direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Inhalt des Dokuments

Innenansichten

Neuer Glanz für die „Rosa Röhre“

Montag, 16. Dezember 2013

Vertrag mit der Wüstenrot Stiftung unterschrieben – neue Forschungsfelder für den Umlauftank 2 angedacht

Sanierungsbedürftig: In der von den Berlinern so genannten „Rosa Röhre“ finden bis heute Forschungen statt. Nach der Sanierung wird sie nicht nur wieder rosa und kobaltblau erstrahlen, sondern auch umfangreicher genutzt werden können
Lupe
Sanierungsbedürftig: In der von den Berlinern so genannten „Rosa Röhre“ finden bis heute Forschungen statt. Nach der Sanierung wird sie nicht nur wieder rosa und kobaltblau erstrahlen, sondern auch umfangreicher genutzt werden können
Lupe
So sieht die Röhre von innen aus: Die offene Messstrecke des Umlauftanks (Foto oben). Angetrieben werden die Pumpen von 2700 PS starken Dieselmotoren (Bild unten)
Lupe
Vertragsunterzeichnung vor Ort: Wulf D. von Lucius von der Wüstenrot Stiftung (l.) und Paul Uwe Thamsen, 1. Vizepräsident der TU Berlin
Lupe

Welches technische Bauwerk kann schon von sich sagen, es sei „außerordentlich sexy“? Und dann eines von so riesigen Ausmaßen? Der große, 19 Meter hohe Umlauftank mit dem insgesamt 120 Meter langen „Rosa Rüssel“, dessen Durchmesser maximal acht Meter beträgt und in dem 3300 Tonnen Wasser zirkulieren, erhielt dieses Prädikat von Professor Wulf D. von Lucius, dem Vorsitzenden der Wüstenrot Stiftung. Diese hat es sich zur Aufgabe gemacht, der Berliner Pop-Art-Ikone der Wissenschafts-Architektur für 3,5 Millionen Euro zu neuem Glanz zu verhelfen.

„Mit dem Sanierungsplan für dieses Architekturdenkmal der internationalen Avantgarde betreten wir selbst denkmalpflegerisches Neuland“, sagt Professor von Lucius. Die Wüstenrot Stiftung in Ludwigsburg, deren besonderes Anliegen die Erhaltung und Pflege des kulturellen Erbes unserer Gesellschaft ist, hatte Ludwig Leos Bauwerk zu einem schützenswerten Gebäude der Nachkriegszeit ersten Ranges erklärt. Neuland sei nicht nur der Umgang mit der Stahlkonstruktion, sondern auch die einzigartige und schwierige Kombination von Metall und Polyurethanschaum, mit dem die Röhre dick ummantelt ist, ergänzte Philip Kurz, Geschäftsführer der Stiftung. Seit zwei Jahren gab es bereits Gespräche mit der TU Berlin. Zunächst habe man 2012 eine Machbarkeitsstudie erstellt, in der nicht nur technische Details geklärt, sondern auch die kulturelle Bedeutung des Bauwerks umfangreich eruiert worden seien. „Denn nicht nur die Funktion des Gebäudes als Denkmal, das eine Mischung aus Maschine, Haus, Forschungsstätte und Pop-Art ist, war ausschlaggebend, sondern auch die zukünftige Nutzung. Es ist ein Glücksfall, dass die TU Berlin hier künftig gleich mit vier Fachgebieten forschen will, denn sonst hätte das Gebäude keine Zukunft.“ Diese ist nun gesichert.

Am 22. November unterzeichneten die Wüstenrot Stiftung, vertreten durch Prof. Dr. Wulf D. von Lucius, und die TU Berlin, vertreten durch den 1. Vizepräsidenten Prof. Dr.-Ing. Paul Uwe Thamsen, schließlich die Vereinbarung zur Sanierung und Ertüchtigung des denkmalgeschützten Umlauftanks 2 der TU Berlin, kurz „UT2“. Die TU Berlin verpflichtet sich darin, den Bau für die Forschung weiterhin zu nutzen.

In dem Gebäude wurden früher unter anderem Routinetests für den internationalen Schiffbau durchgeführt. Seit 1999 wird der Umlauftank für die universitäre Forschung benutzt. „Die wichtigsten Experimente, die hier derzeit durchgeführt werden, sind der Propulsions- und der Kavitationsversuch mit bis zu zehn Meter langen Schiffsmodellen“, erläutert Prof. Dr.-Ing. Andrés Cura Hochbaum, Leiter des Fachgebiets Dynamik Maritimer Systeme der TU Berlin. Sie finden auf der elf Meter langen und fünf Meter breiten Messstrecke innerhalb der blauen Box statt, wo eine von zwei 2700 PS starken Dieselmotoren angetriebene Pumpe die Wasserströmung auf eine Geschwindigkeit von zehn Metern pro Sekunde beschleunigen kann. So wird untersucht, ob Rumpf und Schiffsschraube optimal aufeinander abgestimmt sind, um so wenig wie möglich an Treibstoff zu verbrauchen. „Einzigartig sind aber vor allem die Kavitationsversuche“, so Cura Hochbaum. „Mit der ,Rosa Röhre‘ verfügen wir nämlich über den weltweit größten Kavitationstank, in dem auch große Schiffsmodelle mitsamt Propeller untersucht werden können.“ Dafür muss die Messstrecke hermetisch abgeschlossen werden. Bei Unterdruck wird dann untersucht, wie und ob entstehende Dampfbläschen auf den Propellerstahl „einhämmern“, was ihn auf lange Sicht beschädigen kann.

Doch für die Zukunft sieht Vizepräsident Paul Uwe Thamsen, selbst Spezialist für Pumpensysteme und Fluiddynamik, auch noch viele weitere Möglichkeiten: „Im Rahmen der Energiewende erfährt derzeit beispielsweise die Technik von Fluss- und Tidenturbinen eine Renaissance, auch Überflutungs-Szenarien bieten großes Forschungspotenzial. Wir erwarten auch Projekte zu Off-Shore-Strukturen, wie sie für Windenergieanlagen notwendig sind. Auch Versuche für den Wassersport sind denkbar, denn der Widerstand und die Stabilität von derartigen Wassersportgeräten spielen eine entscheidende Rolle für den Erfolg.“ Der TU Berlin biete die Unterstützung der Wüstenrot Stiftung eine große Chance, frei von kommerziellem Druck an der Lösung von aktuellen Herausforderungen der Strömungsforschung zu arbeiten.

Und noch eine Neuerung sei für die Zukunft angedacht, erläutert Paul Uwe Thamsen: „Auch ein Ideenlabor für gemeinsame Projekte zwischen Kunst und Technik von Forschenden der TU Berlin und der UdK Berlin, ein sogenanntes ,Hybrid Lab‘, soll künftig entstehen. Es fördert transdisziplinäre Projekte auf dem Campus Charlottenburg.“

Schubkarren und Baugerüste wird man in den nächsten Monaten allerdings noch nicht auf der Schleuseninsel sichten. Denn nun beginnt zunächst die Sanierungsplanung. Auf einen Fertigstellungstermin kann man sich daher noch nicht festlegen. Bis die „Rosa Röhre“ wieder so richtig „sexy“ ist, werden sicherlich noch rund zwei Jahre ins Land gehen.

Patricia Pätzold

Zusatzinformationen / Extras

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe

Diese Seite verwendet Matomo für anonymisierte Webanalysen. Mehr Informationen und Opt-Out-Möglichkeiten unter Datenschutz.