TU Berlin

Zentrum für AntisemitismusforschungQuellenbasis und Forschungsgrundlage - Die Sammlung Langerman

Inhalt des Dokuments

zur Navigation

Quellenbasis und Forschungsgrundlage - Die Sammlung Langerman

Als Resultat einer 2017 geschlossenen Kooperationsvereinbarung mit dem Sammler Arthur Langerman steht dem Zentrum für Antisemitismusforschung eine weltweit einzigartige Sammlung antisemitischer Zeichnungen und grafischer Propagandamachwerke als Quellenbasis und Forschungsgrundlage zur Verfügung. Die Sammlung Langerman bildet einen Untersuchungsschwerpunkt des Forschungsverbunds Hate Pictures und soll Gegenstand von Dissertationen, Forschungsprojekten und Lehrveranstaltungen sein. Darüber hinaus wird sie künftig sowohl den Studierenden als auch der internationalen Forschung und Bildungsarbeit dauerhaft zugänglich und nutzbar gemacht, indem am ZfA eine digitale Zugriffsmöglichkeit erstellt wird.

Die Sammlung Langerman ist ein illustriertes Archiv der Geschichte der Judenfeindschaft. Bestehend aus nahezu 8000 Einzelstücken, darunter über 5000 Postkarten, über Tausend handgezeichnete Skizzen, mehrere Hundert Plakate sowie zahllose Druckwerke und Gemälde, zeichnet sie sich nicht nur durch ihren schieren Umfang, sondern insbesondere auch durch ihre historische und regionale Vielfalt aus. Die Sammlung beinhaltet u.a.:

  • Ölgemälde aus dem 17. und 18. Jahrhundert aus Großbritannien, Österreich und Deutschland, die Ritualmordszenen oder „schachernde Juden“ darstellen,
  • Druckwerke, die die Geburtsstunde des modernen Antisemitismus in Deutschland bebildern,
  • illustrierte Zeitschriften, Flugblätter und Plakate, die Alfred Dreyfus und die Juden Frankreichs diffamieren,
  • tausende Postkarten aus West- und Osteuropa des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, deren Motive Juden verspotten, verhöhnen, beleidigen und beschimpfen,
  • illustrierte Flugschriften verschiedener völkischer und nationalistischer Gruppierungen,
  • Kinderbücher, die zum Erkennen vermeintlicher körperlicher Besonderheiten und zum Hass auf Juden erziehen,
  • Plakate, illustrierte Schriften und Druckwerke unterschiedlicher Propagandakampagnen aus dem nationalsozialistischen Deutschland,
  • Plakate kollaborierender oder sympathisierender Antisemiten aus Belgien und Frankreich, aus den Niederlanden, Polen, Tschechien, Ungarn, Russland, Großbritannien und den USA,
  • antizionistische und antisemitische Plakate aus dem Iran und verschiedenen arabischen Staaten.

Juden werden in diesen verschiedenen Medien dargestellt als bettelarme Lumpenhändler, als bolschewistische Agenten und Verschwörer, als kapitalistische Bonzen und Drahtzieher, als lüsterne und entmenschlichte Kinder- und Frauenschänder, als zähnefletschende Monster, als Ungeziefer und Krankheitserreger. In den Motiven finden sich Beispiele des christlichen Antijudaismus, der kulturell und sozial begründeten Judenfeindschaft, des modernen, politisch oder biologistisch argumentierenden Antisemitismus, des Rasse-Antisemitismus, des nationalsozialistischen Erlösungs- und Vernichtungsantisemitismus sowie des antizionistisch argumentierenden Antisemitismus. Die Sammlung macht das visuelle Repertoire der Judenfeindschaft in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit, Boshaftigkeit und Konsequenz sichtbar.

Ohne Zweifel stellt die Sammlung Langerman, deren Bestandteile der Forschung teilweise bislang völlig unbekannt sind, einen Quellenfundus von einzigartigem Potenzial für die Geschichtswissenschaft im Allgemeinen und für die Antisemitismusforschung im Besonderen dar.

Für den Forschungsverbund Hate Pictures und die assoziierten Forschungsprojekte am Zentrum für Antisemitismusforschung liefert die Sammlung Anknüpfungspunkte für zahlreiche Forschungsansätze. Denn während viele Archive und Bibliotheken vereinzelte illustrierte judenfeindliche Propagandamachwerke als Teile von großen und gemischten Beständen besitzen, ermöglicht die Sammlung Langerman gerade durch ihre thematische und materielle Konsistenz sowie ihre regionale und historische Breite ideale Voraussetzungen für vergleichend arbeitende Studien hinsichtlich Zirkulation, Bildwanderungen und Motivgeschichte antisemitischer Darstellungen. Zudem liegen innerhalb der Sammlung einige größere Sonderbestände vor, die spezifischen Propagandisten oder Propagandakampagnen zuzurechnen sind. Diese ermöglichen zum Teil neue Einblicke in die Entstehungs-, Produktions- und Steuerungsmechanismen von antisemitischen „Hate Pictures“.

Das ZfA bedankt sich bei Herrn Langerman für das uns entgegengebrachte Vertrauen und freut sich auf die anspruchsvolle Aufgabe, seine einzigartige Sammlung zu erforschen.

Navigation

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe