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Menschen

„So eine Wandlung ist keine Ein-Mann-Show“

Freitag, 27. Juni 2014

Hans-Joachim Grallert hat das HHI zum Wirtschaftsbetrieb umgewandelt

Das 3-D-Cockpit, ein neuartiges Armaturenbrett mit 3-D-Display und Augen-Tracking, machte schon 2007 Furore
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Martin Schell
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„Weltrekord am Einsteinufer – Berliner Forscher können eine DVD in fünf Sekunden drahtlos übertragen“, „Aufbruch in die dritte Dimension“, „Live-Darstellung ersetzt 3-D-Brille und Datenhelm“ – das waren die Schlagzeilen 2005 und 2006, kurz nachdem Hans-Joachim Grallert die Leitung des Fraunhofer Heinrich-Hertz-Instituts für Nachrichtentechnik (HHI) übernommen hatte. Zu der Zeit kamen fast 60 Prozent des 22-Millionen-Euro-Haushalts aus öffentlichen Mitteln. Nun geht er, gleichzeitig TU-Professor für Nachrichtentechnik, in den Ruhestand und übergibt die Leitung des HHI mit einem Jahresbudget von 50 Millionen Euro, von dem die öffentliche Grundfinanzierung gerade mal 23 Prozent ausmacht.

Das Heinrich-Hertz-Institut für Nachrichtentechnik hat sich unter seiner Leitung von einem damals bereits weltweit renommierten wissenschaftlichen Institut zu einem international anerkannten, wirtschaftlich sehr erfolgreichen Institut der anwendungsorientierten Forschung entwickelt.

„Ich kannte das HHI bereits seit meinem Studium an der RWTH Aachen und meiner Promotion zum Thema Videocodierung“, erzählt Hans-Joachim Grallert, der nach 25 Jahren Industrieerfahrung, unter anderem als Forschungs- und Entwicklungsleiter bei Siemens, den Wandlungsprozess des Instituts mit einer gezielten Management-Strategie eingeleitet und durchgeführt hat. „Ein solcher ,Change-Prozess‘ ist natürlich keine Ein-Mann-Show. Wir mussten die Menschen mitnehmen auf dem Weg von der gelebten Kultur der wissenschaftlichen Exzellenz in einem quasi wettbewerbsfreien Umfeld hin zu einem profitabel und konkurrenzfähig arbeitenden Betrieb – ohne an Originalität und wissenschaftlicher Exzellenz einzubüßen.“

So begab sich das Fraunhofer HHI mit großen Industriepartnern wie Adidas, Nokia, BMW, Siemens und weiteren Unternehmen aus Telekommunikation und Medizintechnik auf die wissenschaftliche wie wirtschaftliche Überholspur: Die berührungslose Gestensteuerung im Operationssaal wurde entwickelt, das 3-D-Armaturenbrett, die Visible Light Communication, Innovationen in der optischen und ultraschnellen Glasfaser- und Datenübertragungstechnik. 2008 erhielten Wissenschaftler um Thomas Wiegand, der bereits seit dem Jahr 2000 zum HHI gehörte, den EMMY, einen Hollywood-Preis der Techniksparte für die Entwicklung des heute weltweit verwendeten und weiterentwickelten Videocodierstandards H 264/MPEG-4 AVC. In der Tat war die Filmbranche sehr interessiert an den Erfindungen aus dem Berliner HHI. 2012 waren sie nominiert für den Deutschen Zukunftspreis. 2011 erreichte die serielle Datenübertragung via Glasfaser eine Geschwindigkeit von 10,2 Terabit pro Sekunde – ein weiterer Rekord. „Mit diesen Entwicklungen haben wir nicht nur die Nachrichtenübertragung revolutioniert – sie ist heute auch Voraussetzung für das Funktionieren der meisten unserer Lebensbereiche. Überall werden riesige Datenmengen übertragen, auf die Computer an Arbeitsplätzen in allen Bereichen, auf die Fernseher, in Kinos, Handys und andere feste und mobile Empfangsgeräte“, erklärt Hans-Joachim Grallert, warum die Kommunikationstechnologie sich zu einer der wichtigsten Querschnittstechnologien entwickelt hat. „Es leben ganze Konzertsäle im Datennetz. Beispielsweise kooperieren wir mit den Berliner Philharmonikern zu 3-D-Experimenten in Bild und Ton. Inzwischen bieten sie die ,Digital Concert Hall‘ an, in der man große Konzerte live oder als Konserve hören und sehen kann.“ Nicht umsonst hält das Heinrich-Hertz-Institut mittlerweile mehr als 1000 Patente, Marken- und Gebrauchsmuster.

Doch als Professor ist Hans-Joachim Grallert vor allem auch die Nachwuchsförderung wichtig: „Wir vergeben Bachelor- oder Master-Arbeiten, wobei die Studierenden und jungen Forschenden sehr von unserer Ausstattung in der Messtechnik profitieren können, wie zum Beispiel unserer eigenen Mobilfunkzelle. Welche Hochschule hat so etwas? Oder auch die Indium-Phosphit-Linie zur Chipherstellung, deren Betrieb jährlich etliche Millionen kostet.“

Doch Hans-Joachim Grallert wird sich nicht sofort ins Privatleben zurückziehen. Noch zwei weitere Jahre wird er dem Heinrich-Hertz-Institut und auch der TU Berlin zur Verfügung stehen, Master-Arbeiten betreuen und beratend tätig sein. Sein Wunsch für die Zukunft des HHI: dass es ewig so erfolgreich und an der Spitze der technologischen Entwicklung bleibt wie derzeit.


Alte und Neue Leitung für das Heinrich-Hertz-Institut

Prof. Dr. Hans-Joachim Grallert leitete das HHI von 2005 bis 2014 und unterzog es in dieser Zeit einem grundlegenden Wandel, der Wissenschaft und Wirtschaftlichkeit erfolgreich vereinte.

Seit dem 1. Januar 2014 teilen sich nun zwei Direktoren die Leitung des Fraunhofer Heinrich-Hertz-Instituts. Beide haben gleichzeitig auch eine Professur an der TU Berlin inne. Sie wechseln sich alle zwei Jahre in der Position der Geschäftsführenden Leitung des HHI ab:

Prof. Dr. Martin Schell übernahm im Jahr 2005 im HHI die Abteilung Photonische Komponenten und leitet seit 2012 das TU-Fachgebiet Optische und Optoelektronische Integration am Institut für Festkörperphysik der Fakultät II Mathematik und Naturwissenschaften. Auch er ist schon lange mit der TU Berlin verbunden. Er promovierte 1993 bei Prof. Dr. Dieter Bimberg.

Prof. Dr.-Ing. Thomas Wiegand leitet die Abteilung Image Processing und vertritt gleichzeitig an der TU Berlin das Fachgebiet Bildkommunikation am Institut für Telekommunikationssysteme, Fakultät IV Elektrotechnik und Informatik. Er ist bereits seit dem Jahr 2000 Mitarbeiter des HHI. Die Idee dieser Doppelspitze ist es, jedem der wissenschaftlich sehr qualifizierten Direktoren die Möglichkeit zu geben, sich neben den anspruchsvollen Management-Aufgaben auch intensiv um seine Forschung kümmern zu können.

Patricia Pätzold "TU intern" Juni 2014

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