TU Berlin

Technische Universität BerlinGeschlechtliche Vielfalt

Inhalt des Dokuments

zur Navigation

Geschlechtervielfalt - was soll das bedeuten?

Das Bild zeigt eine neue Version der Pride Flagge, die vulnerablere Positionen innerhalb der LGBTIQ* Bewegung deutlich macht, nämlich vor allem solche von Schwarzen Trans*Personen.
“The ‘TQ PoC New Pride Flag’ features the Trans flag intersecting the original Rainbow flag while centring Black and Brown People of Color, in honour, memory, and acknowledgement that we must center people in the most vulnerable positions, to achieve liberation for all.”
Lupe

Auch wenn unsere Wahrnehmung im Alltag uns das oft glauben lässt, reichen die Kategorien Frau und Mann nicht aus, um Geschlechter und Geschlechtsidentitäten umfassend zu beschreiben. Geschlechtsidentität ist weder lebenslang festgelegt, noch lassen sich alle Geschlechtsidentitäten eindeutig und jeweils ausschließlich einer von nur zwei Schubladen zurechnen. Schon immer gab und gibt es Personen, die sich nicht in einer binären Aufteilung von Geschlecht wiederfinden.

Geschlechtervielfalt ist eine gesellschaftliche Realität. Das gilt auch für unsere Hochschule.

An der TU studieren und arbeiten aller statistischen Wahrscheinlichkeit nach nicht nur cis und dyadische, sondern auch trans, inter und nicht-binäre Hochschulangehörige.

Geschlechtliche Vielfalt ist ein aktueller Schwerpunkt der Diversity-Strategie der TU Berlin. Unser Ziel ist es, die Rahmenbedingungen z.B. für trans, inter und nicht-binäre Personen zu verbessern, sowohl in formalen Verwaltungsverfahren als auch im täglichen Umgang miteinander an der Universität.

Glossar

(Auszüge aus dem Leitfaden für geschlechtersensible Sprache des KFG)

Cis ist der Gegenbegriff zu trans. Als cis oder cisgeschlechtlich werden Personen bezeichnet, die sich dem Geschlecht zugehörig fühlen, das aufgrund körperlicher Merkmale in ihrer Geburtsurkunde vermerkt wurde.

Als dyadisch werden Menschen bezeichnet, die nicht inter sind, deren Körper also den medizinischen Normen von männlichen oder weiblichen Körpern entsprechen.

Als inter oder intergeschlechtlich werden Personen bezeichnet, deren Körper nicht den medizinisch bzw. gesellschaftlich konstruierten Normen eines weiblichen oder männlichen Körpers entsprechen. Intergeschlechtlichkeit kann eine pathologisierende Diagnose sein. Inter kann auch eine Geschlechtsidentität sein, genauso wie dyadische Personen können inter Personen aber eine weibliche, männliche oder transgeschlechtliche Identität haben.

Nicht-binär (bzw. Enby als englischsprachige Aussprache der Abkürzung NB für non binary) oder genderqueer sind Personen, die ihre Geschlechtsidentität nicht den Kategorien Frau oder Mann zuordnen, sondern die sich jenseits, dazwischen oder in beiden Kategorien verorten.

Als trans (oder transgeschlechtlich, transgender und transident) bezeichnen sich Personen, die sich nicht, nicht nur oder nicht ausschließlich dem Geschlecht zugehörig fühlen, das ihnen bei der Geburt aufgrund körperlicher Merkmale zugeschrieben wurde. Manche trans Personen fühlen sich »dem anderen« bzw. einem anderen Geschlecht zugehörig, manche fühlen sich gar keinem Geschlecht zugehörig.

Neben diesen gibt es eine Vielfalt an Selbstbezeichnungen (einige davon finden sich im queer Lexikon).

Für trans, inter, nicht-binäre Hochschulangehörige

  • Geschlechtseintrag divers oder kein Eintrag im Personenstandsregister

Unser digitales Erfassungssystem SAP ist in der Lage, neben den Geschlechtseinträgen weiblich und männlich den Eintrag divers und keine Angabe zu erfassen. Die Anrede lässt sich davon unabhängig festlegen. Als Anrede gibt es die Optionen Frau und Herr oder keine Anrede. Sollten Sie im Personenstandsregister den Eintrag divers oder keinen Eintrag führen, können Sie in der Personalabteilung (für Beschäftigte) bzw. im Studierendensekretariat (für Studierende) erwirken, dass dies auch an der TU so geführt wird.

Lassen Sie sich dazu gern von Anna Schreiner beraten und unterstützen.

 

  • Anrede auf Abschlusszeugnissen von Studierenden

Mittelfristig werden alle Abschlusszeugnisse der TU Berlin nur auf den Vor- und Nachnamen und ohne Anrede oder andere Hinweise auf das Geschlecht ausgestellt. Derzeit (Stand Dezember 2020) ist dies bereits für die Studiengänge Bachelor und Master Physik sowie Master Historische Urbanistik der Fall.

Falls Sie ein anderes Fach studieren und ein Zeugnis ohne Anrede benötigen, wenden Sie sich bitte an Anna Schreiner oder an das zuständige Team im Referat Prüfungen. Dies ist in Einzelfällen auch jetzt schon möglich.

 

  • Anpassung von Vorname und Geschlechtseintrag an der TUB für Studierende

Für Studierende gibt es die Möglichkeit, bei Vorlage des dgti-Ergänzungsausweises die Anpassung von Vorname und Geschlechtseintrag vornehmen zu lassen, bevor bzw. ohne dass eine Anpassung im Personenstandsregister und damit im Personalausweis vorgenommen wurde.

Eine Anpassung an der TU erfolgt selbstverständlich auch, wenn bereits eine amtliche Änderung vollzogen wurde.

In beiden Fällen können Studierende in tuPORT ihre Daten (z. B. Vorname und Angaben zum Geschlecht) ändern. Damit die Änderungen übernommen werden, muss dort ein Nachweis hochgeladen werden. Das kann die geänderte Geburtsurkunde sein, oder eben auch der dgti-Ergänzungsausweis.

Im Anschluss an die Datenänderung in tuPORT kann kostenfrei ein neuer Studierendenausweis und eine neue E-Mail-Adresse beantragt werden.

Bitte bedenken Sie, dass es ggf. zu Schwierigkeiten kommt, wenn Sie zugleich als studentische Hilfskraft beschäftigt sind.

Gern können Sie sich in Ihrem Anliegen von Anna Schreiner beraten und unterstützen lassen.

 

  • Anpassung von Vorname und Geschlechtseintrag an der TUB für Beschäftigte

Für Beschäftigte gibt es eine mit der Regelung für Studierende vergleichbare Möglichkeit bisher nicht: Stammdaten von Beschäftigten werden an der TU Berlin bisher nicht ohne offizielle Anpassungen im Personenstandsregister geändert. Stattdessen wird in SAP aktuell mit dem Workaround „Künstlername“ gearbeitet. Das heißt, Ihre Stammdaten im digitalen Erfassungssystem und auf Ihrem Beschäftigtenausweis sowie Ihre Vorname.Nachname(a)tu-berlin.de-Mailadresse bleiben dieselben.

Zusätzlich kann aber im Feld Künstlername (und Künstler-Anrede) Ihr gewünschter Vorname und Ihre gewünschte Anrede erfasst werden. Beides wird dann an vielen Stellen im System anstatt der Angaben aus Ihrem Personalausweis angezeigt. Dies geschieht aktuell jedoch noch nicht vollumfänglich, sodass der Vorname aus Ihrem Personalausweis stellenweise noch angezeigt wird.

Falls Ihr Institut oder Ihre Organisationseinheit eigene Mailadressen nutzt (wie beispielsweise Vorname.Nachname(a)soz.tu-berlin.de) gibt es die Möglichkeit, in dieser Ihren Vornamen aus dem Personalausweis mit Ihrem gewünschten Vornamen zu ersetzen.

Außerdem kann geprüft werden, ob die Nachname(a)tu-berlin.de-Mailadresse mit lediglich Ihrem Nachnamen anstatt Nachname und Vorname noch zur Verfügung steht.   

Gern können Sie sich in Ihrem Anliegen von Anna Schreiner beraten und unterstützen lassen.

Für alle anderen Hochschulangehörigen – Verbündete*r sein: „Becoming an Ally“

(viele der folgenden Hinweise sind inspiriert von der Broschüre „trans.inter*.nicht-binär“ und dem Leitfaden für geschlechtersensible Sprache des KFG)

  • Outen Sie eine Person keinesfalls. Wenn Sie von einer Person wissen, dass sie trans, inter oder nicht-binär ist, behalten Sie dieses Wissen für sich; es sei denn, Sie haben mit der Person andere Absprachen getroffen. Wenn Ihnen der alte Vorname einer Person bekannt ist, behalten Sie diesen für sich.  
  • Für Lehrende: Rufen Sie Studierende in Seminaren o. Ä. nicht als Frau X oder Herr Y auf, sondern lesen Sie lediglich deren Nachname vor. Nur den Nachnamen vorzulesen ist noch besser als Nachname und Vorname, da sich unter den Studierenden Personen befinden könnten, für die der Vorname aus ihrem Personalausweis bzw. Ihrer Anmeldeliste nicht stimmig ist. Geben Sie den Studierenden die Möglichkeit, Angaben auf der Anmeldeliste (vertraulich, bspw. per E-Mail) zu korrigieren.
  • Respektieren Sie die Freiheit der Anrede und den gewählten Vornamen. Wenn Personen Sie darum bitten, sie anstatt mit Herr X mit Frau X anzureden (oder umgekehrt) und einen anderen Vornamen zu nutzen – respektieren sie diesen Wunsch und handeln entsprechend. Falls Ihnen dies einmal missglückt, entschuldigen und verbessern Sie sich kurz. Machen Sie keine große Sache daraus. Aber achten Sie beim nächsten Mal darauf.
  • Nutzen Sie geschlechterumfassende Sprache, sowohl beim Schreiben als auch beim Sprechen. Das geht beispielsweise mithilfe des Gender-Sternchens wie in „Student*innen“. Eine Alternative sind neutrale Formen wie „Studierende“. Weitere Anregungen dazu finden Sie im Leitfaden zu geschlechtersensibler Sprache des Koordinationsbüros für Frauenförderung und Gleichstellung.
  • Nutzen Sie geschlechtsneutrale Anreden in E-Mails, wenn Ihnen die Geschlechtsidentität einer Person nicht bekannt ist, wie bspw. „Guten Tag Laura Lopez“.
  • Benennen Sie in Ihrer E-Mail-Signatur und ggf. auf Ihrer Webseite Ihre Anrede bzw. Ihr Pronomen. Damit zeigen und normalisieren Sie, dass nicht allein anhand des Vornamens oder anhand des Aussehens die Geschlechtsidentität einer Person ablesbar ist. Sie machen es damit indirekt auch anderen leichter, ihre Anrede bzw. ihr Pronomen zu benennen. Sie können in Ihrer Signatur auch darum bitten, dass die*der Empfänger*in der E-Mail Ihnen Pronomen bzw. -anrede mitteilt, damit Sie Ihr Gegenüber korrekt ansprechen können.

Beispiele:

Mein Pronomen ist sie/ihr. Teilen Sie mir gern auch Ihr Pronomen mit.

Mein Pronomen ist er/sein. Damit ich Sie auch künftig richtig ansprechen kann, teilen Sie mir gern auch Ihr Pronomen mit.

Bitte benutzen Sie eine geschlechtsneutrale Anrede für mich und verzichten Sie auf Frau oder Herr Nachname. Stattdessen können Sie Guten Tag Vorname Nachname oder Sehr geehrte*r Vorname Nachname nutzen.

  • Zweigeschlechtlich organisierte WC-Anlagen können trans, inter oder nicht-binären Personen den Toilettengang erschweren, weil sie dort als „falsch“ wahrgenommen werden. Beteiligen Sie nicht daran. Wenn Sie auf dem WC einer Person begegnen, die dem ersten Anschein nach dort „falsch“ ist, ziehen Sie die Möglichkeit in Betracht, dass Sie sich irren und nur ihr Äußeres zu diesem Eindruck führt. Lassen Sie die Person in Ruhe das WC nutzen. Schreiten Sie ein, wenn andere die Anwesenheit der Person kritisch kommentieren. Setzen Sie sich für geschlechtsneutrale WCs in Ihrem Bereich ein.

  • Generell: Schreiten Sie ein, wenn Sie Zeug*in eines diskriminierenden Vorfalls werden! Vor allem trans Personen werden übermäßig häufig zu Betroffenen von transfeindlichen oder (hetero-) sexistischen (verbalen und körperlichen) Angriffen. Schauen Sie nicht weg, sondern bieten Sie der betroffenen Person währenddessen und/oder hinterher Ihre Unterstützung an! Hier finden Sie auch eine Vorlage für ein Gedächtnisprotokoll als bezeugende Person.
  • Für Lehrende: Überprüfen Sie Ihren Lehrkanon. Gibt es die Möglichkeit, Geschlechternormen kritisch zu reflektieren? Tun Sie das.
  • Für Studierende: Überprüfen Sie Ihre Literaturlisten. Gibt es vielleicht Frauen oder queere Personen, die zum jeweiligen Thema auch Relevantes beigetragen haben?

Einführungsvortrag: Geschlechtliche Vielfalt in Verwaltung und Lehre

Die Existenz von geschlechtlicher Vielfalt wird immer mehr Menschen bewusst. Doch wie geht es eigentlich trans*, inter* und abinären Studierenden und Beschäftigten an unseren Universitäten? Dieser und weiteren Fragen sind wir in einem Einführungsvortrag zum Thema trans* und geschlechtliche Vielfalt an Hochschulen im deutschsprachigen Raum nachgegangen.

Im Vortrag ging es darum, welche Hürden trans*, inter* und abinäre Personen in ihrem Alltag an der Hochschule oft erleben. Aber auch darum wie sie mit den jeweiligen Herausforderungen an ihrer Universität umgehen. Welche Chancen und Möglichkeiten haben sich in den letzten Jahren aufgetan? Wie können wir als Mitarbeitende der Hochschule wertschätzend und unterstützend sein? 

Für den Vortrag konnten wir Né Fink gewinnen. Né Fink ist als Trainer und Berater im Bereich geschlechtliche Vielfalt tätig. Xe (Pronomen) hat zwei Jahre das Pilotprojekt Unterstützung von trans* Studierenden an der Universität Göttingen koordiniert. Né Fink hat einen Master in „Gender and Ethnicity“ und eine systemische Beratungsqualifikation. Xe hat langjährige Erfahrung in der trans*- und Angehörigen-Beratung.

Beratungsstellen, Vereine und Selbstorganisierung für TIN Personen

  • QUEER LEBEN - Beratungsstelle für inter- und transgeschlechtliche Menschen und ihre Angehörigen 
  • Lesbenberatung Berlin - ein offener Ort für Frauen, Mädchen, Inter* und Trans* in unterschiedlichen Lebenssituationen  
  • LesMigras- Beratung für Lesben, bisexuelle Frauen, Trans* und Inter* (LBTI)  

  • TrIQ - soziales Zentrum und ein politisch, kulturell und im Forschungsbereich aktiver Verein, der sich für trans-, intergeschlechtliche und queer lebende Menschen in Berlin und darüber hinaus einsetzt 
  • GLADT - Selbstorganisation von Schwarzen und of Color Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*, Inter* und Queere Menschen in Berlin
  • Casa Kuá – Trans* Inter* Queer Community & Health Center

Navigation

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe