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TU Berlin

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Subjektive Sicherheit im ÖPNV - Test und Evaluation Ausgewählter Maßnahmen (SuSiteam)

Projektbearbeitung

Förderung durch

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi)

Laufzeit

Bis Mai 2011

Projektbeschreibung

Problem

Das Sicherheitsempfinden von Fahrgästen spielt eine große Rolle für die Attraktivität des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Eine negative Einschätzung der Sicherheit führt dazu, dass Menschen den ÖPNV meiden, weniger oder ungern nutzen – was wiederum zu einem schlechteren Sicherheitsgefühl in leeren Zügen führen kann, etwa nachts. Häufig lässt sich eine Diskrepanz zwischen der Sicherheitseinschätzung von Personen und der tatsächlichen Sicherheitslage beobachten. Die verschiedenen Sicherheitswahrnehmungen sind soziokulturell in Lebensformen und -stilen verwurzelt. Andererseits spielen auch die Darstellung von Sicherheit und Kriminalitätsdelikten in den Medien sowie das Erscheinungsbild der Infrastrukturen eine entscheidende Rolle.

Verkehrsunternehmen investieren in eine Vielzahl von Maßnahmen, um einem solchen Attraktivitätsverlust des ÖPNV vorzubeugen, z. B. in den Einsatz von Sicherheitspersonal einschließlich Reinigung, in bauliche Veränderungen und technische Sicherheitseinrichtungen sowie auch in präventive Kommunikations- und Dialogmaßnahmen, die den Fahrgast unmittelbar in seinem Verhalten und Empfinden zu erreichen suchen. Offen bleibt aber meist, ob diese Maßnahmen auch das leisten, was man von ihnen erwartet. Dies führt zu einer Fehlbewertung der Wirkweisen und Leistungspotentiale von Einzelmaßnahmen bzw. fallweise auch zur Abwertung einer Maßnahme zugunsten einer anderen. Was im Allgemeinen fehlt, ist kaum ein entsprechendes Angebot bzw. Nutzung möglicher Maßnahmen. Vielmehr mangelt es an Steuerungsmöglichkeiten in Richtung eines optimal abgestimmten Maßnahmenmix. Dieser muss auf Grundlage einer integrierten Betrachtung von Maßnahmen entwickelt werden: Welche Kombination von Maßnahmen erzielt bei unterschiedlichen Bedingungen und in unterschiedlichen Situationen den bestmöglichen Nutzen der Maßnahmen unter optimaler Verwendung von finanziellen und auch personellen Ressourcen?

Ziele

Der Fokus von SuSiteam liegt deshalb nicht auf der Neuerfindung von Maßnahmen: Ziel ist vielmehr, die zahlreichen bereits vorhandenen Maßnahmen zu integrieren und so besser und effizienter zu nutzen. Dazu werden bei drei Verkehrsanbietern im Bereich des Metropolen-, Stadt- und Landverkehrs in Berlin und Brandenburg die eingesetzten Maßnahmen nach Wirkungen, Nutzungen und dem jeweiligen Aufwand an Ressourcen typologisiert, um Maßnahmen situationsspezifisch aufeinander abzustimmen und zu bündeln. Ein Lernprozess soll stattfinden, indem eingesetzte Maßnahmenbündel evaluiert werden, dann den Ergebnissen entsprechend abgeändert – und wiederum evaluiert werden. Durch dieses iterative Verfahren soll der Maßnahmeneinsatz in den ausgewählten Verkehrsstrecken optimiert werden, um hierdurch

  • Fahrgastzahlen zu stabilisieren und ggf. zu erhöhen,
  • Kundenbindungen zu stärken,
  • das Image des ÖPNV zu verbessern,
  • die Wirtschaftlichkeit des ÖPNV zu optimieren und
  • Anforderungen an das Sicherheitsmanagement etwa im Rahmen von Verkehrsverträgen zu spezifizieren.

Vorgehen

1. Die Bewertung der Wirkung von kombinierten Maßnahmen wird in 4 ausgewählten Testfeldern an Strecken und Problemhaltestellen durchgeführt, die für den jeweiligen Verkehrsbetreiber exemplarischen Charakter haben und interessante Vergleiche ermöglichen. Die Testfelder sind

  • Stadtverkehr: Das Verkehrsnetz Brandenburg an der Havel
  • Metropolenverkehr: Der Berliner S-Bahn Ring
  • Ländlicher Regionalverkehr: Oberhavel Verkehrsgesellschaft, Busverkehr
  • Verdichtungsraum Berlin-Brandenburg: S-Bahn und Oberhavel Verkehrsgesellschaft,
  • S-Bahn-Bus-Anbindung

2. Die verschiedenen Verkehrsräume werden hierzu gründlich untersucht und beschrieben, unterschiedliche Maßnahmen ausgewählt sowie Experimentalstrecken und Kontrollstrecken festgelegt. Insgesamt 36 Maßnahmen konnten fixiert und in Maßnahmenkatalogen zusammengefasst werden. Beispiele für ausgewählte Maßnahmen sind unter anderem:

  • Videoaufzeichnung im Zug (Technische Maßnahme)
  • Umbau einer Haltestelle (Bauliche und gestalterische Maßnahme)
  • Begleitung in Nachtzügen (Personelle Maßnahme)
  • Haltestellenpatenschaften (Dialog-Maßnahme)
  • Kampagne über Alkoholmissbrauch (Informations- und Kommunikationsmaßnahme)

3. Die Testfelder und der geplante Maßnahmeneinsatz werden mit Hilfe von GIS in ÖPNV-Sicherheitslandkarten visualisiert, auf die im Zuge des Projekts aufgebaut wird, um unterschiedliche Parameter der Verkehrsräume in Beziehung zu den Wirkweisen der Maßnahmen in Beziehung zu setzen.

4. Die Maßnahmen werden nach den Wirkweisen typologisiert, wobei auch Nutzungszweck und Ressourcenaufwand bei den Verkehrsunternehmen berücksichtigt werden. Hierzu werden Experteninterviews durchgeführt und die Ergebnisse mit den Testfeldbeschreibungen in Beziehung gesetzt.

5. Für die Maßnahmenbewertung wird auf Grundlage der Typologie ein Evaluationsmodell entwickelt, mit dem die verschiedenen Maßnahmen im je spezifischen Bereich auf ihre Wechselwirkungen, z.B. präventive und reaktive Wirkungen, hin untersucht und beschrieben werden können.

6. In einem iterativen Verfahren aus Maßnahmen-Implementierung und -Variation werden über die Laufzeit des Projekts die Wirkungspotentiale der Maßnahmen bestimmt und geeignete Maßnahmenbündel ermittelt. Es stehen also nicht einzelne Strategien oder Techniken im Fokus, sondern unterschiedliche Wirkweisen, die das Sicherheitsempfinden von Fahrgästen beeinflussen und an denen mehr als eine einzelne Maßnahme beteiligt sein kann.

7. Die Wirkung der implementierten Maßnahmenbündel auf das Sicherheitsempfinden der Fahrgäste wird über die Laufzeit des Projekts in vier Wellen je Testfeld (resp. Experimental- und Kontrollstrecke) erhoben. Aufbauend auf bestehenden Kundenzufriedenheitsbefragungen werden hierzu Fragebögen entwickelt. Zugleich werden ergänzend zu den Fahrgastbefragungen auch Interviews mit Tätern geführt, um weitere Wirkungspotentiale hinsichtlich ausgewählter Deliktarten wie Graffiti und Vandalismus zu bestimmen und in die sukzessive Optimierung einzubeziehen.

8. Neben der Bewertung von Maßnahmenbündeln wird ab Beginn des Vorhabens untersucht, welchen Einfluss die jeweils regionale Berichterstattung in den Medien zum Thema Sicherheit im ÖPNV auf die Kundenwahrnehmung hat bzw. in welchem Verhältnis der Einfluss der Medien zu den Wirkungspotentialen der Maßnahmenbündel steht. Zugleich wird gefragt, ob und wie durch eine zielgerichtete Berichterstattung die Wirksamkeit von Maßnahmen zur Erhöhung der subjektiven Sicherheit von Fahrgästen verbessert werden kann.

9. Ziel ist es schließlich auch, das Wissen und die Erfahrungen von Akteuren anderer Verkehrsunternehmen und weiterer relevanter Institutionen in den Prozess der Untersuchung einzubeziehen. Es werden deshalb insgesamt sechs Dialog-Workshops u.a. zu folgenden Themen durchgeführt:

  • Medien und subjektive Sicherheit im ÖPNV (vorauss. 06.03.2009; Berlin)
  • Jugendliche
  • Senioren
  • Alkohol

Ergebnisse

Die Ergebnisse aus der Test- und Evaluationsphase von SuSiteam werden in einem Sicherheitsmaßnahmenplan zusammengefasst. Das Dokument stellt ein Instrument dar, das auch über die Projektlaufzeit hinaus eine Basis für Management- und Investitionsentscheidungen bieten möchte, wenn es darum geht, die subjektive Sicherheit von Fahrgästen im ÖPNV zu erhöhen. Entsprechend werden die Ergebnisse sowohl kontextspezifisch wie auch möglichst ortsunabhängig verallgemeinert, um auch von anderen Verkehrsunternehmen genutzt werden zu können. Der Sicherheitsmaßnahmenplan wird im Rahmen einer öffentlichen Abschlussveranstaltung Ende 2010/Anfang 2011 vorgestellt.

Zusatzinformationen / Extras

Quick Access:

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Kontakt

Leon Hempel
Tel.: +49 (0)30 314-25373
hempel(at)ztg.tu-berlin.de
Room 5.19

Sekretariat

Zentrum Technik und Gesellschaft
sec. HBS 1
Hardenbergstr. 16-18
D - 10623 Berlin
Tel.: +49 (0)30 314-23665
Fax: +49 (0)30 314-26917