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TU Berlin

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Die Nacht der Zerstörung

Montag, 16. Dezember 2013

Im November vor 70 Jahren fielen Bomben auf die Hochschule – das TH-Hauptgebäude brannte total aus

Der Plan der Kriegsschäden zeigt, wo Luftminen trafen, Artillerietreffer oder Sprengbomben einschlugen, was abgebrannt ist.
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Die Nordfassade des Hauptgebäudes nach Abbruch des beschädigten Mittelrisalits (um 1950)
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„Das ist das zweite Karthago!“, schrieb Harry Hopkins, ein Vertrauter von US-Präsident Truman, als er am 25. 5. 1945 über das Berliner Trümmerfeld flog. Der II. Weltkrieg dauerte 2085 Tage. In dieser Zeit gab es in Berlin 389-mal Fliegeralarm, 143- mal Kurzalarm sowie 134 öffentliche Luftwarnungen.

Nicht jedem Alarm folgten die Bomber, manchmal drehten die Verbände ab. In der Nacht vom 7. auf den 8. Juni 1940 fielen die ersten französischen Bomben auf Berlin. 53 Bombenangriffe der Royal Air Force folgten vom 25. August 1940 bis zum 8. November 1941, wonach die Reichshauptstadt in einer 431 Tage dauernden trügerischen Ruhe verharrte. Doch am 16. Januar 1943 nahmen die Briten – stärker denn je – die Bombardements wieder auf. Luftmarschall Arthur Harris verkündete am 18. 11. 1943 die „Luftschlacht um Berlin“. Nun wandte sich das „Coventrieren“ europäischer Metropolen wie Warschau, Rotterdam, Coventry, London, Belgrad, Leningrad, wie es die Luftwaffe Görings praktizierte, gegen deutsche Städte. Das TH-Hauptgebäude traf es in der Nacht von 22. zum 23. November 1943. Es wurde fast vollständig zerstört. Zwar hatten bereits am 1. März 1943 einige Brandbomben am Ostflügel Schäden verursacht, doch in jener Novembernacht brannte das Haus total aus. Beschädigt, aber noch benutzbar blieben nach dieser Nacht zunächst Erweiterungsbau und Chemiegebäude zurück, die allerdings schwere Artillerie- und Brandschäden erlitten. Der Dachstuhl und die Holzbalkendecken im Hauptgebäude waren Opfer der Flammen geworden. Damit waren 13 000 Quadratmeter Dachfläche und der Dachstuhl vollständig zerstört.

Von der Gesamtdeckenfläche von rund 35 000 Quadratmetern waren etwa 23 500, also 67 Prozent, vernichtet. Die Treppen am Lichthof, im Ost- und im Westflügel waren jedoch unbeschädigt und noch begehbar. Wie durch ein Wunder blieb auch die Eisenkonstruktion der Lichthofkuppel heil, von der nur das Glas zersplitterte. Später, während der Kämpfe 1945, wurde dann die Nordfassade mit dem Eingangsrisalit durch sowjetische Artillerie schwer beschädigt. Auf der Länge der Nordfassade fehlte das oberste Stockwerk. Am Mittelbau waren die Außenwand der Aula und die Säulen des Balkons mit dem Hauptgesims total zerstört: Auch der hohe Arkadenaufbau war stark beschädigt. Zu den schwersten Schäden gehörte jedoch der Verlust fast der gesamten Bibliothek und großer Teile des Hochschularchivs. Neben der TH wurden in jener Nacht auch die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, das Kaufhaus des Westens, das Aquarium im Zoo und die Ingenieurschule Beuths zerstört.

Nach dem letzten Angriff am 21. April 1945 hatten die alliierten Bomberflotten etwa 100 000 Tonnen Bomben auf die deutsche Hauptstadt geworfen. Rund 49 000 Menschen fanden den Tod, 100 000 wurden verletzt. 11,3 Prozent der Gebäude waren total zerstört, weitere 8,2 Prozent so stark, dass sich der Wiederaufbau nicht lohnte – fast 48 000 Häuser, 50 Prozent der Wohnungen in Mitte und Tiergarten. Von 649 Schulgebäuden waren 149 völlig zerstört und 127 stark beschädigt. Nur 20 Kinos von ehemals 400 waren intakt. Außerdem hatte der Bombenkrieg „geografische“ Folgen: In der Nachkriegszeit entstanden die Trümmer- und Schuttberge in Friedrichshain und Humboldthain sowie der „Teufelsberg“, der mit einer Höhe von 115 Meter über N. N. der höchste war.

 

Buchtipp

Luftangriffe auf Berlin. Die Berichte der Hauptluftschutzstelle 1940–1945, herausgegeben von Laurenz Demps, Ch. Links Verlag, Berlin 2012. Schriftenreihe des Landesarchivs Berlin, herausgegeben von Uwe Schaper, Bd. 16. ISBN 978-3-86153-706-9

Hans Christian Förster "TU intern" Dezember 2013

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