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TU Berlin

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Wissenschaft und Kunst

Gläserne Geschöpfe des Meeres

Freitag, 13. Juli 2012

Eine Ausstellung, Vorträge und Workshops präsentieren die Geschichte des Werkstoffs Glas in Wissenschaft und Kunst

Majestätisch gleitet sie durch die Meere, ihre langen bläulich-violetten Fangfäden hinter sich herziehend. Wer ihr zu nahe kommt, den lähmt sie durch ihr tödliches Nesselgift: Die Portugiesische Galeere, eine Art Riesenqualle, vor der man besser Reißaus nimmt, wenn man sie im Meer sichtet. Wer sie trotzdem einmal aus der Nähe betrachten will, sollte Mitte September in die TU Berlin kommen.

Bis ins Detail aus Glas nachgebildet: Tubularia indivia
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Rund 50 dieser filigranen Meeres- und Weichtiere, realistisch und wissenschaftlich korrekt durch geniale Glasbläserkunst nachgebildet, werden dort zu sehen sein: Sechs der kostbaren Glastiere aus dem Berliner Naturkundemuseum sowie die Sonderausstellung „Gläserne Geschöpfe des Meeres“, rund 40 großformatige und hinter Kristallglas gerahmte Fotografien der maritimen Lebensformen, die Leopold und Rudolf Blaschka auf eine bis heute unnachahmliche, faszinierende Weise zwischen 1863 und 1890 in Dresden hergestellt haben, kunstvoll in Szene gesetzt von den Fotokünstlern Hans-Jürgen und Heidi Koch. Auch einige auf Glas gedruckte Fotos der Pflanzenobjekte aus der gleichen meisterlichen Hand (siehe Info-Kasten), die sich heute in der Universität Harvard in den USA befinden, sind zu sehen. „Glas in Wissenschaft und Kunst“ heißt die Ausstellung in den beiden an den historischen Lichthof der TU Berlin angrenzenden Senatssälen, die den spektakulären Rahmen bildet für das Symposium mit Vorträgen und Workshops, mit dem der Verband Deutscher Glasbläser e.V. (VDG) sein 40-jähriges Bestehen begeht.

Der Schlangenkühler: Wärmetauscher für die Anwendung im Labor
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„Wir möchten die Einladung der TU Berlin, die uns diese repräsentativen Räume zur Verfügung stellt, dazu nutzen, öffentlich zu zeigen, wie vielfältig, wichtig und aktuell der Beruf des Glasapparatebauers heute ist“, sagt Norbert Zielinski, 1. stellvertretender Vorsitzender des VDG, Glasapparatebauer und Leiter der Glastechnischen Werkstatt im Institut für Physik der TU Berlin. „Ebenso wollen wir auf die Bedeutung verweisen, die Glastechnik in Wirtschaft und Wissenschaft hat. Deswegen gibt es neben den speziellen Fachbeiträgen auch zahlreiche Vorträge, die für die Öffentlichkeit interessant und kostenlos sind. Besonders empfehlenswert für Interessierte sind auch die parallel im Lichthof stattfindenden Workshops, bei denen man Glasbläser bei der Arbeit beobachten kann.“ Dazu gehören zum Beispiel die Herstellung von effektvollen gläsernen Hohlgefäßen, von einer Röntgenröhre, von gläsernen Laborartikeln, von kleinsten Glasobjekten oder die Mikroeinschmelzung von Glastieren, Dekoartikeln, aber auch medizinische Anwendungen wie die Herstellung von Glasaugenprothesen. In den Vorträgen wird der Werkstoff Glas in seiner ganzen Bandbreite vom historischen Werkstoff bis zum heutigen Hightech-Material vorgestellt, ebenso die Vereinigung von Wissenschaft und Kunst in den Blaschka-Meerestieren, die Dr. Sabine Hackethal vom Berliner Naturkundemuseum erläutert: „Die Modelle der Blaschkas versetzen Naturwissenschaftler bis heute in Erstaunen“, sagt sie. „Sie sind morphologisch fehlerfrei und halten wissenschaftlichen Betrachtungen bis ins Detail stand.“ Geschichtliches, wie die Erfindung der Thermosflasche durch den Berliner Reinhold Burger und die erste Serienfertigung der Röntgenröhre, ebenfalls in Berlin, wird präsentiert, aber auch moderne Wissenschaft: Prof. Dr. Stefan Eisebitt vom TU-Institut für Optik und Atomare Physik klärt über die optischen Eigenschaften von Glas auf, über Strahlung, Licht und die Untersuchung von Nanomaterialien per Röntgenstrahlen. Der Fotograf Tom Norberg verrät einige Tricks für strahlende Ergebnisse in der Glasfotografie, und es wird eine Sammlung, auch historische Stücke sind dabei, von Geissler-Röhren zur Untersuchung und Demonstration von Gasentladungen erläutert. Schließlich spielt auch Arbeitssicherheit eine Rolle, beispielsweise der Brandschutz in der Werkstatt oder der Umgang mit Chemikalien wie Flusssäure, worüber Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sicherheitstechnischen Dienstes der TU Berlin sowie der Betriebsarzt der Universität referieren. Weitere Wissenschaftler der TU Berlin geben Einblick in ihre Wissenschaft in der umfangreichen Ausstellung: Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Michael Kneissl vom Institut für Festkörperphysik stellt die Entwicklung der sogenannten Gasphasen–Epitaxie in der Halbleiterphysik vor, die Arbeitsgruppe Nichtlineare Optik und Laserphysik von Prof. Dr. Ulrike Woggon und Prof. Dr.-Ing. Joachim Eichler zeigt, wie und warum Glas mit einer großen Aufdampfanlage beschichtet wird und was es mit den Laserstrahlen auf sich hat. Laborglas aus der Chemie wird zu sehen sein, die technische Glasbearbeitung und – als besonderer Leckerbissen – ein Space-Shuttle-Fenster der US-Herstellerfirma Corning als Beispiel für Glasverwendung und -bearbeitung in der Luft- und Raumfahrt. Die Firma hat auch das sogenannte Gorilla-Glas erfunden, das mit den ersten iPhones 2007 auf den Markt kam.

Pelagia Noctiluca
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Daneben präsentieren sich mit Ständen und Vitrinen, sowohl im Lichthof als auch in den beiden Ausstellungssälen, der historische Glasverarbeitungsstandort Rathenow – er kann ebenfalls auf eine 200-jährige Geschichte zurückblicken und ist noch heute bekannt für seine optischen Geräte, innovative Glaswerkstoffe für Brillen und technisches Gerät –, das Museumsdorf Baruther Glashütte, ein Denkmal im Landkreis Teltow-Fläming/Brandenburg, das sich mit der Technikgeschichte des alten Glasmacher-Ortes beschäftigt, sowie die „Glasbrücke Berlin – Stiftung für europäische Glaskunst“.

„Wir hoffen, dass wir mit diesem Programm nicht nur die Wertschätzung des Publikums für den faszinierenden Werkstoff Glas gewinnen“, so Norbert Zielinski, „sondern auch das in der Öffentlichkeit wenig bekannte Berufsbild des Glasapparatebauers präsentieren können.“

Patricia Pätzold / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 7/2012

Geschichte und Hightech

Ausstellung: 15. 9. bis 3. 10. 2012, Mo–Fr, 10–18 Uhr, Raum H 1035/1036, Hauptgebäude, 1. Etage, Straße des 17. Juni 135, 10623 Berlin

Eröffnung durch TU-Präsident Prof. Dr.-Ing. Jörg Steinbach und die Lauschaer Glasprinzessin Laura Hein: 14. 9. 2012, 14.00 Uhr, TU-Hauptgebäude, Lichthof

Workshops: 14. und 15. 9., 10.00 bis 17.30 Uhr, Lichthof

Vorträge: 14. 9. zwischen 9.45 Uhr und 17.30 Uhr sowie 15. 9. von 9.00 bis 12.00 Uhr. Orte: Hörsäle H 104 (gegenüber Audimax), H 1058 (Konrad-Mellerowicz-Saal) und H 1012 (Horst-Wagon-Saal), TU-Hauptgebäude, Straße des 17. Juni 135, 10623 Berlin

Ausführliches Programm:
www.vdg-ev.org
www.physics.tu-berlin.de/home
www.glasbruecke.de

Glasprinzessin an der Uni

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Ein Highlight und etwas fürs Auge verspricht der Auftritt der Glasprinzessin Laura Hein aus dem thüringischen Lauscha, die mit gläserner Krone und filigran gefertigtem Glaszepter am 14. September um 14 Uhr die Ausstellung „Glas in Wissenschaft und Kunst“ im Lichthof der TU Berlin eröffnen wird. Die Lauschaer verstehen viel vom Kunstglasbläserhandwerk. Die Stadt ist nicht nur bekannt für den handgefertigten Christbaumschmuck, das lampengeblasene Glas, Hüttenglas und die Fertigung künstlicher (Menschen-)Augen aus Glas, sie ist auch das Zuhause einer besonders schönen Symbolfigur Thüringens: der Lauschaer Glasprinzessin, die seit 1992 gekürt wird. Die 18-jährige Laura, die in der Lauschaer Farbglashütte zur Einzelhandelskauffrau ausgebildet wird, übernahm im November 2011 das Amt der 16. Glasprinzessin, das durchaus verpflichtend ist: Rund 25 Veranstaltungen jährlich schmückt die „Hoheit“ deutschlandweit mit ihrer Anwesenheit.

pp / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 7/2012

Blaschkas Kunst für die Wissenschaft

Im Jahre 1853 unternahm der Goldschmied und Glasbläser Leopold Blaschka aus gesundheitlichen Gründen eine Seereise – und studierte dabei Meerestiere, die Seeleute aus dem Ozean fischten. Es war der Beginn einer heute weltberühmten Sammlung von filigran und realistisch gearbeiteten Tieren und Pflanzen aus Glas, deren Herstellungstechniken nach wie vor weitgehend unbekannt sind. In der böhmischen Region, aus der Familie Blaschka stammte, war das Arbeiten mit Glas und Edelsteinen eine jahrhundertealte Tradition. Leopold Blaschka hatte in seinem Handwerksbetrieb bislang den Lebensunterhalt mit Metall- und Edelsteinarbeiten sowie mit der Herstellung von Glasaugen verdient. Zusammen mit seinem Sohn Rudolf, der das Unternehmen bis 1939 weiterführte, machte er sich bald an die Nachbildung von Meerestieren und Pflanzen aus farbigem Glas. Sie benutzten winzige Werkzeuge zum Glätten und Ziselieren und entwickelten geniale Techniken zur Farb- und Oberflächengestaltung der Objekte. Mit ihren realistisch und perfekt hergestellten Objekten wurden die Blaschkas schließlich weltberühmt. Ihre Tiere und Pflanzen dienten als Anschauungsmaterial in Lehre und Forschung in 70 Ländern rund um den Globus. In Europa sind heute nur noch rund 50 von den 2500 zoologischen Exponaten vorhanden, etwa 30 davon im Berliner Naturkundemuseum. Eine Sammlung von 3000 Pflanzenobjekten besitzt die Harvard-Universität in den USA. Um 1890 hatte die Universität die naturgetreuen gläsernen Pflanzen für ihr neues Botanisches Museum in Auftrag gegeben. Ein Förderverein kümmert sich heute um Restaurierung und Erhaltung des ehemaligen Wohn- und Werkstatthauses der Blaschkas in Hosterwitz/Dresden.

www.blaschka-haus.de

pp / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 7/2012

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