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TU Berlin

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Lehre & Studium

Nachgefragt bei Prof. Dr. med. Reinhard Busse: Ein Dach für die Berliner Gesundheitsökonomie

Mittwoch, 13. Mai 2015

2016/17 soll ein neuer Master-Studiengang eingerichtet werden, an dem drei Hochschulen beteiligt sind

Prof. Dr. med. Reinhard Busse, TU-Fachgebiet Management im Gesundheitswesen, Leiter eines der vier Gesundheitsökonomischen Zentren des BMBF in Deutschland und Sprecher der Berlin School of Public Health
Lupe

Herr Professor Busse, im April 2015 hat die TU Berlin mit der Charité Universitätsmedizin Berlin und der Alice Salomon Hochschule (ASH) die Berlin School of Public Health, kurz BSPH, neu konstituiert. Sie gehören mit den Professoren Uwe Bettig von der ASH sowie Adelheid Kuhlmey und Jacqueline Müller-Nordhorn von der Charité dem vierköpfigen Direktorium als Sprecher an. Welche grundsätzlichen Aufgaben soll diese Einrichtung haben?

Die BSPH wurde neu gegründet, um gemeinsam einen konsekutiven Master-Studiengang aufzubauen. Das entspricht auch einem bereits lange Jahre gehegten Wunsch der Senatsverwaltung. In diesem Rahmen sollen die vielen Aktivitäten im Berliner Raum mittelfristig gebündelt und sichtbar gemacht werden. Diese beiden Faktoren werden die Grundlage sein, attraktive Professuren in diesem Bereich zu schaffen, die dann wiederum dem Studiengang zugutekommen werden. Ein gemeinsamer Bachelor-Studiengang wurde verworfen, da der Bedarf hier nicht dringlich ist. ASH und Charité bieten bereits sehr spezifische Studiengänge an. Unsere thematisch sehr breit aufgestellten Bachelor-Absolventen ergänzen dann das Feld.

Werden weitere, auch außeruniversitäre Akteure einbezogen?

Wir haben bereits ein Curriculum skizziert. Und um unser Programm in Lehre und Forschung umzusetzen, werden tatsächlich auch andere Partner für spezifische Themen eine Rolle spielen. Zunächst aber durchforsten wir die Fachgebiete der drei Partner nach Gebieten, die das Curriculum thematisch bereichern und füllen können. In der Forschung ist die Einbeziehung nicht-universitärer Partner deutlich wichtiger.

Welche Aufgaben kann die TU Berlin für den neuen hochschulübergreifenden Studiengang Public Health übernehmen?

Public Health beschäftigt sich mit Fragen wie: Was macht krank, was erhält gesund? Der Blick ist dabei gerichtet auf die Gesamtbevölkerung. Welchen Einfluss haben Einkommen, soziale Verhältnisse, auch Klimaveränderungen? Wo müssen Ärzte, Krankenhäuser angesiedelt sein? Wieso gibt es in den wohlhabenden, gesündesten Gebieten die größte Ärztedichte? Und wie gestaltet man das System, um sie genau dorthin zu bringen, wo sie am dringendsten benötigt werden? Welche Anreize muss man setzen? Welche Leistungen gehören in ein System, das der Gesunderhaltung dient? Es werden Kosten-Nutzen-Analysen erarbeitet, Präventionsmaßnahmen entwickelt und getestet und vieles mehr. Solche gesundheitsökonomischen Überlegungen, die zu einem umfassenden Studiengang dazugehören, werden in der Charité nicht hinreichend behandelt. Diese Expertise bringen primär wir ein. Hinter dem gesamten Studiengang steckt neben der Bevölkerungsperspektive ja eine Systemperspektive: Leistungsfähigkeit, Qualität und Ergebnisse eines funktionierenden Gesundheitssystems müssen in einem angemessenen Verhältnis zu dem investierten Geld stehen.

Der neue Master-Studiengang soll ein grundständiger sein. Welche Voraussetzungen brauchen die Interessenten?

Der Studiengang wird so gestaltet, dass er für Absolventen verschiedener Fachrichtungen interessant ist, zum Beispiel für TU-Studierende, die sich bereits jetzt mit Gesundheitsthemen beschäftigen und die in meine Kurse kommen, also BWL- und Economics-Studierende oder Wirtschaftsingenieure. Sie beschäftigen sich zum Beispiel mit der Bewertung von Gesundheitstechnologien: Nach welchen Kriterien wird ein neues Arznei- oder Hilfsmittel eingeführt, wie wird es finanziert? Sind die Krankenkassen involviert? Welche Anreize brauchen Krankenhäuser, um diese Leistungen zu erbringen? Und selbstverständlich die Bachelor aus den beiden anderen Institutionen mit ihren spezifischen Themen. Wir werden etwa 60 Studierende pro Jahrgang aufnehmen können. Gemeinsam entwickeln wir dafür derzeit verpflichtende Kernmodule sowie Basismodule, um allen eine gemeinsame Grundlage zu ermöglichen. Denn die Leute kommen ja mit Vorkenntnissen aus den unterschiedlichsten Bereichen: Medizin, Gesundheitswissenschaften und -technologien, Betriebswirtschaft und Wirtschaftsingenieurwesen.

Sie sind auch Sprecher eines von bundesweit vier Gesundheitsökonomischen Zentren, die seit 2012 vom BMBF gefördert werden. Ihr Zentrum hat die Leistungsmessung von Gesundheitssystemen im Fokus. Inwiefern greift dies mit der neuen Kooperation ineinander?

Die Gesundheitsökonomischen Zentren werden für acht Jahre gefördert, Ziel ist aber die Verstetigung. Die BSPH bietet nun auch die Möglichkeit, als hochschulübergreifende Plattform dem Gesundheitsökonomischen Zentrum Berlin auf lange Sicht ein Dach zu geben. Die beiden Einrichtungen sollen sich so ergänzen.

Was sind die nächsten Schritte?

Geplant ist der Auftakt des Studiengangs zum Wintersemester 2016/17. Das ist ein durchaus ehrgeiziges Ziel. Bis dahin ist – da ja drei Institutionen mit unterschiedlicher Organisation und Philosophie beteiligt sind – noch viel Koordination und Austausch notwendig, was überall bereits angelaufen ist. Wir müssen auch sehen, ob die vorhandenen Professuren alle Bereiche abdecken können oder ob auch von vornherein die eine oder andere neu geschaffen werden muss. Ich habe aber die Hoffnung, dass dieses Dreiergespann es uns erleichtert, auch externe Förderer zu interessieren, also zum Beispiel Stiftungen.

Vielen Dank!

Das Gespräch führte Patricia Pätzold

"TU intern" Mai 2015

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