon seit 2008 arbeitet Shigeyoshi Inoue im Arbeitskreis von TU-Professor Dr. Matthias Drieß in der Anorganischen Chemie, und damit ganz nah am TU-Exzellenzcluster UniCat, der sich mit Katalyseforschung beschäftigt. Inoue wurde bereits mit einem Alexander von Humboldt-Forschungsstipendium ausgezeichnet und erhielt 2010 sogar den mit 1,65 Millionen Euro dotierten Sofja-Kovalevskaja-Preis der Alexander von Humboldt-Stiftung, mit dem er seinen eigenen Arbeitskreis an der TU Berlin aufbaute.

Shigeyoshi Inoue liebt Deutschland. Nicht nur, weil es ausgezeichnete Bedingungen für Grundlagenforschung bietet und weil es dank der exzellenten Forschungsförderung möglich ist, schon frühzeitig eigene Forschungen zu betreiben, was in Japan ausgeschlossen ist. Auch die Bundesligaergebnisse verpasst er nicht, besucht die Philharmoniker und schätzt die Möglichkeit, weit über Land mit Bus, Bahn und Auto reisen zu können, ohne auf Schiffe oder Flugzeuge umsteigen zu müssen, wie er es aus seiner Inselheimat Japan gewohnt ist. Doch eines fehlt ihm: der frische Fisch. „Richtig guter Fisch ist hier leider nur sehr schwer zu bekommen“, bedauert der Wissenschaftler. Er muss es wissen, schließlich kommt er vom Meer – aus Fukushima. „Wo ich auch bin, wenn ich meine Herkunft erwähne, wechselt sofort der Small Talk. Jeder will Näheres über die Reaktor- und Tsunami-Katastrophe wissen, die 2011 meine Heimat heimgesucht hat.“ Klar, denn wer von dort kommt, ist in jedem Fall betroffen. Auch das Haus seiner Großeltern ist zerstört, sie leben jetzt bei seinen Eltern, und er hat sich große Sorgen um seine Familie gemacht, denn zum Zeitpunkt der Katastrophe war er im Ausland, in Deutschland. Zurück nach Japan kam er mit großem Bahnhof. Christian Wulff, damals noch Bundespräsident, hatte ihn eingeladen, ihn als bereits in Europa ausgezeichneter junger japanischer Wissenschaftler auf seiner Reise ins Katastrophengebiet zu begleiten. Doch nachdem er sich überzeugt hatte, dass es der Familie gut geht und alles sich wieder im Aufbau befindet, konnte er sich erneut seiner anspruchsvollen Wissenschaft widmen. Auf die muss er selbst am häuslichen Abendbrottisch nicht verzichten: Zwar fordert das sechzehn Monate alte Töchterchen – eine Berlinerin, wie der junge Vater stolz erklärt – viel Aufmerksamkeit, doch seine ebenfalls aus Japan stammende Ehefrau hat im letzten Jahr an der TU Berlin in Anorganischer Chemie promoviert.

Mit seinem neuen Forschungskonzept will der japanische Chemiker aber möglichst erst im Herbst 2015 anfangen, denn die Forschung seiner Sofja-Kovalevskaja-Arbeitsgruppe ist noch nicht abgeschlossen.

Patricia Pätzold "TU intern" Januar 2015

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