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TU Berlin

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Forschung

Nachgefragt bei Prof. Dr.-Ing. Dietmar Göhlich: Sichtbar im Schaufenster

Donnerstag, 16. April 2015

Die Technologien für die E-Busse stehen bereit, doch auch betriebliche Aspekte und Akzeptanz spielen eine wesentliche Rolle

Dietmar Göhlich, Leiter des Fachgebietes Methoden der Produktentwicklung und Mechatronik, Fakultät V Verkehrs- und Maschinensysteme der TU Berlin, koordiniert an der Universität das Forschungsnetzwerk Elektromobilität mit 21 Fachgebieten. Er ist verantwor
Lupe

Herr Prof. Göhlich, soeben haben Sie mit Ihren Partnern die erste E-Bus-Ladestation, die sich derzeit im Bau befindet, öffentlich vorgestellt. Zwei weitere entstehen am Südkreuz in Tempelhof-Schöneberg und in Weißensee. Zunächst fährt nur eine Linie mit vier Bussen elektrisch durch Berlin. In etwa 20 Jahren soll der Linienbusverkehr der Hauptstadt komplett auf E-Busse umgestellt sein. Wie realistisch erscheint Ihnen dies? Welche Weichen müssen dafür gestellt werden?

Der technologische Fortschritt im Bereich alternative Antriebe im ÖPNV hat in den letzten Jahren Fahrt aufgenommen. Nach Hybridbussen folgten erste rein elektrisch betriebene und über Nacht ladende Busse, die „overnight buses“. Sie hatten noch eine limitierte Reichweite im Vergleich zum konventionellen Dieselbus. Schließlich kamen erste Bussysteme in Pilotanwendungen wie hier in Berlin, die dem Schnellladekonzept beziehungsweise dem des Gelegenheitsladens folgen, wie der „opportunity bus“. In den nächsten Jahren wird durch die stetige Weiterentwicklung der Systeme die Kommerzialisierung alternativer Bussysteme signifikant zunehmen, so- dass E-Busse innerhalb der nächsten fünf Jahre auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten mit Dieselbussen konkurrieren werden. Die Technologien werden also bereitstehen, die Elektrifizierung des Berliner ÖPNV voranzutreiben. Allerdings spielen auch betriebliche Aspekte eine wichtige Rolle, insbesondere im Flottenmanagement. Eine flächendeckende Elektrifizierung des Berliner ÖPNV verlangt eine langfristige strategische Ausrichtung und Planung, um den Flottenaustausch von derzeit etwa 1300 Bussen in Berlin zu ermöglichen. Ebenso ist die Politik gefragt, günstige Rahmenbedingungen zu schaffen. Neben der Finanzierung müssen auch städtebauliche Fragen im Hinblick auf die Ladeinfrastruktur der E-Busse thematisiert werden.

 

Das System der kabellosen Ladestation wurde im Wesentlichen von Bombardier entwickelt. Was ist konkret der Part der TU Berlin bei diesem Projekt?

Die TU Berlin bringt ihre Kompetenzen in vielfältiger Weise in dieses Gemeinschaftsvorhaben ein. Unter anderem wurden Anforderungen für das Gesamtsystem definiert, energetische Zielgrößen bestimmt, insbesondere für die Busklimatisierung. Dafür wurde eigens ein Simulationstool entwickelt. In einer technisch-wirtschaftlichen Gesamtbewertung wurde eine Lebenszykluskosten-Analyse erstellt, ein CO2-Footprint sowie eine Akzeptanzuntersuchung für die Einführung von innovativen Technologien durchgeführt. Außerdem erarbeiten wir ein E-ÖPNV-Konzept für Berlin, das verschiedene Zukunftsszenarien berücksichtigt, und ebenso eine mobile Internetseite zum Busbetrieb, um die Sichtbarkeit des Linienbetriebs zu erhöhen, der im Sommer 2015 beginnt. Die Forschungsergebnisse werden schließlich wissenschaftlich publiziert und tragen so unmittelbar zur Weiterbildung und Optimierung der Fahrzeuge und der Ladetechnologie bei. Daneben sind wir verantwortlich für Bau und Betrieb von einer der zwei Ladestationen auf der Buslinie 204 in der Hertzallee am U- und S-Bahnhof Zoologischer Garten, an deren Fertigstellung aktuell gearbeitet wird.

 

„Geräuscharm und „emissionslos“ sind die beiden Prämissen, die beim Betrieb der Busse im Vordergrund stehen. Welche CO2-Einsparung kann man erwarten?

Durch den elektrifizierten Betrieb der Buslinie 204 werden lokale Emissionen vollständig vermieden. Basierend auf der jährlichen Fahrleistung der Busse lassen sich CO2-Einsparungen von 260 Tonnen pro Jahr realisieren. Dieser Wert entspricht ca. dem CO2-Ausstoß von 250 Berliner Personenkraftwagen mit Verbrennungsmotor.

 

Wie ist das Projekt in das Förderprogramm „Internationales Schaufenster der Elektromobilität Berlin-Brandenburg“ eingebunden?

Es ist eines der rund 30 Kernprojekte und mit fast zehn Prozent des Gesamtfinanzierungsvolumens eines der größten in der Region Berlin-Brandenburg. Außerdem gibt es zwölf weitere Projektbeteiligungen der TU Berlin. Die Schaufensterplattform ermöglicht einen intensiven Erfahrungsaustausch mit allen beteiligten Unternehmen und Institutionen in der Region. Weiterhin steht im Vordergrund, die Elektromobilität für Bürger und Besucher erfahrbar und sichtbar zu machen. So haben wir im Vorfeld des E-BusBetriebs bereits Informationsveranstaltungen und Messeauftritte zum Vorhaben organisiert und werden dies auch künftig tun. Unter anderem beteiligen wir uns auch an der Langen Nacht der Wissenschaften am 13. Juni.

 

Wie wird Ihr Fachgebiet zukünftig dieses Projekt begleiten?

Mit der Inbetriebnahme der Busse im Sommer startet die Betriebsdatenerhebung. Wir werden das Projekt weiterhin mit drei wissenschaftlichen und weiteren studentischen Mitarbeitern begleiten. Die entwickelten Modelle werden so validiert und erste Optimierungsmaßnahmen implementiert und getestet werden. Abschließend wird das E-Bus-Team eine fundierte Betriebsauswertung vornehmen und weitere Handlungsempfehlungen formulieren.

Vielen Dank.
Die Fragen stellte Patricia Pätzold

 

Der E-Bus Berlin bei der Langen Nacht der Wissenschaften am 13. Juni 2015

Ausstellung und Bürgerforum – Das Projekt „E-Bus Berlin“ stellt sich vor.

Neben der Ausstellung des Busses wird ein Bürgerforum zur Elektrifizierung des Busverkehrs in Berlin angeboten: Die Projektbeteiligten des „E-Bus Berlin“ informieren über die Elektrifizierung der Busline 204. Dabei geht es besonders um die technischen Aspekte des Systems und das Betriebskonzept. Im Anschluss an die Vorträge gibt es eine offene Fragerunde für das Auditorium.

Ort: „Haus der Maschinen“, Straße des 17. Juni 144, Vorplatz der Maschinenhalle und Raum MA 004

Zeit: 18.30–19.45 Uhr

"TU intern" April 2015

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