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TU Berlin

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Schnelle Hardware für Brustkrebsforschung

Interview mit TU-Professor Klaus-Robert Müller über die Facebook-Schenkung und über Befürchtungen der Einflussnahme auf die Forschung

Die Technische Universität Berlin (TU Berlin) wird als erste Universität von Facebook vier neue GPU-Hochleistungsserver für ihre Forschung bekommen. Dies verkündete Facebook-CEO Mark Zuckerberg während seines Berlinbesuches am 25. Februar 2016 in Anwesenheit von Peter Altmaier, Chef des Bundeskanzleramtes. Die Hardware wird künftig am Fachgebiet „Maschinelles Lernen“ bei Prof. Dr. Klaus-Robert Müller genutzt. Die Server haben Grafikprozessoren, die die Rechenleistung im Vergleich zu anderen nicht GPU-basierten Servern um das Zehnfache steigern. Peter Altmaier begrüßte es sehr, „dass von Facebook mit der Technischen Universität Berlin eine deutsche Forschungseinrichtung als erstes für eine Kooperation ausgewählt wurde. Dies ist ein Zeugnis für die Innovationskraft Deutschlands und die Exzellenz der deutschen Forscher und Entwickler“.

Wir befragten Prof. Dr. Klaus-Robert Müller zu der Schenkung, und ob Facebook Bedingungen an die Vergabe der Hardware an die TU Berlin knüpft.  

Prof. Müller, was bedeutet die neue Hardware für ihre Forschung?

Die neuen Server ermöglichen es uns, unsere Forschungszyklen zu beschleunigen und schneller bessere Forschungsergebnisse im Bereich künstlicher Intelligenz zu erzielen. Das ist wichtig, um an der Weltspitze auch weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben. Wir freuen uns daher sehr über dieses Geschenk.

Wann werden die Server aufgestellt und wann können die ersten Projekte beginnen?

Diese Fragen werden wir jetzt schnell klären. Wir haben auch schon in der Vergangenheit unsere Machine-Learning-Modelle auf GPUs gerechnet. Daher müssen wir uns nicht komplett umstellen, wir bekommen aber jetzt mit der neuen Hardware schneller unsere Ergebnisse. Außerdem hat uns die Firma Invidia, die auch die „facebook Big Sur Architektur“ mit GPUs ausgerüstet hat, ebenfalls GPU-Boards gespendet. Das Können, mit GPUs und hochverteilten Systemen umzugehen, ist heutzutage eine notwendige Fähigkeit, die wir an der TU Berlin und auch im Rahmen des Berliner Big Data Centers unseren Studierenden vermitteln.

Will Facebook eine Beteiligung an den Forschungsergebnissen? Welche konkrete Abmachung gibt es hier bezüglich Ihres Fachgebietes und Facebook? Sind Bedingungen an die Schenkung geknüpft? Befürchtungen diesbezüglich werden immer wieder geäußert.

Nein, es gibt keine Bedingungen, die Facebook an uns stellt. Sie werden nicht in die Antragsstellung von Forschungsprojekten involviert, noch bestimmen sie über die Veröffentlichung von Ergebnissen. Unsere Forschung bleibt frei. Die einzige Abmachung ist, wenn man das so umschreiben will, dass wir damit weiter tolle Forschung betreiben sollen. Insofern kann ich die Befürchtungen nicht teilen.

Werden auch andere Einrichtungen mit Ihrem Fachgebiet gemeinsam an der Hardware arbeiten?

Mein Fachgebiet an der TU Berlin hat langjährige Kooperationen mit der Charité-Universitätsmedizin Berlin, beispielsweise bei dem Projekt Brain-Computer Interface oder bei der Brustkrebsanalyse sowie mit dem Heinrich-Hertz-Institut über das Berliner Big Data Center und mit verschiedenen Max-Planck-Instituten in Berlin, Leipzig und Tübingen. Im Rahmen dieser konkreten Forschungsprojekte hoffen wir nun, weniger lange auf die Resultate warten zu müssen.

Bei welchen Forschungsthemen werden die Server eingesetzt?

Ich habe es schon angedeutet: Insbesondere bei der Erforschung zwei sehr komplexer und rechnerisch intensiver Lern-Probleme – der Bildauswertung für Brustkrebs sowie der chemischen Modellierung von Molekülen – wird uns die neue Hardware künftig enorm helfen.

Was war aus Ihrer Sicht ausschlaggebend, dass die TU Berlin diese Hochleistungsserver bekommen hat?

Meine Arbeitsgruppe und auch ich selbst arbeiten seit nunmehr 27 Jahren im Feld Maschinelles Lernen/künstliche Intelligenz. In dieser Zeit haben wir so manche wissenschaftliche Entwicklung dieses Gebietes vorgeschlagen oder zumindest mit geprägt. Es gibt ein großes wissenschaftliches Netzwerk. Yann LeCun, den Leiter der Facebook-Forschung in New York, kenne ich seit mehr als 22 Jahren persönlich. Eine unserer gemeinsamen Publikationen aus dem Jahre 1998 – also vor Facebook – ist hochzitiert. In den vergangenen Jahren habe ich mich wieder stärker den „deep neural networks“ gewidmet; von der TU Berlin kam das erste aktuelle Buch zu „deep neural networks“ im Jahr 2012. Diese langjährige Sichtbarkeit könnte ausschlaggebend gewesen sein. Vielleicht auch, dass sich mein Fachgebiet besonders mit der Anwendung des Maschinellen Lernens/künstliche Intelligenz in den Wissenschaften beschäftigt, so dass eventuelle Verquickungen mit den Unternehmenszielen von Facebook auszuschließen sind.

Das Interview führte Stefanie Terp, Pressesprecherin der TU Berlin

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