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TU Berlin

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Diskriminierung

Aktiv werden und sich gegen Diskriminierung wehren!!

Die internationalen StudentInnen am Hochulstandort Berlin/Brandenburg
Von Lucía Muriel

"Empfehlen Sie den Landsleuten in Ihrer Heimat in der jetzigen Lage nach Deutschland einzuwandern?" werde ich öfters gefragt. Ich habe gelernt, dass diese Frage eher aus der Sorge heraus gestellt wird, ich könne Deutschland tatsächlich, womöglich unüberlegt, als Einwanderungsland empfehlen.
Nach dem Motto: Indem ich unverantwortlich bei den potenziellen Einwanderern falsche Erwartungen wecke, könnte ich dazu beitragen, dass noch mehr Ausländer nach Deutschland kommen. Aus Sicht derer, die die Debatte, ob Deutschland nun ein Einwanderungsland sei oder nicht, lieber mundtod gemacht hätten, könnte die Werbung für Deutschland als deutschfeindlich interpretiert werden. Für die geschichtlich ewig Blinden beinhaltet die Debatte immer nur, dass Deutschland zum Empfängerland aller Armen dieser Welt werden könnte. Anfänglich hatte ich irrtümlich angenommen, die Deutschen würden mir die Frage aus der Sorge heraus stellen, dass es vielleicht nicht allen Eingewanderten in Deutschland gut genug ginge und das Image der Deutschen im Ausland nicht so positiv ausfallen könne.
Aber wie gesagt, da hatte ich mich geirrt. Ich arbeite mit einer Gruppe von Menschen in Berlin, die in ganz besonderer Weise zur Bereicherung und Stärkung der endogenen Potenziale dieser Stadt beitragen. Oder besser gesagt: "... beitragen könnten"- hätten die Deutschen gelernt, die Jugend und die Vielfältigkeit von Menschen als die kostbarste Ressource für eine optimistische Entwicklung zu betrachten. Dann nämlich wären diese Menschen die Wissensträger für kreative und nachhaltige Lösungen der wichtigsten anstehenden Probleme dieser, etwas ins Stocken geratenen, Berliner Stadtentwicklung.
Es handelt sich um Studenten und Studentinnen aus außereuropäischen Ländern.
Und damit zur Realität: Gerade sie gehören auch zu der Gruppe, die sich in mehreren Landesteilen Deutschlands wegen ihrer Hautfarbe oder wegen anderer "äußerlicher" Merkmale nicht sicher fühlen dürfen. Eine unüberschaubare Anzahl von Gruppen und Individuen haben die Träger der unterschiedlichsten Merkmale als Zielscheibe menschenfeindlicher Aggressionen deklariert. Und im Allgemeinen ist das Recht auf der Seite der Aggressiven, auf der Seite der Rassisten und Rechtsradikalen. Nicht auf der Seite der Gäste, der Studierenden. Das ist eine Besonderheit des deutschen Verständnisses von Gastrecht.
Konkret sieht es so aus: ein afrikanischer Student wartet auf einer Berliner S-Bahn-Station sieben Uhr morgens auf die S-Bahn, die ihn zu seinen Studentenjob bringen soll. Eine Gruppe von etwa zehn jugendlichen Rassisten kommt auf ihn zu, provoziert ihn, schlägt schließlich auf ihn ein bis er das Bewusstsein verliert. Ich kenne kaum einen einzigen afrikanischen oder lateinamerikanischen Studierenden, der nicht von ähnlich bedrohlichen Situationen berichten kann.
Anderswo sieht es so aus, dass die Eingänge der Institute oder der studentischen Wohnheime mit Aufschriften bemalt sind, wie "Tod den Niggern", "nur jeder tote Nigger ist ein guter Nigger", "wir erwischen Euch!" und ähnliches mehr. Die Tatsache, dass das keine leeren Mahnungen oder Drohungen sind, sondern dass täglich Menschen mit schwarzer Haut in der Gefahr leben, Opfer von rassistischen Aggressionen zu werden, führt bei den Betroffenen dazu, dass sie – solange sie in Städten leben wie Cottbus, Magdeburg, Halle, Brandenburg, Rostock - keine Ruhe mehr finden. Afrikanische Studierende an der Brandenburger Technischen Universität Cottbus können zweifellos als ein Beleg dafür gesehen werden, dass deutsche Hochschulen noch immer attraktive Ausbildungsstätten für einige Länder des Südens darstellen. Also kommen jährlich eine Reihe von Studenten und Studentinnen nach Cottbus, um sich in einem der international hoch angesehenen Masterlehrgänge ausbilden zu lassen. Jedoch ahnen sie vor der Einreise nach Deutschland nicht, dass sich ihr Leben nur als eine Existenz im Schatten des Cottbusser Alltages abspielen wird. Sie können an den Wochenenden nicht in den Parks ruhig und entspannt spazieren gehen oder an Straßenfesten partizipieren. Sie können nicht an den Wochenenden abends eine Disco besuchen. Und ihre Bewegungsfreiheit zwischen Universität, Mensa und Wohnung wird sich streng einschränken auf die Zeit zwischen 8 und 18 Uhr. Später am Abend müssen sie einen sehr guten Grund haben, um auf die Straße zu gehen und allein geht es schon gar nicht. Wenn sie in einen Zug oder eine S-Bahn steigen wollen oder müssen, dann sind Vorkehrungen zu treffen: möglich nicht in Züge steigen, die in Magdeburg lange halten, oder dass sie dort nicht umsteigen müssen. "Das bedeutet eine Lebensgefahr für uns, die wir nicht kontrollieren können.", sagen die Studenten und Studentinnen mit schwarzer Hautfarbe. Unter diesen Umständen zu studieren bedeutet, unsicher zu sein und nicht zu wissen, ob sie nicht doch etwas übersehen haben, das sie den Rassisten, den gewaltbereiten Neonazis oder Skinheads ausliefern könnte.
So zu leben, stellt für alle Betroffenen eine gravierende Verunsicherung ihres Selbst dar, auch für die, die vielleicht bisher nicht geschlagen oder gedemütigt wurden, die aber wissen, dass sie zu den potenziellen Opfern des Rassismus gehören. Das zunächst bei allen von Natur aus mitgegebene Urvertrauen auf die Unversehrtheit des Lebens erlebt plötzlich einen Bruch quer durch alle sozialen Beziehungen und auch durch das eigene Selbstvertrauen. Sehr oft erlebe ich, wie die Studenten und Studentinnen voller Selbstvorwürfe erzählen, dass sie am Wochenende doch mal ausgegangen seien, dass sie nicht rechtzeitig zu Hause angekommen seien, dass sie unvorsichtigerweise doch die Abkürzung durch einen Park gelaufen seien, dass sie einem jungen Neonazi doch auf die Provokationen geantwortet hätten. Dieser Argumentationsstrang erinnert mich an meine Arbeit mit Frauen und Kinder, die unter häuslicher Gewalt litten. Die Opfer bezichtigen sich selbst ihrer Mitschuld an den Aggressionen der Täter. Der Blick auf ihre Daseinsberechtigung, auf ihr Menschenrecht auf Sicherheit und Unversehrtheit, auf Respekt ihrer Persönlichkeit frei von jeglichen Bedingungen verschwimmt immer mehr. Mit den Selbstvorwürfen geht immer mehr von ihrer Würde und ihrer Selbstwertschätzung verloren. Die hasserfüllten Fremdbilder der Neonazis, der Rassisten und vieler ausländerfeindlich Gesinnten dringen in das Selbstbild ein und lassen ihr Leben als Opfer zu ihrer ureigenen persönlichen Angelegenheit werden. Sie glauben, dass sie nur durch hohe Eigenverantwortung und Selbstdisziplin wieder aus der Krise herausfinden.
Das Leben als potenzielles Opfer des Rassismus wird als Lebenskrise definiert, als Pech oder Schicksal, das mit der entsprechenden Geduld und Demut hingenommen werden muss. Andere macht diese Situation sehr wütend. Aber selbst die Wut erscheint wie eine Gefahr, die sie aus der Selbstkontrolle bringen oder zu Straftäter machen könnte.
Je länger diese Situation anhält, umso stärker wird sie verinnerlicht. Sie fließt in die Bewältigung des angstbeladenen Alltages ein und gräbt sich immer tiefer. Das Misstrauen gegenüber der Außenwelt wächst und führt zu schweren psychischen Krisen und Störungen. Und dann stellt sich die Frage, wer hilft ihnen aus diesen Störungen wieder heraus? Die Politiker, die sich mit der Präsenz dieser Studenten und Studentinnen bezüglich der Internationalisierung ihrer Hochschulen schmücken?
Die Stadtverwaltungen, die diesen gewaltbereiten und antidemokratischen Gruppierungen und Gesinnungen tatenlos gegenüber stehen? Die deutschen KommilitonInnen oder DozentInnen, die ungeachtet dieser Realität von den jungen Studenten und Studentinnen die üblichen Studienleistungen abfordern? Die Ausländerbehörde, die die Aufenthaltsbedingungen einklagt als wären diese die einzigen Merkmale eines Lebens in Deutschland? Sie alle würden sich wahrscheinlich auf ihre sprachlose Betroffenheit zurückziehen und fragen:
Gibt es denn keine professionelle Einrichtung, die sich darum kümmert?
ReachOut ist eines der wenigen Angebote für Menschen in diesen Situationen.
Diese Einrichtung bringt die Verletzung der Menschenrechte, das Recht auf Respekt und Unversehrtheit in die öffentliche Wahrnehmung, in dem sie "Beratung und Bildung gegen Rechtsextremismus und Rassismus" zum Gegenstand ihrer Arbeit und ihres Wirkungsfeldes macht. Nun kann niemand mehr sagen, dass der alltägliche Rassismus und die rechtsradikale Gewalt nur in den Köpfen einiger weniger existiert.
Meine Landsleuten und allen, die mich danach fragen, wie es sich in Deutschland leben lässt, werde ich von ReachOut erzählen, aber auch davon, dass der technische Fortschritt, die "deutsche Ordnung und Disziplin" kein Garant sind für den Respekt und die Sicherheit, die ihnen als Gäste zustehen.
Dieser Artikel hört sich sicherlich sehr drastisch und polemisch an, dennoch entspricht er der jetzigen Realität. Man könnte auch mit anderen Worten sagen, dass diese Artikel etwas übertrieben geschrieben wurde. Leider ist es eine alltägliche Situation, mit der sich die ausländischen Studierenden konfrontiert sehen. Eine Werbung für die oben genannte Institution ReachOut ist nicht die Absicht dieses Artikels, es muss letztendlich nur die Realität der ausländischen Studenten und Studentinnen aus außereuropäischen Ländern offen gezeigt werden. Zugleich gehört es auch nicht zur Absicht eine pauschalisierende Darstellung der Situation der Studenten und Studentinnen in östlichen Städten Deutschlands zu liefern. Natürlich hat sich das gesamte Bild Deutschlands drastisch in allen möglichen Schienen verändert, die Frage ist nur, inwiefern und in welche Richtung geht die Entwicklung, vor allem: wenn man sich die Problematik des Zuwanderungsgesetzes (womöglich noch ca. 60 offenen Fragen im Kernbereich des Zuwanderungsgesetzes wie z.B. Integration, humanitäre Einwanderung und Arbeitsmigration von qualifizierten Arbeitskräften) fortschreiten, anguckt. Trotz der Einigung des Zuwanderungsgesetzes bezüglich qualifizierten Arbeitskräften zeigt sich noch große Meinungsunterschiede zwischen Regierung und Opposition, die eine große Spaltung bei der Betrachtung der Ausländerpolitik herstellt. Trotz aller dieser Debatten soll der Anspruch oder die Herausforderung zum Aufruf und Auffindung zum möglichen Dialog, aber besonders stark die Auffindung solcher diskriminierenden Fälle, aus welchem Grund auch sie immer entstehen. Das ist das Hauptziel dieses Artikels und damit gleichzeitig der Beitrag des Personalrats, der in diese schwierige Thematik "Diskriminierung" eingebracht werden soll.
Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland steht: Niemand darf aus welchem Grund auch immer diskriminiert werden. Mit den Gründen sind folgenden Kriterien: Religion, Sexualität, Nationalität (Herkunft), Sprache, Rasse, Bildung, Alter und vor allem Schwerbehinderung. Ganz wichtig ist dabei, dass die Würde des Menschen unantastbar bleiben werden soll (Art. 1 GG).
Diskriminierung kann sich in einer verbalen, sowie in einer körperlichen Belästigung äußern. Außerdem können jegliche Beleidigungen oder Vorwürfe, die die Menschenwürde verletzen und dabei die Menschenwürde gefährden, zu Diskriminierungsansätzen gezählt werden. Solche Diskriminierungsansätzen gehören zu den typischen Diskriminierungsfällen, die meistens sowohl von Opfern als auch von Täter übersehen werden. Zwar lässt sich diese Art von Diskriminierungen schwer widerlegen, weil sie meistens sowohl bewußt, als auch unbewußt durch die Opfer vergessen oder meistens verdrängt werden. Diese Art, Diskriminierung zu verdrängen oder zu vergessen kann einerseits zu einer bequemen Haltung führen, dennoch kann dadurch die Würde eines Menschen noch schwerer verletzt werden, da der Fall nicht sofort behandelt wird, sondern erst, wenn er zur Furcht oder Nervenzusammenbrüchen, Frustrationen, Traumas, geworden ist.
Auch der Personalrat der studentischen Beschäftigten widmet sich der Bekämpfung jeglicher Form von Diskriminierung, sexuelle Belästigung und Gewalt an Arbeitsplätzen und weist auf die Richtlinien der TU zum Schutz vor den Belästigten hin. Es geht hier nicht um die Häufigkeit der Fälle, sondern viel mehr darum, dass solche Fälle überhaupt existieren und vorkommen können und das eine gewisse Aufmerksamkeit zugewidmet werden soll, anders gesagt: man soll sich damit auseinandersetzen und sich darüber Gedanken machen, ob man vielleicht schon auch mal ein Opfer gewesen war oder ist.
Alle Mitglieder der Personalräte sind zuständig für die Entgegennahme von Beschwerden, da der Personalrat sich als Träger von Leistungs- und Betreuungsaufgaben besonders der studentischen Beschäftigten, aber auch allgemein aller Studierenden versteht.


Hier einige Richtlinien und Internetadressen von Initiativen und Vereinen, die sich gegen Diskriminierung und Belästigung einsetzen. Also, aktiv werden!!.

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