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TU Berlin

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Menschen

Helden und Märtyrer

Montag, 16. Dezember 2013

Jesús Casquete erforscht, wie Glorifizierung in totalitären Systemen als Mittel zur Mobilisierung der Massen benutzt wird

Jesús Casquete arbeitet und forscht derzeit im Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin
Lupe

„Jede Glorifizierung eines Menschen, der im Kriege getötet worden ist, bedeutet drei Tote im nächsten Krieg.“

Dieses Zitat von Kurt Tucholsky war für Prof. Dr. Jesús Casquete von der University of the Basque Country in Bilbao der Anstoß für seine aktuelle Forschungstätigkeit. „In totalitären Bewegungen ist die Glorifizierung des ,Helden‘ oder des ,Märtyrers‘ ein unverzichtbares Mittel zur emotionalen Mobilisierung der Massen“, sagt er. „Nicht nur in dieser Hinsicht wird die Figur des ,Märtyrers‘ für den Zweck der Machtergreifung funktionalisiert. Sie gibt auch das Vorbild für den ,neuen Menschen‘ ab, der in der Lage sein muss, sich ganz für die ,Nation‘, die ,Rasse‘ oder die ,Volksgemeinschaft‘ zu opfern.“

Ursprünglich kam Jesús Casquete aus dem Forschungsbereich „Soziale Bewegungen“ und arbeitete über deren allgemeine soziologische, politische und ethnologische Aspekte. Während eines früheren Forschungsaufenthaltes als Humboldt-Stipendiat am „Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung“ verlagerte sich sein Interesse mehr und mehr auf sein derzeitiges Forschungsprojekt, zu dem er aktuell als Gastforscher am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin (ZfA) arbeitet. Am paradigmatischen Beispiel der NS-Bewegung untersucht er strategische Methoden und Instrumente totalitärer Bewegungen zur emotionalen Mobilisierung der Bürger.

Das propagandistische Konstrukt des ,Märtyrers‘ war für die Nazis von großer Bedeutung. Wie alle totalitären Bewegungen glaubten diese nicht an das demokratische Prinzip der Gleichberechtigung aller Menschen. Ihrer Vorstellung nach existierten innerhalb einer Gesellschaft wertvollere und weniger wertvolle Menschen, ebenso wie es wertvollere und weniger wertvolle Völker und Rassen gäbe. Minderwertige Elemente der Gesellschaft mussten deshalb für das höchste Ziel, die „Volksgemeinschaft“, ausgesondert und am Ende gar vernichtet werden.

An der Spitze der hierarchisch strukturierten Gesellschaft stand der ,Märtyrer‘ als der Prototyp des idealen „Volksgenossen“. So wurden die von der Polizei getöteten Putschisten des Hitler-Ludendorff-Putsches von 1923 in München schon früh von den NS-Strategen als ,Blutzeugen‘ oder als ,Gefallene der Bewegung‘ glorifiziert. Hitler widmet ihnen sogar sein Buch „Mein Kampf“ und führte sie namentlich im Vorwort auf.

Professor Casquete beschäftigt sich in seiner Forschungsarbeit besonders mit zeitgenössischen Quellen. Zeitungen, Tagebücher, Biografien, Romane, Archivmaterialien und die Rhetorik von Rednern wie Goebbels und Hitler untersucht er auf Sprachschablonen und Deutungsmuster.

Christiane Petersen "TU intern" Dezember 2013

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