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TU Berlin

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Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ)

Zum 1.Juni 2020 nahm das Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) die Arbeit an seinen bundesweit elf Standorten auf. Das ZfA ist Teil dieses gemeinsamen Projekts.

Das interdisziplinär besetzte FGZ-Team des Zentrums für Antisemitismusforschung fragt in seinen Forschungsprojekten nach den Dynamiken von Ein- und Ausschluss, befasst sich aber auch mit pluralistischen Zusammenhaltskonzepten, die gerade von marginalisierten Gruppen formuliert wurden und werden. Im Mittelpunkt stehen die Geschichte und Gegenwart von Antisemitismus und Rassismus sowie die Perspektiven der Betroffenen.

Die Geschichte des Antisemitismus eignet sich in besonderer Weise, die Ambivalenzen und Gefahren von Zusammenhaltsvorstellungen zu untersuchen. Denn der Ausschluss von Jüdinnen und Juden diente stets auch der Herstellung eines vermeintlich homogenen Kollektivs, das als religiöse oder völkische Gemeinschaft definiert wurde. Gleichzeitig wurden gerade in Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus pluralistische Vorstellungen von Zusammenhalt in der modernen Gesellschaft entwickelt, die bis heute aktuell sind.

Ausgehend von diesen grundlegenden Einsichten will sich das ZfA in die Arbeit des FGZ einbringen. Dabei sind eigene Forschungsprojekte in den Forschungsfeldern Inklusion-Exklusion-Populismus, Erinnerungskulturen, Demokratie und Öffentlichkeit, Medien und Kommunikation, Arbeit und Pluralität geplant. Forschungsleitende Fragestellungen sind unter anderem: Wie muss Integration gestaltet werden, um politisch-demokratische Aushandlungsprozesse auch im Spannungsfeld von kultureller Eigenheit und staatsbürgerlicher Gleichheit zu ermöglichen? Inwiefern tragen Erinnerung und die Anerkennung biographischer Erzählungen zum gesellschaftlichen Zusammenhalt oder zu seiner Gefährdung bei? Wie wirken sich soziale Ungleichheit, Krisenhaftigkeit und Konkurrenzprinzip auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Wiederaufstieg ausschließender Ideologien aus? Wie lässt sich Antisemitismus in der postmigrantischen Gesellschaft vor dem Hintergrund seiner Beziehungen zu rassistischen Ausgrenzungsnarrativen untersuchen und bekämpfen? Wie wirkt sich die Geschichte des Rassismus in DDR und BRD auf die gegenwärtige Gesellschaft und ihren Zusammenhalt aus? Welche Effekte haben Religion und religiöse Konflikte auf gesellschaftlichen Zusammenhalt? Welche kritischen und edukativen Potentiale kann eine in jüdischen Bild- und Sprachtheorien, ethisch-ästhetischen Verflechtungen und historisch-lebensweltlichen Erfahrungen wurzelnde philosophische Sicht auf die zunehmende Dominanz digitaler Bilder entwickeln?

Webseite: www.fgz-risc.de

Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Das Team:

Schüler-Springorum, Prof. Dr. Stefanie

Sprecherin des Berliner Teilinstituts des FGZ

Forschungsprojekt "Zur Rolle von Religion in historischen und aktuellen Analysen von gesellschaftlichem Zusammenhalt"

Axster, Dr. Felix

Koordinator des Berliner Teilinstituts des FGZ

Forschungsprojekt "Zusammenhalt und Ressentiment in Krisenzeiten: Erinnerungen an die Wende- und Nachwende-Zeit im Ost-West-Vergleich"

Berek, Dr. habil. Mathias

Koordinator des Berliner Teilinstituts des FGZ

Forschungsprojekt "Zusammenhalt und Ressentiment in Krisenzeiten: Erinnerungen an die Wende- und Nachwende-Zeit im Ost-West-Vergleich"

Transferprojekt "Zusammenhalt erzählen: Solidarität, Konflikt und Krise in Erinnerungen an die Nachwendezeit"

Alexopoulou, Dr. Maria

Forschungsprojekt "Rassismus seit 1945 und die Transformation Deutschlands zur Einwanderungsgesellschaft: BRD, DDR und die Bundesrepublik Deutschland (1945–1999)"

Arnold, Dr. Sina

Forschungsprojekt "Zwischen Antisemitismus, Rassismus und Flucht: Multiperspektivische Zugänge zu Juden / Judentum, Nahostkonflikt und Holocaust(erinnerung) in der post-migrantischen Gesellschaft"

Kupferberg, Dr. Yael

Forschungsprojekt "Das Bild in der digitalen Öffentlichkeit: Erfahrungs- und Beziehungsverluste in sprachloser Vergemeinschaftung"

Amedegnato, Berryl

Studentische Mitarbeiterin

Gäbelein, Tanja

Studentische Mitarbeiterin

Wilson, Joseph

Studentischer Mitarbeiter

Yacine, Mira

Studentische Mitarbeiterin

Die Projekte im Einzelnen:

Zusammenhalt und Ressentiment in Krisenzeiten: Erinnerungen an die Wende- und Nachwende-Zeit im Ost-West-Vergleich

Biographische Erzählungen über die Wende- und Nachwendezeit stehen in einem Spannungsfeld zwischen Erfahrungen von Selbstermächtigung und erfolgreichem Kampf um die Gestaltung der Gesellschaft, Erlebnissen von Entsolidarisierung und Hilflosigkeit gegenüber oft selbstgewählten Mächten sowie enthemmtem Nationalismus und Rassismus.

Das Forschungsprojekt baut in Verbindung mit dem Transferprojekt „Zusammenhalt erzählen“ auf in Interviews erhobenen Umbruchserinnerungen auf. Sie sollen auf Zusammenhaltsvorstellungen sowie auf die Beziehung zwischen Krisenerfahrung und Entstehung von Ressentiments hin untersucht werden: Welche Narrative von Zusammenhalt oder dessen Erosion bestimmen die Erinnerung an Wende- und Nachwendezeit? Welche Formen der In- und Exklusionen zeichnen sich in diesen Narrativen ab? Die Anlage als Ost-West-Vergleich soll dabei Gemeinsamkeiten und Unterschiede der jeweiligen Perspektiven sichtbar machen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf jüdischen, migrantischen, PoC- und linken/alternativen Perspektiven.

Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts liegt auf der konkreten Untersuchung eines Fallbeispiels. Ausgehend von den Auseinandersetzungen um die Privatisierung und Schließung des Kaliwerks Bischofferode 1993 werden beispielhaft die Dynamiken der Wende- und Postwendezeit rekonstruiert und die Frage nach deren Langzeitwirkungen aufgeworfen: Welchen Bezug zur Gegenwart stellen die Erinnernden her, wenn sie heute über die Umbrüche und (Arbeits-)Kämpfe der Wende- und Postwendezeit sprechen? Wie verorten sich die Akteur*innen von damals im heutigen Deutschland beziehungsweise in der globalisierten Welt?

Verantwortlich für das Projekt sind Dr. Felix Axster, Dr. habil. Mathias Berek.

Zwischen Antisemitismus, Rassismus und Flucht: Multiperspektivische Zugänge zu Juden / Judentum, Nahostkonflikt und Holocaust(erinnerung) in der post-migrantischen Gesellschaft

Das Projekt analysiert Einstellungen zu den Themenkomplexen Juden / Judentum, Holocaust, Nahostkonflikt und Antisemitismus bei verschiedenen Akteur*innen der deutschen Gesellschaft. Es fragt nach ihren Ursachen angesichts unterschiedlicher Erfahrungen und legt einen Schwerpunkt auf verschränkte Perspektiven. Die Sichtweisen von „neuen“ (Geflüchteten) und „alten“ Einwander*innen sollen empirisch untersucht werden. Ziel des Vorhabens ist es, jenseits einer „Opferkonkurrenz“ Aushandlungs- und Lernprozesse sichtbar zu machen, die die Gemeinsamkeit von Erfahrungen  –  beispielsweise von Flucht, Vertreibung oder Rassismus  – Normen und Erinnerungen betonen. Damit soll eine Grundlage für multidirektionale Erinnerungskulturen sowie für Präventionsmaßnahmen gegen Antisemitismus / Rassismus geschaffen werden.

Folgende Fragestellungen stehen im Mittelpunkt:

1. Was sind die Ursachen von antisemitischen und anti-antisemitischen Einstellungen bei Geflüchteten und anderen Migrant*innen – sowohl im Herkunftsland als auch in Deutschland? Welche Rolle spielen Flucht- und Rassismuserfahrungen? Welche Rolle spielt die Konfrontation mit Debatten in Deutschland? 2. Wie können die Erfahrungen, die Einwanderer*innen und ihre Nachkommen mit Diskriminierung gemacht haben, zu Sensibilisierung gegenüber historischem wie aktuellem Antisemitismus beitragen? Wie wird umgekehrt Antisemitismus bewertet und gesellschaftlich eingeordnet angesichts eigener Minderheitserfahrungen? 3. Wie können Erinnerungen an unterschiedliche gesellschaftliche Ereignisse jenseits einer Konkurrenzlogik miteinander verknüpft werden? Und wie kann aus dieser historischen Pluralität ein postmigrantisches, diversitätsorientiertes Gegenwartsverständnis erlangt werden, welches Erinnerungspolitiken wie Selbstwahrnehmungen der Mehrheitsgesellschaft verändert?

Verantwortlich für das Projekt ist Dr. Sina Arnold.

Zur Rolle von Religion in historischen und aktuellen Analysen von gesellschaftlichem Zusammenhalt

Wie die Beschneidungsdebatte des Jahres 2012 gezeigt hat, können säkulare Argumentationsmuster durchaus dazu dienen, tiefsitzende religiöse Ressentiments zu camouflieren. Bei der Pegida-Bewegung wiederum lässt sich ein verwandtes Phänomen der Camouflage beobachten, allerdings nun mit Bezug auf religiöse Argumentationsmuster und gewissermaßen „von unten“: Ausgerechnet in einer der wohl säkularsten Regionen Europas, der ehemaligen DDR, rekurriert eine Protestbewegung auf den zutiefst christlichen Topos des „Abendlands“, nun neu formiert als „christlich-jüdisch“, um die Ausgrenzung der dritten großen monotheistischen Religion Europas, des Islam, vorgeblich historisch zu begründen. All diese Konfliktfelder belegen einmal mehr, dass eine zumindest nominelle Ablehnung des Antisemitismus zwar mittlerweile Grundbedingung für die Zugehörigkeit zur deutschen Gesellschaft geworden ist, um den Preis allerdings eines nicht unbeträchtlichen Instrumentalisierungspotenzials für neue, nun anti-muslimische Ausgrenzungen.

Das Forschungsprojekt strebt eine Bestandsaufnahme gegenwärtiger Debatten um gesellschaftlichen Zusammenhalt und seiner vermeintlichen Bedrohtheit an und fokussiert dabei auf religiöse Aspekte und Fragestellungen (Beschneidungs- und Kopftuchdebatte, Islam-Konferenz, Pegida-Bewegung, Genese des Topos „christlich-jüdisches Abendland“ etc.). Insbesondere geht es um eine Historisierung dieser Debatten beziehungsweise um einen Vergleich mit ähnlich gelagerten Auseinandersetzungen über das Verhältnis zwischen Staat und Religion im 19. Jahrhundert, die mit Blick vor allem auf das Judentum geführt wurden. Das Ziel ist, zu einem besseren Verständnis der spezifischen Dynamiken und Problemkonstellationen von Debatten über Säkularismus, Religion und Migration beizutragen.

Verantwortlich für das Projekt ist Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum.

Rassismus seit 1945 und die Transformation Deutschlands zur Einwanderungsgesellschaft: BRD, DDR und die Bundesrepublik Deutschland (1945–1999)

Trotz der unübersehbar rassistischen deutschen Politik besonders gegenüber Ost- und Südosteuropa und vor allem während des Zweiten Weltkriegs, der Millionen von Menschen zum Opfer fielen, ist das Thema „Rassismus“ in der deutschen Zeitgeschichtsschreibung ein blinder Fleck geblieben, woraus sich erstaunlicherweise zugleich die Vorstellung entwickelt zu haben scheint, dieser wäre nach 1945 – im Gegensatz zum Antisemitismus – plötzlich verschwunden. Konzepte wie Ausländer*innenInnenfeindlichkeit oder Fremdenhass, die institutionelle und strukturelle Aspekte kaum adressieren, bedienen lediglich die Vorstellung anthropologischer Konstanten. Zudem reproduzieren sie die fragwürdige Entgegensetzung von „Wir“ und die „Anderen“ in einer gleich nach Kriegsende von verschiedenen Migrationsströmen geprägten Gesellschaft. Inwiefern haben diese Begrifflichkeiten die Einsicht in die Bedeutung des Rassismus als Modus der Vergesellschaftung in Deutschland auch nach 1945 verstellt? Welche gesellschaftlichen Gruppen waren wann und in welcher Weise von Rassismus betroffen? Wie wurden rassistische Wissensformationen nach der „Stunde null“ transferiert, reproduziert und transformiert? Welche Konjunkturen des Rassismus und Antirassismus zeichnen sich ab?

Gerade die Zusammenschau von BRD und DDR kann die Bedeutung von institutionellen, strukturellen, diskursiven und ideologischen Unterschieden der zwei Regime auf die Prävalenz von Rassismus und rassistischem Wissen eruieren. Zudem ermöglicht die Zusammenschau einen Einblick sowohl in die unterschiedliche Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen und kolonialen Vergangenheit in beiden deutschen Staaten als auch in die Verflechtungsgeschichte der beiden Gesellschaften in Hinblick auf das dort jeweils konstruierte „Migrationsandere“.

Verantwortlich für das Projekt ist Dr. Maria Alexopoulou.

Das Bild in der digitalen Öffentlichkeit: Erfahrungs- und Beziehungsverluste in sprachloser Vergemeinschaftung

Das Forschungsvorhaben, das explizit aus einer jüdischen Perspektive argumentiert, geht von der Beobachtung aus, dass das Bild das Wort als Medium der Vermittlung von Emotionen, Wissen und Erfahrung verdrängt. In der alltäglichen Kommunikation wird das Bild zunehmend zum Leitmedium, als schnelleres und leichter konsumierbares Medium selbstverständlich verwendet. Diese Verschiebung zeigt individuelle sowie gesellschaftliche Konsequenzen, so die Hypothese des Projekts.

Mit der Verdrängung des differenzierten Wortes durch das (digitale) stereotype Bild wird der Mensch sich selbst fremd: Das Bild als Medium der Weltaneignung fördert eine Beziehungslosigkeit, die nicht den Zusammenhalt einer ausdifferenzierten, heterogenen Gesellschaft unterstützt, sondern vielmehr homogene Gemeinschaften popularisiert. Diese Hypothese basiert auf Erkenntnissen insbesondere der jüdischen Geschichte beziehungsweise der Antisemitismusforschung: Die formgebende Gattung „Bild“ neigt dazu, gesellschaftliche Komplexität und soziale Erfahrung zu schematisieren und unterkomplex zu reproduzieren. Das Bild als Massenmedium der Kommunikation, als dominantes Mittel von Darstellung der Wirklichkeit – so die Hypothese – fördert maßgeblich Populismus und Antisemitismus als kognitiven Habitus. Es ist zu untersuchen, wie und ob die stereotype, bildhafte Aneignung von Welt die essentielle Erfahrung von individueller Wirksamkeit mindert und stattdessen Ressentiments, Ideologien und Hass mobilisiert.

Die Frage nach dem gesellschaftlichen Zusammenhalt impliziert die Frage, mit welchen ästhetischen Mitteln dieser hergestellt wird und wie dieser tatsächlich auch durch eine spezifische Medialität geformt wird. Die Annahme, dass ästhetische Erfahrung und soziales Verhalten korrelieren, liegt dem Forschungsvorhaben zu Grunde.

Verantwortlich für das Projekt ist Dr. Yael Kupferberg.

Zusammenhalt erzählen: Solidarität, Konflikt und Krise in Erinnerungen an die Nachwendezeit (Transferprojekt)

Das Projekt besteht aus einer als praktische Intervention angelegten biographischen Befragung zur Wende- und Nachwendezeit. Wichtigstes Ziel dieser Intervention ist es, bisher in öffentlichen Diskursen kaum beachteten und erforschten biographischen Erzählungen Raum zu bieten. Erhoben werden leitfadengestützte, narrative, autobiographische Interviews und zu autobiographischem Erzählen anregende Gruppendiskussionen. Bei der Auswahl der Gesprächspartner*innenInnen sollen gezielt auch migrantische, jüdische und nicht-rechte Perspektiven eingebunden werden. Die Erzählungen werden zum Teil des gemeinsam mit dem Standort Konstanz aufzubauenden Web-Portals „Zusammenhalt erzählen – Geschichten von Solidarität, Konflikt und Krise“.

Das Portal richtet sich an ein breites Publikum und soll leicht zugänglich, aber auch strukturiert und verschlagwortet sein. Aus der wissenschaftlichen Auswertung werden in regelmäßigen Abständen allgemein verständliche Kurz-Essays in das Web-Portal einfließen, die den Dialog zwischen Praxis und Wissenschaft stärken und die forschende Reflexion breit zugänglich machen sollen.

Verantwortlich für das Projekt ist Dr. habil. Mathias Berek.

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