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TU Berlin

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Forschungsverbund Hate Pictures - Bildpraktiken und aversive Emotionen in der visuellen Kultur des Politischen

Der Forschungsverbund Hate Pictures wurde 2014 von einer Gruppe, bestehend aus vier Historikerinnen und Historikern und einer Kultur- und Medienwissenschaftlerin in Berlin gegründet. Aus den Blickwinkeln der Antisemitismus-, NS-, Bild- und Emotionsforschung werden „Hate Pictures“ vom 19. bis ins 21. Jahrhundert untersucht. Darunter verstehen wir unbewegte, populäre Bilder wie Fotografien, Karikaturen, Plakate oder Gemälde, die Verneinungsgefühle wie Hass, Angst, Wut oder Ekel mobilisieren können. Das Aufkommen der modernen Massenmedien wurde besonders durch die Produktion, Zirkulation und Rezeption visueller Artefakte geprägt. Dabei beruhte die enorme Bedeutung von Bildern u.a. darauf, dass sie die Gefühlswelten in europäischen Gesellschaften maßgeblich beeinflussen konnten. Dies galt insbesondere auch bei der Bildung und Abgrenzung von nationalen, religiösen oder sozialen Gruppen. Eine moderne Kulturgeschichte des Politischen muss daher über bisherige Ansätze der Propaganda- und Vorurteilsforschung hinausgehen und dem Verhältnis von Visualität und Emotionalität eine größere Bedeutung beimessen.

Hate Pictures versteht sich als interdisziplinäres Forschungsnetzwerk und verfolgt das Ziel, zwei bedeutende und wachsende Forschungskontexte – die historische Bildforschung und die Emotionsgeschichte – zusammenzuführen und eine visuelle Emotionsgeschichte zu begründen. Die übergeordnete Forschungsfrage zielt auf den Zusammenhang von bildlichen Darstellungen und Genese und Entwicklung von kollektiven wie individuellen aversiven Emotionen ab. Obgleich dem Antisemitismus dabei eine zentrale Rolle als Forschungsgegenstand zukommt, werden bewusst auch andere Bildbestände und Diskriminierungsformen mit einbezogen. Das erklärte Ziel unseres Verbunds ist es, eine methodisch-theoretische Erweiterung und Neuausrichtung der bestehenden Forschungsansätze zur Rolle von Bildern für Stereotypisierungs-, Vorurteilsbildungs- und Diskriminierungsprozesse zu liefern. Eine visuelle Emotions­geschichte kann in diesem Kontext dazu beitragen, die Defizite der politikgeschichtlichen Bildforschung zu überwinden, welche sich an einem Propaganda-Paradigma orientiert und die Effektivität von Bildern für den Gefühlshaushalt politischer Gruppen oftmals eher gesetzt als analysiert hat.

Unser Verbund arbeitet interdisziplinär, transmedial und transnational-vergleichend. Konkret untersucht werden erstens Bild- und Emotionspraktiken sowie die kollektiven und staatlichen Praktiken, welche die Produktion, Steuerung und Zirkulation von „Hate Pictures“ bedingen. Zweitens wird gefragt, in welche Diskurse über Visualität und Emotionalität die spezifischen Bilder eingebunden sind und wie sich ihre Aneignung durch verschiedene gesellschaftliche Gruppen oder Individuen gestaltet. Dabei wird besonderer Wert auf die Untersuchung potenzieller Bildwanderungen und emotionsgeschichtlich relevanter Anpassungen an andere regionale, nationale, historische, kulturelle, politische und gesellschaftliche Kontexte gelegt. Schließlich werden drittens die beteiligten emotionalen Rezeptions-, Synchronisierungs- und Reaktionsmuster analysiert.  

Zur Umsetzung dieser Ziele operiert der Forschungsverbund auf verschiedenen Ebenen. Erstens wird die konzeptionelle, theoretisch-fundierende und koordinierende Arbeit des Verbunds in regelmäßigen Treffen vorangetrieben. Zweitens verfolgen die Mitglieder jeweils eigenständige, unter der übergreifenden Fragestellung von Hate Pictures firmierende Forschungsprojekte. Drittens wird an unterschiedlichen Universitäten eine Reihe von assoziierten Forschungsprojekten umgesetzt, die sich eigenständig der konkreten inhaltlichen Vertiefung spezifischer Themenbereiche von Hate Pictures widmen, dabei zugleich jedoch dem Forschungsverbund angehören und dessen Erkenntnisse mehren. Parallel dazu ist Hate Pictures darum bemüht, neue oder bislang wenig beachtete Quellenbestände zu erschließen und für die Forschung zugänglich zu machen. So kann dank einer Kooperationsvereinbarung zwischen dem Zentrum für Antisemitismus­forschung und dem belgischen Holocaustüberlebenden und Sammler Arthur Langerman auf einen der weltweit größten und wichtigsten Bestände antisemitischer Bilder als Quellenbasis und Forschungsgrundlage zugegriffen werden.

 

Eine Reihe von interdisziplinären Workshops ist in Planung. Nähere Informationen folgen.

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