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TU Berlin

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Es ist an der Zeit, die Bilder ernst zu nehmen

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Warum Arthur Langerman dem Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) seine einzigartige Sammlung antisemitischer visueller Artefakte zur wissenschaftlichen Auswertung zur Verfügung stellt

Herr Langerman, Sie haben die vermutlich weltgrößte Sammlung von judenfeindlichen Bildern und Zeichnungen zusammengetragen. Wann haben Sie mit dem Sammeln begonnen? Was war der Auslöser, was war Ihr Motiv?

Ich habe 1961, im Jahr des Eichmann-Prozesses, mit dem Sammeln begonnen. Der Prozess führte mir vor Augen, was meine Mutter mir nicht über die Konzentrationslager erzählt hatte. Ich fragte mich, was die Juden der Welt angetan hatten, dass sie so sehr gehasst wurden. Ich suchte nach Antworten und begann, Zeichnungen zu kaufen, die den Hass auf die Juden zeigten.

Welche Bedeutung hatten und haben diese Zeichnungen aus Ihrer Sicht?

Diese Bilder sandten eine Botschaft an die Bevölkerung. Eine Bevölkerung, die über viele Jahre mit solchen Bildern lebt, kann nur antisemitisch werden. In der heutigen Zeit haben die Bilder einerseits eine historische Relevanz. Gleichzeitig zeigen sie jedoch, dass der Hass auch heute noch nicht überwunden ist. Solche Bilder können nach wie vor Judenhass auslösen. Viele Jahre habe ich meine Sammlung in erster Linie für mich selbst betrieben. Angesichts des Wiederauflebens des Antisemitismus und angesichts meines Alters von 75 Jahren habe ich jedoch beschlossen, dass es an der Zeit ist, die Sammlung zu zeigen und sie für die Bildung der jüngeren Generationen zu nutzen, die wenig über das Thema wissen.

Ist es nicht schmerzlich, durch Ihre Sammlung immer wieder mit dem Antisemitismus konfrontiert zu werden?

Ich wurde seit meiner Kindheit mit Antisemitismus konfrontiert. Ich war im Alter von eineinhalb Jahren Gefangener der Gestapo. Das Leben mit meiner Sammlung hält mir die Realität vor Augen.   

Warum stellen Sie Ihre Sammlung dem Zentrum für Antisemitismusforschung zu Verfügung? Was erhoffen Sie sich davon und welche Absichten haben Sie für die Zukunft?

Das Zentrum für Antisemitismusforschung ist sehr spezialisiert und genießt hinsichtlich seiner Expertise mein vollstes Vertrauen. Ich erhoffe mir, dass es den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gelingt, meine Sammlung einer größeren Öffentlichkeit bekannt werden zu lassen und dass sie verstärkt wissenschaftlich erforscht wird. Zudem hoffe ich, dass mein Name schon bald mit dem ZfA assoziiert sein wird und dass wir gemeinsam eine neue Stiftung zur Erforschung des visuellen Antisemitismus ins Leben rufen werden. Derzeit werden Teile meiner Sammlung im Mémorial de Caen ausgestellt. Diese Ausstellung soll im Anschluss für einige Jahre als Wanderausstellung auf Reisen gehen, bis wir einen endgültigen Aufbewahrungs- und Ausstellungsort für die Sammlung gefunden haben.

Die Fragen stellte Sybille Nitsche.

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