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TU Berlin

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Wir trauern um Prof. Dr.-Ing. Werner Hegemann

Lupe

*24. August 1937

† 15. November 2013

 

Prof. Dr.-Ing. Werner Hegemann leitete von 1988 bis zu seiner Pensionierung 2002 das Fachgebiet "Siedlungswasserwirtschaft" am Institut für Technischen Umweltschutz der Technischen Universität Berlin.


Werner Hegemann wurde in einem Dorf in Niedersachsen geboren. Im Anschluss an sein Bauingenieursstudium an der TH Braunschweig begann er 1964 seine berufliche Laufbahn als Bauleiter beim Wupperverband. Er promovierte 1974 an der TU Braunschweig bei Prof. Rolf Kayser zum Thema „Ein Beitrag zur Anwendung von reinem Sauerstoff beim Belebungsverfahren“. Im selben Jahr folgte er seinem früheren Chef, Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Bischofsberger, an die Technische Universität München. Als Oberingenieur forschte er dort beispielsweise zur Erweiterung konventioneller Kläranlagen, er beschäftigte sich aber auch bereits verstärkt mit dem Einsatz naturnaher Abwasserreinigungsverfahren. 1977 übernahm Dr. Hegemann die Hauptschriftleitung des gwf – Wasser/Abwasser. Noch bis Ende 2007 hat er dort wissenschaftliches wie auch praxisnahes Fachwissen aus dem Bereich der Siedlungswasserwirtschaft nach außen getragen.


Er ließ sich mit seiner Familie in Andechs nieder, gründete Mitte der 80er Jahre zusammen mit den Grünen den Herrschinger Bauernmarkt, auf dem er regelmäßig an den Wochenenden der Sommermonaten selbst hergestellte Produkte wie seine überaus geschätzte Orangen-Marmelade verkaufte. Seiner Wahlheimat Oberbayern glich er sich auch äußerlich immer mehr an, wobei er die Trachtenjacke stets mit seinem Markenzeichen, der Fliege, verband.
Nachdem er 1988 das Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft an der Technischen Universität Berlin übernahm, pendelte er zwischen Berlin und Andechs -  das eine stand für seine Zuneigung zur  Wissenschaft, das andere für den Praxisbezug im Leben. Das ihm sehr am Herzen liegende Zusammenspiel von Mensch, Umwelt und Natur spiegelte sich auch in einem Forschungsprojekt wieder, an dem er nach seiner Ankunft in Berlin beteiligt war. Es war die Zeit der Internationalen Bauausstellung 1987, als das Integrierte Wasserkonzept im Block 6 in Berlin-Kreuzberg als Modellvorhaben des Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus aus der Taufe gehoben wurde. Es wurde zu verschiedenen Teilkonzepten des Ökologischen Bauens geforscht, das Augenmerk im Bereich Wasser lag bereits damals auf der Stoffstromtrennung und Wiederverwendung. Die an der TU München begonnene Forschung zu Pflanzenkläranlagen wurde in den 90er Jahren mit dem Bau zweier Pflanzenkläranlagen in  Brandenburg vertieft. Themen waren hier die Stickstoffelimination und die Kolmation im Filterbett. Zu den naturnahen Verfahren gehören auch die Abwasserteiche, die zunächst in Mecklenburg-Vorpommern, dann, als er bereits ausgeschieden war, in seinem letzten Projekt auch in der Türkei untersucht wurden.


Weitere Forschungsschwerpunkte waren die weitergehende Abwasserreinigung, der Abbau von Mikroschadstoffen wie chlororganischen Verbindungen und endokrin wirksamen Substanzen. Er war beteiligt am Sonderforschungsbereich 193 "Biologische Behandlung industrieller und gewerblicher Abwässer" und am interdisziplinären Forschungsprojekt IFP 6/21 „Mit Wind- und Solarenergie belüftete Klärteiche“. Seine Mitarbeiter konnten immer auf Unterstützung bei der Forschungsarbeit zählen. Und stets waren Studierende in großen Mengen involviert, wie die große Anzahl an Projekten, Studien- und Diplomarbeiten zeigen. Aber nicht nur die waren Bestandteil eines weiteren Markenzeichens, des turmartigen Papierstapels auf seinem Schreibtisch, in dem er ohne Mühe die jeweils benötigten Materialien fand. Darunter befand sich neben Unterlagen zu diversen Vorträgen im In- und Ausland auch Ausgearbeitetes für seine Mitarbeit in den zahlreichen nationalen und internationalen Fachgremien. Prof. Hegemann war 25 Jahre Obmann des DWA-Fachausschusses KA 8 - Weitergehende Abwasserreinigung -, langjähriges Mitglied des Fachausschusses KA 13 - Automation auf Kläranlagen - und der Arbeitsgruppe Pflanzenkläranlagen im KA 10. Im Rahmen der Europäischen Normung war er Obmann der Working Group 43 „Allgemeine Grundlagen und besondere Verfahren der Abwasserreinigung“ im CEN TC 165. Zu seiner Pensionierung hin wurde er im 2001 gegründeten Deutschen Expertenrat für Umwelttechnologie und Infrastruktur e.V. (dex) als Vorsitzender gewählt. Darüber hinaus betreute er als wissenschaftlicher Leiter bis 2007 ein Forschungsprojekt über dezentrale Abwasseraufbereitung und -wiederverwendung im ariden Raum – ein Zeichen seines tiefen Engagements gegen die weltweit oft katastrophalen sanitären Zustände. Mit Abschluss des Projektes stellte er nach und nach seine wasserfachlichen Aktivitäten ein und lebte ausschließlich als Landwirt. Er war seinen bis zu 40 Fuchsschafen ein leidenschaftlicher Schafbauer, er baute Getreide und Gemüse an, kochte Orangen-Marmelade, brannte Schnaps und verkaufte nach wie vor auf dem Herrschinger Bauernmarkt.


Wir verlieren nicht nur einen engagierten und geschätzten Hochschullehrer, sondern auch ein Original, der Wissenschaft und Praxis zusammengeführt und Problemen Lösungen gegenüber gestellt hat – immer auf seine ihm eigene unaufgeregte, pragmatische Herangehensweise. Einer wie er wird fehlen.

Die Technische Universität Berlin wird sein Andenken in Ehren halten.  

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